Osterfestspiele 2021

  • Es ist doch einfach nicht davon auszugehen, dass das zahlungkräftige Publikum zu dumm oder zu ungebildet ist, sich selbst ein Bild über die Situation in der Welt zu machen

    Ich denke es ist wie überall auf der Welt, es gibt solche und solche. "Zahlungskräftig" und "dumm" steht sicher in keinem direkten Zusammenhang, weder so noch so. Ob allerdings die "Zahlungskräftigen", die nicht "dumm" sind, die Auffassungen von parlando vertreten, was Inszenierungen angeht, ist ja auch noch mal eine andere Frage.

    Ich sehe darin auch einen der Gründe, warum sich Großsponsoren immer stärker aus der materiellen Förderung zurückziehen.

    Dafür sehe ich nun tatsächlich eher andere Gründe. Es geht bei dieser Frage wohl eher darum, was wie werbewirksam ist. Und da sind die sozialen Medien sicher werbewirksamer als ein Klassik-Festival - auch bei den "Zahlungskräftigen".


    Im übrigen hatt die Berliner Staatsoper auch Osterfestspiele, die fast immer ausverkauft sind, also wo ist eigentlich das Problem? Sollen sie doch ein Osterfestival in Dresden machen, wird sich auch verkaufen.

  • Christian Thielemann: "Wir haben sie gefunden. Wir planen eine Form eigener Osterfestspiele in der Semperoper ab 2023."


    Mir kommt das so ein bißchen wie eine Trotzreaktion vor.

    Und das Bestreben, den Österreichern nachzueifern und in deren Fußstapfen zu treten. Nur sind die Schuhe leider zu groß. Das kann man sehr deutlich daran sehen, daß das Abkupfern des Wiener Opernballs ziemlich in die Hose ging. Von dem kann man nun halten, was man will, aber der Wiener Schmäh veredelt ihn sozusagen und er ist weltweit ein Begriff. Der Abklatsch in Dresden ist einfach nur oberpeinlich.

    Aus meiner Sicht hinkt der Vergleich von Semperoper- Ball mit dem Wiener Opernball einfach auch deshalb, weil der Dresdner Ball auch einer für die Bevölkerung ist, die die Gelegenheit hat, auf dem Operplatz selbst zu tanzen und dieses auch tut, im Gegensatz zum Wiener Opernball, der ja nun wirklich eine andere Zielgruppe von Besuchern im Visier hat. Und solange im Fernsehen der Musikantenstadl und vergleichbare Formate sein Publikum findet und hat , solange hat ja auch der Semperopernball seine Berechtigung für eben dieses Publikum als Zahler von Steuern und Fernsehbeiträgen. Das gehört halt zur kulturellen Vielfalt. Im Übrigen hat auch der Wiener Opernball seine Peinlichkeiten - auch im Hinblick auf die Interviews der Ballbesucher_innen, da helfen auch keine subversiven Kommentatoren. Demokratische Teilhabe hat halt unterschiedliche Facetten wie auch die Geschmäcker. Es soll ja auch Zuschauer_innen geben, die sich auf jede Folge des Traumschiffs oder Filme von Rosamunde Pilcher wie närrisch freuen - aber nur wegen der schönen Landschaftsbilder! Die Menschen sind halt so und alles im Leben ist Komödie !

  • mit inszenatorischem Mittelmaß

    Wenn das musikalische Niveau stimmt........ Die DC Besetzung hat doch einen entscheidenen Schwachpunkt.


    Das Haupt-Argument der CT-Fraktion zieht jedenfals agesichts der aktuellen Lage kaum.

    Kurzenschlossene bei Karten- und Hotelpreisen wie in Salzbug zu Ostern sind wohl weniger zu erwarten.....


    Und es soll sogar Menschen geben, die TROTZ, ja sogar WEGEN morderner Inszenierungen weit reisen.

  • Aus meiner Sicht hinkt der Vergleich von Semperoper- Ball mit dem Wiener Opernball einfach auch deshalb, weil der Dresdner Ball auch einer für die Bevölkerung ist, die die Gelegenheit hat, auf dem Operplatz selbst zu tanzen und dieses auch tut, im Gegensatz zum Wiener Opernball, der ja nun wirklich eine andere Zielgruppe von Besuchern im Visier hat.

    Das ist natürlich richtig. Nur möchte ich bezweifen, daß die eigentliche Zielgruppe der Macher des Dresdner Opernballs die Schunkler auf dem Platz sind. Die Hauptsache dieses Balls machen doch die lobhudelnden Reden für irgendwelche Honoratioren aus. Oder die Plattform, die man solchen Leuten dafür gibt.

    Ich erinnere mich noch an die Rede des saudischen Kronprinzen. Da hat man sich wirklich die Augen gerieben und man sah Saudi-Arabien schon als demokratisches Land. Und jetzt? Jetzt wird er des Mordes bezichtigt.

  • Eine Komponente der Übersättigung in kulturellen Angelegenheiten mag ich da gar nicht ausschließen, auch nicht für mich. Ich habe so eine Fülle hervorragender Opernaufführungen und Konzerte erlebt, dass meine Bereitschaft kontinuierlich absinkt, mir mit inszenatorischem Mittelmaß die Lebenszeit rauben zu lassen, vor allem wenn im Höchstmaß Bigotterie im Spiel ist.

    Ich denke da an leidenschaftlichste Diskussionen in unterschiedlichen Medien, so auch hier, über die zu akzeptierende Hautfarbe von Otello; es besteht dann aber nicht die geringste Hemmung von Seiten der Regie, aus Otello einen Kriegstraumatisierten zu machen, und ebenso wenig von Seiten des Publikums, das als "spannend", "hochinteressant" oder "überzeugend" zu feiern, auch wenn das Stück eine solche Reduktion überhaupt nicht hergibt. Wer Kenntnis von den außerordentlichen psychischen Traumatisierungen von Kriegsteilnehmern oder der Zivilbevölkerung hat kann sich davon doch nur angewidert abwenden. Ich denke, dass sich ein nicht unerheblicher Teil des Publikums, das sich teure Karten Festivals leisten kann, solche Interpretationen einfach nicht ansehen will. Es ist doch einfach nicht davon auszugehen, dass das zahlungkräftige Publikum zu dumm oder zu ungebildet ist, sich selbst ein Bild über die Situation in der Welt zu machen und nicht willens ist, sich mit den küchenpsychologischen Ansätzen der Regie die Zeit vertreiben zu lassen.

    Lieber parlando, ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr Sie mir mit diesem Statement aus der Seele sprechen. Mir geht es ganz genauso.

    Das Beispiel, das Sie nennen, der "Otello": Mir ist diese Oper viel zu lieb und wert und ich habe so tolle Erinnerungen, daß ich nicht bereit bin, mir die geistigen Verirrungen einer Regisseurin noch einmal anzutun. Da kann dann von mir aus auch der Kaiser von China singen. Was er nicht tun wird;-)

    Denn Oper ist eben im Gegensatz zum Konzert auch Theater, da gehört eine adäquate Bühnengestaltung wesentlich dazu.

    Manch einer, der zahlungskräftig genug ist, sich sowas leisten zu können, will aber nicht, da bin ich ganz bei Ihnen.

  • Denn Oper ist eben im Gegensatz zum Konzert auch Theater

    ....und das gab es in einer selten erreichten Qualität, wenn auch die Prämisse der Regisseurin angezweifelt werden kann.

    Meine besten Opern-Theater-Erlebnisse (mindestens) des letzte Jahres waren Otello und Die Tote Stadt. Erstklassige Dirigate, großartige Sänger-Schauspieler und konsequent durchgeführte Regie. Davor Andrea Chenier und Manon Lescaut.

    Da denke ich mit Grausen an Carmen und Aida in München oder Tosca und Andrea Chenier in Wien.....

  • Das ist natürlich richtig. Nur möchte ich bezweifen, daß die eigentliche Zielgruppe der Macher des Dresdner Opernballs die Schunkler auf dem Platz sind. Die Hauptsache dieses Balls machen doch die lobhudelnden Reden für irgendwelche Honoratioren aus. Oder die Plattform, die man solchen Leuten dafür gibt.

    Ich erinnere mich noch an die Rede des saudischen Kronprinzen. Da hat man sich wirklich die Augen gerieben und man sah Saudi-Arabien schon als demokratisches Land. Und jetzt? Jetzt wird er des Mordes bezichtigt.

    Liebe Ira, wir dürften darin übereinstimmen, dass die Zahl derer, denen in der Vergangenheit laut zugejubelt wurde, oder denen lautstark Kränze geflochten wurden Legion ist, wie die Zahl derer, die sich dieser Ehrungen nicht würdig erwiesen haben, wie auch die Zahl derer, die bei den Jubelnden nicht dabei gewesen sein wollen. Die Vereinnahmung der Prominenz aus Politik, Kultur oder Sport, um die eigene Wichtigkeit zur Schau zu stellen hat doch immer einen etwas peinlichen Beigeschmack.

    Was den Dresdner Opernball betrifft bin ich etwas milde gestimmt und neige zum Großmut: Sachsen und vor allem auch Dresden war ja vor dem Krieg eines der kulturellen Zentren Deutschland und ich kann es weder den Sachsen noch den Dresdnern verübeln, wenn sie bzw. deren offizielle Vertretung nach Möglichkeiten suchen, daran in irgend einer Form anzuknüpfen. Je nach Standpunkt (auch örtlich gemeint ) dürfte es nicht wenige geben , die es freut, auch in diesem Zusammenhang wahr genommen zu werden - und ich gönne das denen, auch wenn die Schuhe etwas groß erscheinen. Von dem abgesehen kann ich solche Veranstaltungen allemal besser ertragen als die sonstigen Veranstaltungen von in vielerlei Hinsicht Benachteiligter auf dem Dresdner Opernplatz. Im Übrigen würde mich eine abendfüllende Übertragung vom Münchner Oktoberfest mit Lobreden auf einzelne prominente Besucher auch nicht zwingend vor dem Fernseher fesseln!

  • Da denke ich mit Grausen an Carmen und Aida in München oder Tosca und Andrea Chenier in Wien....

    Die Wiener Inszenierungen von Carmen, Aida, Tosca und Chenier, aber auch der Bohème, der Butterfly und Salome haben sicher musealen Charakter. Ich habe mir im letzten Jahr den Luxus erlaubt 4 der oben genannten Werke vor Ort im inzwischen lieb gewonnenen Stehparkett anzusehen. 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn stand die Schlange bereits außerhalb der Arkaden und ging am Ende um die Hausecke der Staatsoper. Diese Inszenierungen "ziehen" halt immer noch und werden auch in Zukunft noch bei entsprechender Pflege und guter Besetzung ihre Berechtigung behalten. Oper steht und fällt halt mit den Sänger_innen und dem Orchester bzw. dem Dirigat. Ich kann AN durchaus verstehen, dass sie keine Lust mehr auf 6 Wochen Proben hat. Ich muss da immer an die dramatische Zerbinetta denken, die der etwas überspannten Sängerin der Adriane in schlichten Worten erklärte: das Stück geht so.... Gerade die Sänger_innen der Hauptrollen dürften über ihre Rolle, die sie zu vertreten haben, im Laufe der Jahre mehr wissen und erfahren habe, als es eine Regisseurin oder ein Regisseur erklärt. Das ist dann so, als wenn ein Gesunder einem chronisch Kranken erklären will, was kranksein ist. So sehe ich das halt.

  • 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn stand die Schlange bereits außerhalb der Arkaden und ging am Ende um die Hausecke der Staatsoper.

    Tut mir leid, bei Aida (in Wien) hab ich keine noch so kurze Schlange gesehen. (Die Übertragung auf den Karajanplatz habe ich nach kurzer Zeit fluchtartig verlassen.) Das war bei den top besetzten Toscas und Cheniers natürlich anders....


    Übrigens: bitte genau lesen: Carmen und Aida in MÜNCHEN hatte ich angesprochen; ja, in Wien ists nicht besser!

  • ....und so sehe ich das auch.

    ....und das gab es in einer selten erreichten Qualität, wenn auch die Prämisse der Regisseurin angezweifelt werden kann.

    Wenn "die Prämisse" nicht stimmen muß, dann kann man ja auch gleich den Komödienstadl spielen...Etwas überzogen, das gebe ich zu. Mein Zitat ging aber noch weiter, das haben Sie weggelassen. Ich schrieb, daß dazu eine "adäquate" Bühnengestaltung gehört. Also eine zum Stück passende. Was beim "Otello" eindeutig nicht der Fall war. Wenn ich einen Strindberg sehen will, dann gehe ich ins Resi oder in die Kammerspiele. Und da können die Schauspieler noch so gut umsetzen, was die Regisseurin sich ausgedacht hat, wenn es mit dem Werk nichts zu tun hat, dann nenne ich das: Thema verfehlt.

    Und ich finde es schon immer lustig, wenn man dann meint, man könne schlagend damit argumentieren, daß man zopfige, plüschige Aufführungen nicht mehr sehen kann. Das ist richtig, aber es gibt doch nicht nur ein entweder oder. Es gibt Beispiele von Regisseuren, die ihr Handwerk verstehen und hochspannende, im Werk verhaftete Aufführungen zuwege bringen. Eine Amélie Niermeyer gehört, zumindest was den "Otello" betrifft", nicht dazu, ebenso wenig ein David Bösch. Aber einen Jürgen Rose zähle ich dazu ("Don Carlo") oder auch Philipp Stölzl mit dem "Andrea Chenier". Es geht also. Die Kunst ist, das Stück nicht zu verfälschen und trotzdem spannend und modern zu erzählen.

    Wozu man es keineswegs zwangsaktualisieren muß.

  • Im Übrigen würde mich eine abendfüllende Übertragung vom Münchner Oktoberfest mit Lobreden auf einzelne prominente Besucher auch nicht zwingend vor dem Fernseher fesseln!

    Das würde ich auch nicht sehen wollen. Muß man auch nicht, denn diese Reden gibt es nicht. Sowas lesen Sie höchstens in der "Yellow Press".

    Was übrigens durchaus erfreulich anzuschauen ist, ist der alljährliche Trachtenzug anläßlich der Oktoberfest-Eröffnung. Und das hat durchaus auch mit Kultur zu tun.

  • Jürgen Rose zähle ich dazu ("Don Carlo") oder auch Philipp Stölzl mit dem "Andrea Chenier"

    Jürgen hat Rose arbeitet leider nicht mehr und Phillip Stölzl hat an anderer Stelle arg daneben gehauen. Der ACh. allerdings ist einsame Klasse!


    Den Münchner Don Carla kann ich mir allerdings auch nur mit sehr guter Sängerbesetzung vorstellen; die karge, zumeist sehr dunkle Kulisse braucht strahlende Sänger!

  • Jürgen hat Rose arbeitet leider nicht mehr

    Ja, das ist sehr bedauerlich!

    und Phillip Stölzl hat an anderer Stelle arg daneben gehauen.

    Meinen Sie den "Trovatore" in Berlin? Das habe ich nicht gesehen.

    Den Münchner Don Carla kann ich mir allerdings auch nur mit sehr guter Sängerbesetzung vorstellen; die karge, zumeist sehr dunkle Kulisse braucht strahlende Sänger!

    Die wir im April/Mai haben werden. :)

  • Die wir im April/Mai haben werden.

    Allerdings.

    Darunter gehts aber nicht.


    Habe Garanca als Eboli in Paris gehört. War nicht ganz zufrieden; die Kälte, die sie ausgestrahlt hat, passte mir nicht zu den leidenschaftlichen Frau. "Meine" beste Eboli war Zidkova in Berlin

  • Ich hatte Garanca noch nicht als Eboli, kann mir aber gut vorstellen, daß die gewisse Kühle, die ihr ja zu eigen ist, der leidenschaftlichen Figur der Eboli nicht ganz zupaß kommt.

    Allerdings zeigt sie in ihrer "Zugaben-Zarzuela" auch wieder viel Temperament.

    Lassen wir uns überraschen!