Wagnerliteratur

  • Ja, beide! Das erste in einer Neuauflage von 2019, das zweite im Internet.

    Das erste war sehr erheiternd, das zweite sehr erhellend. Auffällig dabei war, dass das Vorgehen, das "C.P." bei T. Puschmann entlarvt, noch immer nicht ausgestorben ist. Es wird ja auch heute noch bewusst falsch zitiert, aus dem Zusammenhang gerissen, Behauptungen aufgestellt etc., um andere zu verunglimpfen. "Freilich, der Kniff ist nicht neu, doch bleibt er immer probat." schrieb schon H. Heine, der in dem zweiten Buch auch entsprechend zitiert wird.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





    Einmal editiert, zuletzt von Hagen. ()

  • Ich weiß nicht, warum "man" so etwas liest, lieber JLSorel. Ich habe es aus musik- und kulturhistorischem Interesse und zugleich zur Erheiterung gelesen. Es macht doch einfach auch Freude, manchmal sogar auch Spaß zu lesen, was sich Menschen so ausdenken. Das sagt doch viel über die Zeit und über das, was Menschen damals bewegt und beschäftigt hat.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





  • Nein, das sind kleine Arbeiten. Der Puschmann hat nur 70 Seiten und die kleine Erwiderung von "C.P." unter 40 Seiten. Diese können Sie ja mit dem angegebenen Link aufrufen.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





  • Auch wenn es mehr Seiten hätte: Zeitverschwendung ist es nur dann, wenn man sich Falsches davon verspricht. Ich sehe das auch unter dem Aspekt der gelehrsamen Unterhaltung. Man lernt etwas Neues kennen, auch wenn es kurios ist. In der Zeit, in der ich mir vielleicht sonst zum wievielten Male auch immer eine Oper anhöre, kann ich auch ab und zu mal meinen Horizont erweitern.


    Ich schließe mit einer weiteren kurzen Empfehlung:

    Moritz Wirth: "Mutter Brünnhilde. Zwei neue Szenen zur Götterdämmerung; mit einem Gutachten von Dr. Max Korman, prakt. Arzt und Geburtshelfer". In diesem Werklein von 1906 versucht der nicht unbekannte Autor nachzuweisen, dass Brünnhilde schwanger ist. Er entdeckte bzw. (er)fand ein "Motiv der Milchdrüse" oder "Lusttriole" und ein "Motiv der Mutterschaftshoffnung". Ein wahrhaft kurioses Schriftstück, herrlich zu lesen, unterhaltsam.
    Im alten Wahnfried - Museum stand es im Kuriositätenkabinett. Ich konnte vor 21 Jahren noch ein Exemplar antiquarisch erwerben. Aber nun ist es seit langem leider schon nirgends mehr zu erhalten. Aber vielleicht erhält man es noch in Leihbibliotheken. Man kann ein paar schöne Stunden damit verbringen. Auch das sind übrigens nur 84 engbedruckte Seiten, mit vielen Notenbeispielen, aber etwas anspruchsvoller zu lesen. Je besser man den "Ring" kennt, desto eher lohnt die Lektüre, weil die Untersuchung manchmal sehr ins Detail geht.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





    2 Mal editiert, zuletzt von Hagen. () aus folgendem Grund: Nachtrag Information

  • Um mit den empfohlenen Büchern wirklich etwas anfangen zu können, sollte man Psychiater bzw Gynäkologe sein.

    Nein, sie sind ohne jegliche Fachkenntnisse les- und verstehbar.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





  • Er entdeckte bzw. (er)fand ein "Motiv der Milchdrüse" oder "Lusttriole" und ein "Motiv der Mutterschaftshoffnung".

    Vielen Dank! Oh mein Gott, wie .... herrlich ..... :S Gibts da auch ein Notenbeispiel dafür? ^^

  • Gibts da auch ein Notenbeispiel dafür?

    Ja, es ist eine Abwärtstriole: gis, fis, cis.

    Wirth räumt aber ein, dass dieses Motiv "wie alle übrigen Schwangerschaftsmotive nicht für seinen Zwecke eigens erfunden" ist.
    So verstiegen das alles klingt: wenn man es liest, merkt man, wie intensiv der Autor sich mit dem Werk beschäftigt hat, mit Text - Musik - Relationen, mit Wagners Textentwürfen im Vergleich zur Endfassung, taktweisen Regieentwürfen, Skizzen des Bühnenbildes etc.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





  • Motiv der Milchdrüse ist natürlich etwas albern, aber Lusttriole gefällt mir 🙂.

    Es ist ja nicht so, dass es heute selbst in der wissenschaftlichen Literatur keine Kuriositäten in der Wagnerliteratur gäbe.

    So wird in einer neueren Dissertation von der "latenten Bigeschlechtlichkeit" Brünnhildes und der Walküren gesprochen. Erst später wird Brünnhilde zur Frau:

    "Die Frau-Werdung Brünnhildes erfolgt also durch die Eliminierung ihrer männlichen Anteile, die zeichenhaft durch den Panzer und die Waffen verdeutlicht werden. Analog zur Erwerbung der Geschlechtsidentität Brünnhildes erfolgt die Mann-Werdung Siegfrieds, die in der Schwertschmiedung thematisiert wird. Dabei steht das Schwert als phallisches Sinnbild, mit dem antizipierend auf Brünnhildes bevorstehende Entjungferung durch Siegfried verwiesen wird: „starr ward er und steif, / herrisch der harte Stahl, / heißes Blut doch fließt ihm bald!“ Während die Härte des Schwertes, die es beim Schmieden zu erlangen gilt, für die männlichen Anteile Siegfrieds steht, gilt es darüber hinaus, die ihm ebenfalls eigenen weiblichen Anteile zu tilgen: „deine weiche Härte dem Hammer weicht (...) nun schwinde die rote Scham; werde kalt und hart wie du kannst.“ (S. 183) Auch wenn Siegfrieds Forderung sich auf das glühende Schwert bezieht, so stellt die „rote Scham“ darüber hinaus eine deutliche Anspielung auf das weibliche Geschlechtsorgan dar.", schreibt N. Wulf 2005, in einer Dissertation mit dem Titel "Korrelationen von politischen und erotischen Konzeptionen in ausgewählten Nibelungen - Adaptionen des 19. Jahrhunderts. Wer intensiver einsteigen will, kann es inzwischen auch hier nachlesen: https://macau.uni-kiel.de/serv…Dissertation_komplett.pdf

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





    2 Mal editiert, zuletzt von Hagen. ()

  • So wird in einer neueren Dissertation von der "latenten Bigeschlechtlichkeit" Brünnhildes und der Walküren gesprochen.

    Das überrascht natürlich nicht, es ist dem Geist der Zeit geschuldet. In einigen Jahren wird man sich darüber amüsieren wie heute über die Erzeugnisse des Herrn Puschmann.


    Ein kleiner Tipp von Schopenhauer:


    "Daher ist, in Hinsicht auf unsere Lektüre, die Kunst, nicht zu lesen, höchst wichtig. Sie besteht darin, dass man Das, was zu jeder Zeit so eben das größere Publikum beschäftigt, nicht deshalb auch in die Hand nehme, wie etwa politische oder kirchliche Pamphlete, Romane, Poesien u. dgl. m., die gerade eben Lärm machen, wohl gar zu mehreren Auflagen in ihrem ersten und letzten Lebensjahre anfangen: vielmehr denke man alsdann, daß wer für Narren schreibt allezeit ein großes Publikum findet, und wende die stets knapp gemessene, dem Lesen bestimmte Zeit ausschließlich den Werken der großen, die übrige Menschheit überragenden Geister aller Zeiten und Völker zu, welche die Stimme des Ruhmes als solche bezeichnet. Nur diese bilden und belehren wirklich.

    Vom Schlechten kann man nie zu wenig und das Gute nie zu oft lesen: schlechte Bücher sind intellektuelles Gift, sie verderben den Geist. – Weil die Leute, statt des Besten aller Zeiten, immer nur das Neueste lesen, bleiben die Schriftsteller im engen Kreise der cirkulirenden Ideen und das Zeitalter verschlammt immer tiefer in seinem eigenen Dreck."

  • Neue Rezensionen zu den zwei neueren Büchern
    "Wagner - Regie vom 19. Jahrhundert bis heute" und "Lohengrin in Bildern von Rosa Loy und Neo Rauch" :

    https://www.nmz.de/artikel/wagner-und-das-ewige-brodeln

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (Richard Wagner, Kunst und Revolution, 1849)





  • Zitat NMZ:

    "Sollte man die Opern ihres Begründers möglichst werkgetreu nach dessen Vorgaben inszenieren, was trotz seines berühmten Ausspruchs „Kinder! Macht Neues!“ lange als Credo galt..."


    Der Autor hat nicht verstanden, was Wagner damit meinte.