FOA "Hänsel und Gretel"

  • Disclaimer: Ich hasse "Hänsel und Gretel".


    Trotzdem wollte ich mir diesen "festlichen Opernabend" nicht entgehen lassen. Dabei ist das Werk wenig geeignet, benötigt man für ein solches Unterfangen für die Titelpartien eher junge Stimmen, die im Regelfall noch keine Stars sind und die deutlich erhöhten Eintrittspreise nicht rechtfertigen. Eine "Tosca" oder "Lohengrin" bieten sich da weit eher an....


    Martiana Antonie war als Sandmännchen bezaubernd, Natalija Cantrak gefiel als Taumännchen, Marie-Belle Sandis klang rollendeckend abgesungen als Gertrud. Man merkt Shavar Lavi (Hänsel) und Cornelia Zink (Gretel) an, dass sie diese alte, aber bis auf einige Momente nicht altbackene Produktion aus dem Jahr 1970 schon mehrfach bestritten haben, die Chemie stimmte. Beide machen für meinen Geschmack ein bisschen zu viel, um als Kinder durchzugehen, aber glaubwürdig waren sie beide. Lavi würde ich dennoch anlasten, dass ihre Aussprache längst nicht so deutlich war wie die ihrer (seiner) Bühnenschwester - sicher ein Handicap für die zahlreich erschienenen Kinder, für die es am Ende des Abends sogar Kindersekt gab.


    Als Gäste wurden Johannes Martin Kränzle als Peter Besenbinder und Michaela Schuster als Knusperhexe aufgeboten. Kränzles Rollendebüt verlief erfolgreich, sein runder, kraftvoller Bariton füllte das Auditorium des NTM mit wahrem, warmen Klang. Einziger Kritikpunkt: für mich war er in der Darstellung ein wenig zu leutselig. In Mannheim wird die Rosina Leckermaul von einem Tenor gesungen - aber Frau Schuster wurde auf eine so herb-männliche Weise geschminkt, dass ihrer Darstellung fast etwas Transenhaftes anlastete. Als langjähriger Frosch-Amme war in diese Rolle darstellerisch ein Leichtes, gesanglich gleichwohl kein Kinderspiel. So prägnant sie auftrumpfen kann, fehlt ihr mittlerweile doch ein wenig die Flexibilität in der Stimmführung und die Kraft im mittleren Lautstärkebereich.


    Mark Rohde dirigierte mit viel Freude am Kitsch und Klangrausch.