Clemens Risi: Oper in Performance

  • Mit großem Interesse habe ich in den letzten Tagen "Oper in Performance. Analysen zur Aufführungsdimension von Operninszenierungen" von Clemens Risi gelesen. Man hat ja abends Zeit ... Risi interessiert sich für Oper als Aufführung/Performance und entwickelt auf dieser Basis Analysen von Inszenierungen von Konwitschny, Bieito, Neuenfels, Marthaler u.a.. Es geht ihm dabei eben nicht um die Frage, ob oder wie eine Inszenierung Partitur, Text, Regieanweisungen (also ein vorgegebenes "Konzept") umsetzt, sondern um die Frage, wie die konkrete Aufführung mit ihrer zeitlichen und räumlichen Dimension, aber auch in Zusammenhang mit den Darsteller_innen und auch dem Publikum als Analysegegenstand beschrieben werden kann. Dabei geht es auch darum, wie die Aufführung als Performance Bedeutungen schaffen kann, die in Partitur, Text etc. nicht enthalten sind (bzw. enthalten sein können, weil die Aufführung eben nicht die Umsetzung eines vorgegebenen Konzepts ist). Ich habe das (als Laie) mit viel Gewinn gelesen, vor allem auch seine sich daraus ergebenden Erklärungsansätze, warum Opernaufführungen eine besondere emotionale Qualität entwickeln können. Und ganz nebenbei macht er mit Bezug auf Judith Butler noch klar, dass Genderkonstruktionen und Opernaufführungen durchaus Gemeinsamkeiten haben ;).

  • mit Bezug auf Judith Butler

    https://www.faz.net/aktuell/ka…itt-16330489.html?premium


    Daraus:

    Durch die radikale Ablehnung liberaler und linker Freiheitsvorstellungen samt deren Kernbegriffen Universalismus, Subjektivität und Individuum nähert sich Butler den Positionen islamistischer Ideologen an. Das tut sie, indem sie eine Neudefinition von Freiheit fordert, die nicht mehr auf Subjektivität, sexueller und künstlerischer Ausdrucksfreiheit beruht, sondern vom Begriff der Handlungsfähigkeit (agency) ausgeht: Agency „erlaubt diverse Praktiken als Ausdruck von Freiheit vorzustellen, die nicht unbedingt dem Individuum entspringen oder irgendeiner innerlichen Vorstellung von Selbstbestimmung“. Eine solche Praktik ist für Butler beispielsweise die „Freiheit, eine Burka zu tragen...


    Butler richtet sich mit ihren Texten nicht an die muslimischen Frauen, über die sie schreibt und die sie zum authentischen Verfügungsobjekt der Männer degradiert, sondern an die eigenen Kollegen an westlichen Universitäten und an die Aktivisten der Frauen- und Homosexuellenbewegungen. Im Kampf gegen einen angeblich durch und durch kolonialrassistischen Westen – vornehmlich hypostasiert in den Vereinigten Staaten und Israel – ist es ihr zufolge notwendig, Bündnisse auch mit jenen Kräften zu schließen, die liberale Errungenschaften und Menschenrechte von Frauen und Homosexuellen ablehnen. Dabei bietet Butler ihren Lesern zugleich an, diesen gesellschaftlichen Rückschritt als Fortschritt zu begreifen.


    Patriarchale und homosexuellenfeindliche Kräfte, schreibt sie, hätten lediglich ein anderes Konzept von Modernität, daher bedürfe es nicht etwa der Kritik, sondern eines neuen Verständnisses von Zeit. Dass diese andere „Modernität“ Frauen und Homosexuelle bestenfalls an den Anfang ihrer Emanzipationsbewegungen zurückversetzen will und existentieller Gewalt preisgibt, wird nicht einmal mehr als Widerspruch thematisiert. Butlers Ziel ist es, eine Gemeinschaft des „kollektiven Widerstands“ zu bilden, in der man Reaktionären ihre Ablehnung von Homosexualität und das patriarchale Frauenbild nachsieht.


    Im übrigen: ich finde es ja lustig, wenn Sie einerseits andere leichtfertig als Nazis titulieren, hier aber auf eine Autorin verweisen, die den als antisemitisch bekannten BDS unterstützt. Wie soll ich das nennen? Verlogenheit? Bigotterie? Heuchelei? Suchen Sie sich etwas aus. Schönen Abend noch!

    "Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel."

    Einmal editiert, zuletzt von JLSorel ()

  • https://www.faz.net/aktuell/ka…itt-16330489.html?premium




    Im übrigen: ich finde es ja lustig, wenn Sie einerseits andere leichtfertig als Nazis titulieren, hier aber auf eine Autorin verweisen, die den als antisemitisch bekannten BDS unterstützt. Wie soll ich das nennen? Verogenheit? Bigotterie? Heuchelei? Suchen Sie sich etwas aus. Schönen Abend noch!

    Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Abend und vor allem einen erholsamen Nachtschlaf, damit Sie morgen entspannt in den Tag gehen können!

  • Nach längerem Überlegen möchte ich doch noch auf JLSorel antworten:


    1) Wenn ich auf ein Buch verweise, in dem mit Verweis auf andere Autor_innen etwas dargestellt wird, mache ich mir nicht sämtliche Positionen dieser Autor_innen zu eigen, auf die im Buch Bezug genommen wird. Wenn ich bspw. über ein Buch von Hannah Arendt sprechen würde und dabei darauf verweisen würde, dass sie sich u.a. auf Heidegger beruft, wäre ein Vorwurf, ich würde leichthin Heideggers Rolle im Nationalsozialismus gutheißen, m.E. auch unsinnig.


    2) Ich teile in keiner Weise einige Aussagen Judith Butlers zur Politik Israels. Das heißt nicht, dass sie zu Genderfragen nicht trotzdem kluge Dinge veröffentlicht haben kann (und darum ging es auch Risi in seiner Bezugnahme).


    3) Es ist immer schwierig, eine Renzension als Argument zu benutzen anstelle der Originalquellen. Ein_e Rezensent_in hat ja auch immer seine_ihre Perspektive. Eberts Darstellung und Verständnis von einigen Aussagen Butlers muss man auch nicht teilen (ich meine, er interpretiert Butler falsch), es gibt um das Thema eine breitere Diskussion, die sie vielleicht nicht kennen. Ich vermute, dass Sie Marco Ebert (den FAZ-Rezensenten) auch nicht kennen oder einordnen können, sonst hätten Sie ihn sich vermutlich wiederum nicht als Gewährsmann gewählt. Zumindest würde es mich überraschen, wenn Sie seine sonstigen Positionen teilen würden. Wenn Sie mir vorwerfen, ich hätte mit der Nennung von Butler dem BDS das Wort geredet, hätten Sie mit dem Zitieren von Ebert dann antideutsche Positionen vertreten. Ich halte eine solche Argumentation nicht für sinnvoll.