Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2021 unter Riccardo Muti

  • Gerade habe ich mir das Konzert in 3sat angehört. Die Zugaben laufen noch.
    Ich hätte mir bis hierhin ein wenig mehr Leichtigkeit und Eleganz gewünscht, fand manches etwas schwer, hart, laut und "teutonisch". Aber so etwas ist ja immer auch von Stimmungen abhängig. Sehr schön und wahr fand ich Mutis Worte zur Rolle der Musik in der Welt.

    Der leere Saal hat mich traurig gestimmt. Die Zuschauerbilder aus aller Welt haben das eher noch bestärkt. Aber wie gut, dass dieses Konzert als Geschenk Wiens für die Welt (ja, ich weiß natürlich, dass es da auch um sehr viel Geld geht, aber es gibt ja weit unangenehmere Wege, Geld zu machen) überhaupt stattfinden konnte und Menschen weltweit Freude und einen fröhlichen Start ins Jahr gebracht hat!

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Ich hätte mir bis hierhin ein wenig mehr Leichtigkeit und Eleganz gewünscht, fand manches etwas schwer, hart, laut und "teutonisch". Aber so etwas ist ja immer auch von Stimmungen abhängig. Sehr schön und wahr fand ich Mutis Worte zur Rolle der Musik in der Welt.

    Ja, manchmal hat Muti durchaus kantige Stellen aus einem Werk herausgearbeitet. Um aber dann rechtzeitig wieder in fließendes Schweben überzugehen, was für mich gerade den Reiz ausmachte. Ich bin da ganz bei den Eindrücken der AZ.

    Als ausgewiesener Muti-Fan habe ich das Konzert sehr genossen, schon allein die Eleganz seines Dirigierstils, die leider ein Christian Thielemann nicht aufweist. Die Festspiel- Konzerte in Salzburg waren singuläre Aufführungen und nie werde ich das einzige Dirigat von ihm vergessen, das ich in München mit ihm erlebt habe, den "Macbeth" mit Renato Bruson und Elizabeth Connnell. Das war irgendwann in den 80- igern. Damals war er in 4 Std. von Mailand nach München gerast ;-) Unvergessen auch der Salzburger "Otello" in 2008. Ein Dirigierfest.

    Um nochmals auf das Neujahrskonzert zurückzukommen: m.E. gibt es kein Orchester, das den Wienern bei diesem Genre auch nur annähernd das Wasser reichen kann, da sind sie Weltspitze. Wie sie z.B. ohne Dirigent (wenn Muti die Arme hängen läßt) bei den verschiedenen Rubati in piksauberem Gleichklang musizieren. Das macht ihnen kein anderes Orchester nach.

    Mich hat der eingeblendete Applaus etwas bedrückt. Das wirkte doch sehr aufgesetzt. Aber besser als nichts war es natürlich. Positiv war der Radetzky-Marsch ohne Mitklatschen.

  • Wie sie z.B. ohne Dirigent (wenn Muti die Arme hängen läßt) bei den verschiedenen Rubati in piksauberem Gleichklang musizieren.

    Das war sehr klug von Muti!

    Ohne Dirigat kommt das zur Wirkung, was ein nicht mit Donauwasser oder Grünem Veltliner getaufter Dirigent halt nicht im Blut hat!

    Auffallend war das besonders beim Sommernachtskonzert im September. Da hat (auf dem Video unübersehbar) der Konzertmeister den "Takt vorgegeben", Gergiev war bei den entsprechenden Stücken nur Staffage.

  • Ohne Dirigat kommt das zur Wirkung, was ein nicht mit Donauwasser oder Grünem Veltliner getaufter Dirigent halt nicht im Blut hat!

    Ich stimme da elsa vollkommen zu. Diese Musiker haben es im Blut (wieviele Promille weiß ich nicht ;))

    Wenn ein Dirigent es laufen läßt, ist das eine Wertschätzung für das Orchester. Und wie gut die Beziehung zwischen Orchester, Chor und Muti ist, weiß ich von meinem angeheirateten Cousin.

    Was noch manchmal überraschend war: die ausgeprägte Dynamik. Wo man sich dann denkt: "Oha"! (Aber nicht "Äha" - ich hoffe, die Nichtbayern verstehen, was ich meine ;))

  • Ohne Dirigat kommt das zur Wirkung, was ein nicht mit Donauwasser oder Grünem Veltliner getaufter Dirigent halt nicht im Blut hat!

    Auffallend war das besonders beim Sommernachtskonzert im September. Da hat (auf dem Video unübersehbar) der Konzertmeister den "Takt vorgegeben",

    Prinzipiell haben Sie sicher recht. Aber: Von den drei Konzertmeister*n der Wiener Philharmoniker ist eine Bulgarin aus Sofia, einer Vorarlberger aus Nenzing und der dritte schließlich aus Leipzig - mit Donauwasser oder Grünem Veltliner ist da höchstwahrscheinlich keine*r getauft. (Halten zu Gnaden und nichts für ungut).;)

    Beim diesjährigen Neujahrskonzert hatte übrigens wenigstens der Voralberger - zusammen mit der Bulgarin - Dienst. Immerhin!

  • Aber bei den Wienern wird jedes neue Mitglied rasch beim gemeinsamen traditionellen Musizieren quasi von alleine musikalisch wiedergetauft.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Um einen allein geht's ja nicht. Es ist die Atmosphäre, das Drum Herum, das Große Ganze halt

    Orchester haben eine überindividuelle Seele, die nicht von einzelnen abhängt. Es ist ein Flair, eine oft jahrzehntelang anhaltende Tradition, eine Art des Musizierens, der Klangvorstellung und der Töneerzeugung; mit anderen Worten: ein Orchester ist ein Organismus, der unverwechselbar bleibt, auch wenn einzelne Organe ausgewechslt werden. Na ja, kein so gelungenes Bild! Aber Sie wissen schon, was ich meine. ;)

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit
    über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit,
    nicht eine hemmende Schranke sein. (R. Wagner, Kunst und Revolution, 1849)



  • Wiener Neujahrskonzert 2021: Hoffnung und Handy-Applaus

    http://www.nmz.de/kiz/nachrich…offnung-und-handy-applaus


    Zitat:

    "Muti arbeitet seit 50 Jahren mit den Wiener Philharmonikern zusammen. Dirigent und Musiker verstehen sich fast blind. Manchmal ließ er den Taktstock einfach hängen und hörte einfach zu. „Es ist schwierig, diesem Orchester mit diesem Repertoire gegenüberzutreten“, sagte Muti im Vorfeld. „Ich hatte das Gefühl, da richte ich eher Schaden an.“