NP Judith Konzert für Orchester/ Herzog Blaubarts Burg mit Nina Stemme/ John Lundgren

  • Warum wird die Premiere nicht mehr wie früher im Radio übertragen?

    Das war schon bei Snow Queen so, dass die Premiere nicht übertragen wurde. Finde ich auch seltsam und schade. Es ist doch eine andere Atmosphäre im Haus, wenn vor der Vorstellung noch die Interviews für's Radio und auch für das Publikum im Haus geführt werden.

    Hat Herr Bachler Angst, dass Buhs für die Regie nach draußen dringen?

    Das glaube ich wiederum nicht. Da steht er drüber.


    B4 überträgt heute live aus der MET Porgy and Bess

  • B4 überträgt heute live aus der MET Porgy and Bess

    ... vielleicht weil Golda Schulz, die in München 2 Jahre im Opernstudio und danach im Ensemble war, als Clara debutiert ?!

    Die Radioübertragung von Judith fällt ja nicht aus, sondern erfolgt nur eine knappe Woche später bei der zweiten Vorstellung. Da die Radio-Übertragung wie sonst auch 30 min vor der Vorstellung beginnt nehme ich an, dass es nächsten Samstag auch einführende Gespräche geben wird.


    Ich erinnere mich nicht mehr wer es war, doch wurde nicht hier schon geäußert, dass es besser wäre nicht die Premiere zu übertragen, da dies häufig nicht die beste der Vorstellungen der Premierenserie ist?

  • Ich erinnere mich nicht mehr wer es war, doch wurde nicht hier schon geäußert, dass es besser wäre nicht die Premiere zu übertragen, da dies häufig nicht die beste der Vorstellungen der Premierenserie ist?

    Ja. Das waren susakit und ich.

    Da die Radio-Übertragung wie sonst auch 30 min vor der Vorstellung beginnt nehme ich an, dass es nächsten Samstag auch einführende Gespräche geben wird.

    Lt. meinem Radio-Programmheft ist das nicht der Fall. Es beginnt genau um 19 h mit der Live-Übertragung. Vorher gibt es von 18 h bis 19 h "Klassik-Stars".

    Das Programm "Foyer" eine halbe Stunde vor dem Beginn der Aufführung gibt es wohl tatsächlich nur bei Premieren-Live- Übertragungen.

  • Ich erinnere mich nicht mehr wer es war, doch wurde nicht hier schon geäußert, dass es besser wäre nicht die Premiere zu übertragen, da dies häufig nicht die beste der Vorstellungen der Premierenserie ist?

    Ja, diese Ansicht habe ich mehrfach geäußert. Da liest wohl jemand mit :-D

  • Lt. meinem Radio-Programmheft ist das nicht der Fall.

    Jetzt könnte man diskutieren, was wohl treffsicherer ist, das Programmheft oder die Homepage des BR :)

    Meine Information stammt von der Homepage des BR und ich hätte wahrscheinlich gleich den Link zur Übertragungsseite einfügen sollen, was ich hiermit nachhole:

    https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-2001580.html


    Hier noch die Programmseite vom BR für den 07.02.2020:

    https://www.br-klassik.de/programm/radio/index.html

    Dort steht:

    18.30 Uhr
    Foyer
    Informationen und Gespräche zur aktuellen Neuproduktion im Münchner Nationaltheater: Béla Bartók: "Judith"
    Mit Maximilian Maier
    Zu Gast: Nikolaus Bachler (Staatsintendant), Nikolaus Stenitzer (Dramaturg), Oksana Lyniv (Dirigentin),
    Villa Braslavsky (Institut für    Soziologie und Genderforschung LMU, München), Kolja Schiltz (Abteilung für forensische Psychiatrie LMU, München)


    Damit wäre geklärt, dass es "das volle Programm" gibt nur eben bei der 2. Vorstellung... also eigentlich genau das was hier gewünscht wurde :)

    Ob Staatsoper und BR wohl hier mitlesen ? ^^

  • Jetzt könnte man diskutieren, was wohl treffsicherer ist, das Programmheft oder die Homepage des BR

    Sicher die Homepage des BR, Cabaletta. Was aber dennoch heißen würde, daß man sich relativ spät zu diesem Vorprogramm entschlossen hätte, zumindest eben nach Drucklegung der Programmzeitschrift.

    Wie war das denn bei der "Snow Queen", gab es da das Vorprogramm?

  • In der heutigen SZ unter München Kultur gibt es einen Artikel (mit einem Interview von Oksana Lyniv), der leider nicht online ist.


    Die Print-Ausgabe titelt:


    Ermittlungen auf offener Bühne

    Oksana Lyniv, früher Assistentin von Kirill Petreko, kommt an die Bayerische Staatsoper zurück und kombiniert in der Premiere diesen Samstag Béla Bartóks "Herzog Blaubarts Burg" mit dessen "Konzert für Orchester"


    von Egbert Tholl


    https://www.sueddeutsche.de/ku…en-1.4779817?reduced=true

  • nun, Angst vor Buhs haben mit Sicherheit nicht zu der Absage der Radio-Übertragung geführt. Ein großer Erfolg, ja Triumph, mit Ansage ohne ein einziges Buh. Ein glasklar, direkt und plakativ erzählter Thriller mit einem ziemlich guten Soundtrack;-) Und wie immer gilt, wenn man eine gute Geschichte erzählt, dabei stringent bleibt und den Zuschauer nicht langweilt, dann hat man bei mir schon einiges richtig gemacht. Soviel sei verraten, Nina Stemme gerät in dieser Inszenierung gar nicht erst in Gefahr, sich von Blaubart verführen zu lassen. Das mag etwas gegen den Strich gebürstet sein, geht aber perfekt auf. Mehr morgen (möglicherweise;-)).


    BTW: Der BR übernimmt für die Judith vermutlich die Audio-Spur von Staatsoper TV. Das hat den Vorteil, dass man keine eigene Übertragung produzieren muss (wie schon bei der Snow Queen) . Sparmaßnahme

  • Nina Stemme als Miss Marple, so hat Manuel Brug gestern auf Twitter die Premiere von Herzog Blaubarts Brug, kuzr beschrieben und so daneben liegt er damit nicht. Katie Mitchell wagt, wie eigentlich immer, sehr viel in ihrer Regiearbeit und gewinnt mit diesem Risiko.


    Im Gegensatz zu anderen Aufführungen von Herzog Blaubart kombiniert Mitchell das Stück nicht mit einem anderen Ein-Akter, sondern mit dem Konzert für Orchester von Bartok. Das Konzert für Orchester dient dabei als Soundtrack zu einem ca. 30 minütigen Film, der die Vorgeschichte erzählt. Blaubart ist ein geheimnisvoller Unternehmen/Eigenbrödler, der irgendwo in den ehemaligen Londoner Docks seine sadistischen Fantasien in einem hergerichteten, modernisierten Loft ausübt. Ein moderner Patrick Bateman. Seine Opfer sind ältere Hostessen (Fritz Honka lässt grüßen), die er über die Website „Senior Queens“ auswählt. Ihnen gemein ist, dass sie ein Kreuz als Schmuckstück tragen und in der Nacht, in der es Ihnen an den Kragen geht, eine blonde Perücke tragen müssen. Abgeholt werden die Damen von einem Chauffeur, der für Blaubart die Damen mit einer Flasche Wasser mit Ko-Tropfen betäubt, so dass Blaubart leichtes Spiel hat. Nachdem Judith, eine Polizistin, Blaubart auf die Spur gekommen ist, legt sie ein Profil auf „Senior Queens“ an und lässt sich kontaktieren. Im Gegensatz zu den anderen Damen trinkt sie die Flasche Wasser nicht. Die Oper beginnt mit der Ankunft der verkabelten Judith in der Garage von Blaubart.


    Wir Zuschauer wissen also von Anfang an, dass Judith kein neugieriges, schwärmerisches Mädchen ist, das dem geheimnisvollen Blaubart verfällt, sondern sie hat eine ganz andere Mission. Jegliche Mysterien sind dann auch recht schnell vorbei, nachdem Blaubart Judith zunächst in seine Kommandozentrale führt, von der alle andere Zimmer eingesehen werden können. Von hier nimmt die Geschichte ihren Lauf, die einzelnen Zimmer werden durchschritten, Blaubart kommt Judith natürlich irgendwann auf die Schliche und der Abend läuft auf einen großen Showdown hinaus (der dann erfreulich unpathetisch inszeniert ist).


    Das ganze ist nicht nur sehr spannend, sondern auch handwerklich sehr stark gemacht. So cineastisch der Abend angelegt ist, so ist auch die Bühnenaustattung. Ähnlich wie beim Andrea Chenier, und doch noch etwas eleganter gemacht, erleben wir Judith und Blaubart auf einer Reise durch sein Loft. Die neuen Zimmer werden immer von rechts reingeschoben, Judith und Blaubart wandern also von Raum zu Raum. Keines dieser Zimmer ist dabei größer als 15 bis 20 Quadratmeter. Es ergibt sich eine sehr klaustrophobische Stimmung, passend zu dem Kammerspiel. Natürlich nimmt diese Regie dem Stück einiges von seiner geheimnisvollen Aura, setzt das Konzept sehr direkt und kompromisslos um. Nach der Toten Stadt, die zweite Arbeit diese Saison, die einen etwas nebulösen Stoff sehr realistisch umsetzt. Auch diesmal funktioniert es wieder sehr gut.


    Das ist natürlich auch der Verdienst der musikalischen Umsetzung. Oksana Lyniv und das Staatsorchester wählen ebenfalls einen ziemlich direkten Zugang zu Bartok. Da bleibt wenig im Geheimen,, der Regie folgend hat Lyniv auch eher breite Tempi gewählt. Die Musik kommt selten über einen reinen Soundtrack hinaus, begleitet mehr das Bühnengeschehen als eigene Akzente zu setzen. Das kann man alles sicher etwas feiner und detailstärker musizieren, zu der Regie passt es perfekt.


    Das gilt auch für die beiden Sänger. Nina Stemme gibt eben nicht das schwärmerische, neugierige junge Mädchen, sondern die investigative, reife Polizistin, die eine Dame in den 50ern spielt. Dabei singt Stemme die Judith mit großem Einsatz, durchaus sehr gefühlvoll, mit ausreichend Peng für die Attacke. Dass Stemme ihre Stimme so gut konserviert hat (bei all den Brünnhilden und Isolde) ist schon sehr beeindruckend.


    John Lundgren weiss als Blaubart anfangs nicht so recht, was er mit dieser Judith anstellen soll. Der eindimensionale Bösewicht aus dem Film ist vorbei, in der Begegnung mit Judith ist er ein Zauderer, zumindest bis er Judiths Geheimnis entschlüsselt hat. Dabei steht Lundgren doch etwas im Schatten von Stemme, was aber auch daran liegt, dass er erst in der zweiten Hälfte des Stücks sängerisch vollgas geben kann. Dann tönt sein Heldenbariton prachtvoll und mächtig. Letztendlich wird dieser Blaubart aber von Judith ganz schön abgekocht.


    Ein wirklich ungemein spannender, gut gemachter Opernabend.