Neujahrskonzert 2020 im Stadttheater Fürth

  • Manchmal lohnen sich Ausflüge in die Provinz durchaus.


    Ein aufmerksamer Mitforist, RagnarDanneskjoeld, alias JohnGalt, hatte sich erinnert, daß ich sowohl Peter Seiffert als auch das Genre Operette sehr schätze und gab mir den Hinweis zu einem Neujahrskonzert in Fürth am gestrigen Dreikönigstag. Gesagt, getan. Da Konzertbeginn um 15 h war, ließ sich das bequem mit dem Zug nach Nürnberg und von dort aus mit der U-Bahn nach Fürth, alles mit dem Bayernticket, bewerkstelligen.


    Auf dem Programm stand vor der Pause die Symphonie Nr. 4 von Tschaikowsky. Den Operettenteil nach der Pause bestritt Peter Seiffert mit seiner Frau Petra Maria Schnitzer. Die Stuttgarter Philharmonie musizierte. Deren Chefdirigent Dan Ettinger war ursprünglich als Dirigent vorgesehen, da er aber kurzfristig erkrankte, sprang Julien Salemkour ein, der mir zunächst nichts sagte. Aus dem Programm erfuhr man, daß er bei Michael Gielen am Mozarteum Salzburg studiert hat und seit 2001 Assistent von Daniel Barenboim ist.


    Stattgefunden hat das Ganze im Stadttheater Fürth, ein sehr hübsches Rokoko-Theater, ähnlich dem Münchner Cuvilléstheater, aber etwas größer.


    Die 4. Symphonie begann leider mit einem Hornkiekser, ansonsten war das Werk zügig und mit dynamischen Abstufungen ansprechend dirigiert.


    Danach war Pause, in der ich eine Dame sagen hörte: "Jetzt kommt der seichte Teil". Da hätte ich ihr gerne geantwortet, daß es nicht für große Kenntnis spricht, wenn man das Genre Operette runtermacht. Kaum etwas ist so schwer zu bewerkstelligen wie die sog. "leichte Muse".


    Ich war natürlich schon sehr auf Peter Seiffert gespannt, ich hatte ihn schon länger nicht mehr gehört, zuletzt als Tannhäuser in Wels.

    Er ist mein Lieblings -Lohengrin und -Tannhäuser und ich habe ihn, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, in so ziemlich allen seiner wichtigen Partien gehört. Manchen Rollen verschaffte er erstmals ein wahrnehmbares Profil, so z.B. dem Don Ottavio, der normalerweise als Langweiler daherkommt, dem "Arabella"-Matteo oder dem Erik aus dem "Fliegenden Holländer".


    Es standen natürlich lauter Operetten-"Gusto-Stückerl" auf dem Programm. Der Beginn mit dem Duett "Bei einem Tee à deux" aus dem "Land des Lächelns" war noch etwas verhalten, Seiffert wackelte ein bißchen. Beim anschließenden "Dein ist mein ganzes Herz" pustete er dann mit dem hohen, langen Ton bei "Blick" die Röhre kräftig durch ;-), sodaß die anschließenden Piani besser gelangen.

    Das erste Solo von Petra Maria Schnitzer war "Heia in den Bergen" aus der "Csárdásfürstin", und Schnitzer gestaltete es als gebürtige Wienerin sehr temperamentvoll und gesangstechnisch tadellos. Schade eigentlich, daß man sie auf der Opernbühne nicht mehr zu sehen bekommt.

    Gelegentlich gab es tempomäßige Abstimmungsprobleme zwischen Dirigent und Orchester (vermutlich dem Einspringen geschuldet), das Orchester mochte nicht so schnell wie der Dirigent. Und mit dem langsameren Tempo hatte Peter Seiffert dann bei "Schön ist die Welt" vorübergehend etwas zu kämpfen. Nach wie vor verfügt "Peterle" (der Kosename gefällt mir besonders gut, denn Peter Seiffert verfügt ja nicht nur über eine raumgreifende Stimme, sondern auch über eine ebensolche Statur ;-), auch Petra Maria Schnitzer hat deutlich zugelegt) über dieses wunderbare Timbre, das ich so mag, frei, strahlend und edelmetallglänzend in der Höhe, mit stählernem Aplomb. Die "mezza voce" spricht nicht mehr ganz so leicht an wie früher, es mag aber auch sein, daß er leicht indisponiert war, denn er hustete mehrmals zwischen den Szenen.

    Der Höhepunkt war dann am programmmäßigen Schluß des Konzerts "Freunde, das Leben ist lebenswert", mit einem endlos ausgehaltenen letzten, hohen Ton, zur großen Begeisterung des Publikums.


    Es gab dann noch einige Zugaben, z.B. das "Divanpüppchen" aus der "Blume von Hawai" von Paul Abraham im Duett. Zum Schluß erzählte Seiffert, daß man im Vorfeld überlegt hatte, was er singen sollte, worauf er meinte, "ich singe Euch alles, auch die Biene Maja". Und das machte er dann tatsächlich zum Gaudium des Publikums, in einem Spezialarrangement der Stuttgarter Philharmoniker, auch als Hommage an den jüngst verstorbenen Karel Gott.

    Ende eines sehr schönen Konzerts, das mir ein Wieder -sehen und vor allem -hören mit Peter Seiffert bescherte.


    Und last not least: für diesen Tipp danke ich Ihnen nochmals ganz herzlich, lieber RagnarDanneskjoeld!


    Von mir an dieser Stelle noch ein Tipp für Seiffert-Fans: Im September/Oktober singt er den Tristan bei Füssen:


    https://das-festspielhaus.de/tristan-isolde/


    Das ist ja auch nicht so weit weg von München.


    Notiz am Rande: wenn man an einem Feiertag nach Franken fährt, und mittags etwas essen will, hat man Pech, man sollte sich etwas mitbringen. In Nürnberg hatten sämtliche Gasthäuser in der Innenstadt zu. In Fürth war es dasselbe. Eines, unmittelbar in der Nähe des Theaters, hatte zwar zunächst auf, aber da bekam man um 13 h 50 freundlich gesagt, daß man gleich schließen würde. Absolute Provinz. Gottseidank gibt es mediterrane Restaurants, wie einen Griechen direkt gegenüber dem Theater, der hatte offen. Auf Griechen und Italiener ist eben Verlaß....;-)

  • Liebe Ira, vielen Dank für den Bericht und vor allem für den Hinweis auf Füssen. Die Besetzung von Lioba Braun als Isolde ist neben Seiffert wirklich sehr spannend. Ich hab sie 2014 in Florenz in der Rolle gehört und die ist eine der besten Isolden, die ich je erlebt hab. Leider hat Sie sich in den letzten Jahren etwas rar gemacht, aber 2014 war das ganz groß. Mal sehen, ob sich das sechs Jahre später überprüfen lässt.

  • Danke cassio, gerne geschehen. Es freut mich, wenn ich einen nützlichen Hinweis geben konnte.


    Die Besetzung von Lioba Braun als Isolde finde ich auch interessant. Wie Waltraud Meier stammt sie ja auch aus Würzburg und hatte einen ähnlichen Werdegang. Sie kommt ja auch vom Mezzo-Fach, sang in Bayreuth die Brangäne. Ich finde sogar, ihre Stimme hat ein ähnliches Timbre wie die von Waltraud Meier.

  • Stattgefunden hat das Ganze im Stadttheater Fürth, ein sehr hübsches Rokoko-Theater, ähnlich dem Münchner Cuvilléstheater, aber etwas größer.

    Hm, das 1902 erbaute Fürther Stadttheater als Rokoko-Theater zu bezeichnen ist denn doch ein wenig kühn... Sie sind sicher, daß Sie nicht aus Versehen in Erlangen waren?

  • Wann es erbaut wurde ist die eine Sache, der Stil ist die andere. Und der ist außen Barock und innen Rokoko. Die Fassade ist also in "neubarockem" Stil erbaut, die Inneneinrichtung ist "Neurokoko". Daß es nicht original ist, sollte eigentlich klar sein. Sehen Sie es mir bitte nach, daß ich das vereinfachend dargestellt habe. Es erschien mir in dem Zusammenhang nicht so wichtig.

    Und nein, Arminius, ich war nicht "aus Versehen in Erlangen".

  • Ob man da eine anständige Akustik hat? Die Art Musical, die dort gezeigt wird, wird ja i.d.R. elektronisch verstärkt.


    Im Musical Dome in Köln sollen ja die Aufführungen zu den Zeiten als Ausweichquartier der Oper akustisch auch keine Freude gemacht haben.