Bregenzer Festspiele 2020

  • Vielleicht haben Sie ja in der Grundschule oder auch später gelernt, einen entsprechenden Link einzustellen.

    Dann war es eben einer oder zwei Beiträge später. Jedenfalls ganz am Anfang.

    Link einstellen war nicht Gegenstand der Unterrichtung. ;)

  • Die Absage ist jetzt offiziell auf der Homepage.

    Und anders als auf der Seite der Bayreuther Festspiele ist auch der Spielplan für dieses Jahr nicht mehr zu sehen. In Bayreuth findet man noch immer den ursprünglich vorgesehenen Spielplan. Die Mitteilung der Absage der Festspiele findet sich nur am Rande. Der neue Pressechef sollte mal einen Blick darauf werfen, sofern er zuständig ist.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Kulturmuckefuck statt Verdi-Zirkus am Bodensee - seit Samstag gibt es in Bregenz "Festspiele im Festspielhaus", davon gleich zwei Veranstaltungen am Sonntag:


    Am Morgen spielte das Symphonieorchester Vorarlberg als erstes neun Chants d'Auvergne, dargeboten von Melissa Petit. Die Südfranzösin hatte mit der Wiedergabe der okzitanischen Sprache wenig Probleme und bezauberte durch reinen Klang und plastische Textgestaltung. Die Musik selbst klingt sehr anheimelnd, aber irgendwie repetitiv. Dass es gefühlt in drei von zwei Liedern um irgendwelche amourösen Schäfer*innen ging, tat sein übriges. Daher hätte als musikalische Anschlussverwendung eher Beethovens Sechste getaugt - gespielt wurde allerdings die Siebte (meine Lieblingssymphonie). Mit welcher Energie, Lust und Lebensfreude da aufgespielt wurde - herrlich. Ein musikalisches "FU Corona" - wenn man so will.


    Am Abend dirigierte erneut Enrique Mazzola, dieses Mal mit ca. 20 Musiker*innen aus Sankt Gallen. Als Solisten wurde Anna Princeva aufgeboten, die bereits mit dem "Casta Diva" die Pflöcke für den Abend in den Boden rammte. Gewisse Härten gab es, ja, aber dennoch war ihr Sopran nie unangenehm, relativ agil in der Stimmführung, so dass das "Tacea la notte" und auch das "Sempre libera" gefielen (letztere freilich ohne hohes es). Schön dargebotene Zwischenspiele gaben der Solistin Zeit zur Regeneration. Für manche Arien war Princeva doch etwas zu reif ("tutte le feste"; "o mio babbina caro" als Zugabe), aber das "Ritorna vincitor" oder auch das "un bel di vedremo" lagen ihr gut in der Kehle. Nervig war einzig der vehemente Bravo-Rufer, der wirklich nach jeder Arie, jedem Zwischenspiel den Raum wie ein Straßenköter akustisch markieren musste.