• Die Kritiken waren durchwegs ambivalent und das war auch mein Eindruck. Musikalisch hervorragend (wie zu erwarten unter Christie), auch die Protagonisten Médée und Jason. Die Inszenierung mit der offenbar für Homoki typischen Betriebsamkeit und Unruhe. Zwar keine Drehbühne wie in den Puritani, dafür eine dauernd und unbegründet rauf und runter fahrende Zwischenebene.

  • Es ist doch auch ganz klar, dass jeder Mensch anders fühlt und denkt. Einer wird voll und ganz mitgerissen und an dem anderen läuft das Geschehen auf der Bühne vielleicht vorbei, weil er andere Bilder und Vorstellungen im Kopf hat. Es gab einige hervorragende Kritiken und die sprechen mir aus dem Herzen. Jeder von uns Opernbesuchern hatte bestimmt schon Sternstunden, in denen einfach alles passt und man in eine musikalische Welt abtaucht, die überwältigt. Das war mein Erlebnis und darüber bin ich überaus dankbar.

  • Gedanken zur "Médée":


    Médée, die für Jason getötet und ihre Heimat verlassen hat, erhält mit ihrer Familie Zuflucht in Korinth. Dort herrscht König Créon.


    Jason ist der Auseinandersetzung mit Médée müde. Er geht ihr nicht aus dem Weg, aber es ist anstrengend. Er hat sich in der neuen Heimat angepaßt, die blütenweiß gekleidete Spaßgesellschaft des Hofes vertreibt sich die Zeit in Spielen. Die mädchenhaft unbekümmerte Königstochter Créuse und er haben sich ineinander verliebt. Médée hat sich nicht angepaßt, sie bleibt fremd, unheimlich. Créon will eine Chance nutzen sie loszuwerden.


    Das Bühnenbild zeigt einen doppelten Boden. Der obere, befestigt mit schweren Lasthaken wirkt wie ein schwankender Boden. Dort kann man verborgen bleiben, beobachten, über dem Geschehen thronen. Médée wirkt machtvoll präsent. Vom beobachten zum verstehen ist es nur ein Hauch. So treibt sie Créon in den Wahnsinn, daß er in einem Meer aus Tüll, Puder und Perücken ertrinkt. Katzenartig und völlig lautlos bewegt sie sich auf der Bühne. Sie sieht aus wie eine Wilde, ihre Ausbrüche sind kontrolliert und manchmal erstarrt sie wie zur Statue. Die Präsenz haut einen um. Es gibt keine Antwort, warum eine Frau ihre Kinder tötet.
    Fulminant!

  • Danke für die gute Zusammenfassung. Es waren so viele Eindrücke, dass ich nicht wüßte, wo ich anfangen sollte. Es passte für mich einfach alles und ich kann mich echt nicht erinnern, in solcher Spannung, mich selbst umklammernd, eine Opernvorstellung verfolgt zu haben. Die Sängerinnen und Sänger, allen voran natürlich Stéphanie d' Oustrac als Médée überzeugten nicht nur durch jeder Stimmung angepasstem Gesang, sondern auch in ihrem schauspielerischen Können. Fühlte mich immer wieder in Aufführungen der KOB versetzt, denn auf diese Kombi wurde dort ja sehr viel Wert gelegt. Ich kannte zwar bisher niemanden aus der Sängerriege, aber auch Kaufmann hat es von dort auf die ganz großen Bühnen geschafft ;-) und Frau d' Oustrac sowieso.
    Dass eine Frau oder manchmal auch Männer ihre Kinder töten (aus verschmähter Liebe und um den Partner schwerst zu verletzen), kommt ja leider immer wieder vor. Gerade diese Verbindung zu Menschen aus allen Generationen, auch zur unsrigen, hat mich wohl so besonders stark mitgenommen. Es war wirklich eine unglaublich gute und sensible Inszenierung. Würde die Reise wieder auf mich nehmen.

  • haben Sie die Medee Neuinszenierung in Zürich im Januar gesehen; soll ganz ausgezeichnet gewesen sein, was man so hört

    Nein, gesehen habe ich sie nicht, habe aber die Einträge hier und in der Presse verfolgt. Wer der Dramaturg war, wußte ich auch. Und? Wenn das alles ist....


    Ja, "soll" ganz gut gewesen sein:

    Die Kritiken waren durchwegs ambivalent und das war auch mein Eindruck. Musikalisch hervorragend (wie zu erwarten unter Christie), auch die Protagonisten Médée und Jason. Die Inszenierung mit der offenbar für Homoki typischen Betriebsamkeit und Unruhe. Zwar keine Drehbühne wie in den Puritani, dafür eine dauernd und unbegründet rauf und runter fahrende Zwischenebene.