Gendergerechtes Sprech

  • Dat Elsa, dat Gunther, dat Eva.

    Tatsächlich? Ich dachte, dass gäbe es nur bei Mädchen, oder verniedlichend bei Frauen, nicht auch bei männlichen Erwachsenen. Wo sagt man denn etwas "dat Gunther"? Ich kenne nur eher so was wie "de" Gunther.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Danke sehr für den Hinweis! Das ändert zwar nichts an der Sache, bedeutet aber dass die Dame eigentlich "Sylvia Schreiberin" heißen müsste. ;)

    So abwegig ist Hagens Anmerkung aber gar nicht. Der Name Schreiber rührt vermutlich von einer Berufsbezeichnung her, wie Müller oder Fleischer. Wenn man konsequent die männliche Dominanz in der Sprache bekämpfen möchte, dann kommt man doch nicht herum, auch die Nachnamen von ihren patriarchalischen Ursprüngen zu befreien und entsprechend zu neutralisieren.


    Man könnte Neugeborene aus der Familie Schreiber z.B. den Nachnamen Schreiber*in geben. Oder ein Wahlrecht zum 18. Oder oder oder

  • In den slawischen Sprachen ist das ja so: -ova oder -ina. Novakova oder Putina.

    Und in den entsprechenden Ländern ist die Gleichberechtigung der Frauen deshalb auch besonders weit fortgeschritten.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • "Der Schreiber" stimmt immer, egal, ob es sich um einen Mann oder um eine Frau handelt, weil es dabei nicht um das biologische Geschlecht geht. Ähnlich wie "der Autor". Es interessiert mich nämlich auch in der Regel nicht, ob der Schreiber männlich oder weiblich ist. Und wenn es um die Beurteilung von Künstlern geht, sollte das keine Rolle spielen. Ich will nicht wissen, was Frau X. als Frau, als Frankfurterin, als SPD - Wählerin, als Enkelin eines Großkonsuls (das sind Beispiele) denkt, sondern als Fachkundige auf ihrem Gebiet.
    Genauso wenig, wie es etwas daran ändert, ob eine Frau oder ein Mann meine Steuererklärung bearbeitet. Es ist ein Beamter. Beamter ist nämlich auch ein geschlechtsübergreifender Begriff.

    Wissen Sie, mich nervt es teilweise auch und ich war eine der wenigen bei mir im Amt (wo ich arbeite) die gegen diese Änderung war. Allerdings entscheiden dies ja die Ministerien und nicht die Beamten ob gegendert wird oder nicht. So heißt es bei einigen Ämtern z. B. Sehr geehrter Bürger oder sehr geehrter Steuerzahler, da man nicht wissen kann, ob die Frau X als Frau X angesprochen werden will usw. Hin und wieder muss man kreativ werden, wenn man die Menschen anschreiben oder anreden muss.

  • Sehr geehrter Bürger oder sehr geehrter Steuerzahler,

    Das verstehe ich jetzt nicht. Wenn Sie "Bürger" oder "Steuerzahler" sagen, ist das doch eine männliche Forum. Wieso wählt man die dann, "da man nicht wissen kann, ob dir Frau X als Frau X angesprochen werden will"? Welche Frau will denn nicht als Frau X angesprochen werden, und wie denn sonst?

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Das verstehe ich jetzt nicht. Wenn Sie "Bürger" oder "Steuerzahler" sagen, ist das doch eine männliche Forum. Wieso wählt man die dann, "da man nicht wissen kann, ob dir Frau X als Frau X angesprochen werden will"? Welche Frau will denn nicht als Frau X angesprochen werden, und wie denn sonst?

    Es gibt Frauen, die fühlen sich nicht als Frau bzw. fühlen sich im falschen Körper geboren (das gilt auch fuer Männer) und durchlaufen psychische Qualen. Und um solche Menschen auch anzusprechen, gibt es die geschlechtsneutrale Anrede.

  • Und um solche Menschen auch anzusprechen, gibt es die geschlechtsneutrale Anrede.

    Dann benutzt man heute oft Partizipien und biledet damit neue Kollektive: "Studierende, Auszubildende Steuerzahlende, Wahlvolk" ;)

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • In den slawischen Sprachen ist das ja so: -ova oder -ina. Novakova oder Putina.

    Auf Isländisch sind es son und dottir, die als Suffixe angehängt werden (Sohn und Tochter).
    Jetzt kann man auch dagegen aufstehen. Man wird nämlich definiert durch die Eltern. Aber auch hier gilt: schafft man das ab, wird dadurch nicht die Bindung an die Eltern lockerer, unverbindlicher.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Ist daran etwas falsch?

    Schön ist es nicht. Es ist eine Notlösung und daher eine schlechte Lösung. Sprache, die gewählt wird, um dem Mainstream gerechtzuwerden und nicht anzuecken.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • In den slawischen Sprachen ist das ja so: -ova oder -ina. Novakova oder Putina.

    Die von Ihnen angeführte Regel betrifft in erster Linie das Tschechische und das Slowakische. (Im Russischen oder Bulgarischen enden viele Nachnamen eh auf -ov bzw. -ow, da benötigt man nur ein -a für die Damen.) Das kann dann zu ganz kuriosen Entwicklungen führen, z.B. beim Doppelnamen...

    In Tschechien schwelt der Konflikt über das Suffix übrigens schon seit über zehn Jahren.

  • Hätte man es einfach bei ,,sehr geehrter Bürger" belassen, wären damit 100% aller Bürgenden gemeint. Erst durch das Hinzufügen der "Bürgerinnen" hat man definiert, dass offenbar mit ,,Bürger" (oder Bürgerinnen) jeweils nur ein bestimmtes Geschlecht gemeint ist. Jetzt beschweren sich die Transgender usw. zu Recht.

  • Hätte man es einfach bei ,,sehr geehrter Bürger" belassen, wären damit 100% aller Bürgenden gemeint.

    Ganz genau!

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)