Beiträge von Einojuhani

    Ich glaube nicht, dass diese Unterscheidung ganz richtig ist. Es ist nicht eine Sache der Heftigkeit. Der Zorn des Achill setzt ja auch ganze Dramen in Gang. Die Unterscheidung zwischen Wut und Zorn wird zumindest in der Philosophie der Emotionen meistens im Anschluss an Aristoteles auch heute noch so gefasst, dass sich jemand, der zornig ist, rächen kann. Wer wütend ist, kann keine Rache üben, weil der Feind übermächtig ist. Daher der Wutbürger. Als einzelner Bürger fühlt man sich gegenüber dem Staat wehrlos. Es hat für ihn keinen Sinn, auf Rache zu sinnen.

    Ja, es hat sich schon gelohnt, die Oper wieder auszugraben. Aber mich interessiert nun wirklich nicht, wie Castorf auf seiner ewigen Drehbühne diese Oper "interpretiert". Schade, dass man sie nicht einem anderen Regisseuren gegeben hat. Überrascht war ich allerdings positiv, dass er es ausgehalten hat, den Beginn des zweiten Aktes wirklich ruhig zu lassen.

    Also doch:

    München: Die Bayerische Staatsoper startet mit einem Versuch in die neue Spielzeit. Ab dem 1. September sollen im Nationaltheater bis zu 500 Besucher auf gekennzeichneten Plätzen zugelassen werden, wie Kunstminister Sibler bekannt gab. Mit dem Pilotversuch soll ausgelotet werden, wie höherer Besucherzahlen bei kulturellen Veranstaltungen und der verantwortungsvolle Umgang mit dem Coronavirus vereinbart werden können. Laut einer Mitteilung des Kunstministeriums wurde das Projekt gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium auf den Weg gebracht. Auf Grundlage der Erkenntnisse, die aus dem Versuch gewonnen würden, soll dann über weitere Schritte entschieden werden. Derzeit sind in Bayern nur 200 Personen bei Kulturveranstaltungen in Innenbereich zugelassen. Insgesamt passen mehr als 2000 Besucher in die Bayerische Staatsoper.

    Quelle: B5 aktuell Nachrichten, 31.08.2020 19:45 Uhr

    Was ich nicht verstehe: Okay, der Ring kann jetzt nicht aufgeführt werden. Das versteht jeder. Aber warum lässt man die anderen Produktionen nicht am laufen - wie gerne würde ich in den Tannhäuser gehen, vielleicht könnte man den auch noch ein paarmal öfter aufführen? Oder vergangene Produktionen, sofern das Bühnenbild nicht schon eingestampft ist, wieder einstudieren?

    Die 3. Saison hintereinander mit ihr und in dieser sogar gleich in 2 1/2 Vorstellungen; sieht wohl so aus, als würde sie auch in Zukunft dem Nationaltheater öfters einen Besuch abstatten. So oft in einer Saison singt sie ja nicht mal in Mailand oder London.

    Alles in allem eine deutliche Verbesserung zu der jetzigen Spielzeit: Frau ohne Schatten, Tristan, Rosenkavalier (aber Petersen als Marschallin?:/, Tannhäuser & Repertoire Vorstellungen mit absoluter Spitzenbesetzung: Was will man mehr?? (rhetorisch gemeint!)

    Ich könnte mir eher vorstellen, so wie ich Dorny einschätze, dass es ihre Abschiedsvorstellungen in München sind. Auf große Stimmen gibt Dorny nicht so viel. Das wird ein harter Einschnitt gegenüber Bachler.

    Wie schade! Auf die 7 Death hätte ich mich sehr gefreut!


    Alle Vorstellungen der Bayerischen Staatsoper im Zeitraum 11. März bis 19. April werden abgesagt. Bitte nutzen Sie für die Rückerstattung das Rückgabe-Formular oder wenden Sie sich unter +49 89 2185 1920 (Mo-Sa 10-19 Uhr) oder per E-Mail an den Zentralen Kartenverkauf. Für Fragen wenden Sie sich bitte an die Besucherkommunikation.


    Die Bayerische Staatsoper versucht in den nächsten Tagen, einzelne Vorstellungen als Live-Stream oder als Video-on-Demand zur Verfügung zu stellen und wird Sie so schnell wie möglich über einen alternativen Online-Spielplan auf STAATSOPER.TV informieren.

    Mit hat die Produktion auch gefallen, aber: Bartok ist eigentlich kein Komponist, den man am besten als Soundtrack eines Film hören sollte. Ich war bei der Generalprobe und fand den Film anstrengend, weil er in der Ausleuchtung sehr kontrastreich ist - helle Bilder wechseln sich mit dunklen ab und das strengt an. Vor allem geht die wunderbare Komposition unter. Ich habe bei der Premiere dann die Augen geschlossen und war überrascht, was aus dem Orchester zu hören war: Die Detailarbeit von Petrenko kombiniert mit großen Bögen, sehr warmem Klang. Das war wirklich ausgezeichnet. Ansonsten schließe ich mich den vorherigen Ausführungen an, nur dass die Ästhetik wirklich nichts von Mrs Marple hat, sondern eher an nordische Filme erinnert.

    Für mich war "The Snow Queen" das highlight der Jahres, noch vor Agrippina, die mir auch sehr gut gefallen hat. Was mich selbst überrascht hat. Die Musik ist über weite Strecken wie eine lange Meditation über den Schneefall. Ich sitze gerne am Fenster wenn es schneit und schaue einfach zu, wie die Schneeflocken fallen. Je nach Windlage ist das manchmal sehr still, manchmal sehr bewegt, manchmal fröhlich-leicht, mal dann auch dramatisch und aufgewühlt. Es sind die sehr feinen Verschiebungen in der Musik, die mich fasziniert haben. Abrahamsen komponiert auch wunderschöne, langphrasige Melodien (was für ein ergreifend schönes Schlussduett zwischen Gerda und Kay im vorletzten Bild!), aber die Wiederholungen der Phrasen geraten immer ein bisschen anders. Und der Klangteppich, auf dem das alles geschieht, ist fein, sehr subtil, immer bewegt. Es ist eine Freude, Cornelius Meister zuzuschauen - wenn man die Musik nicht hören würde und nur sein Dirigat sieht, würde man denken, er dirigiert die ganze Zeit das große Liebesduett aus dem ersten Akt aus Otello ;-).
    Und mir hat auch die Inszenierung sehr gefallen. Ich habe vor langer Zeit Zivildienst in einem Heim für autistische Kinder gemacht - vielleicht hat mich gestern deswegen die Oper so bewegt. Natürlich erzählt Kriegenburg keine Geschichte. Es ist auch keine Bebilderung des Librettos. Es sind sehr rätselhafte, oft einsame, traurige, aber manchmal auch leichte und beinahe fröhliche Bilder, Assoziationen zu Seelenlandschaften, die mich gepackt haben. Da gibt es für mich nichts zu verstehen, nichts zu entschlüsseln - und gerade darin sehe ich die Stärke, weil es im Umgang mit autistischen Menschen, die in sich eingefroren sind, nichts zu entschlüsseln gibt. Es gibt nur Wege, sich an diese Menschen heranzutasten und, wenn es geht, sie zu lieben. Das heilt. Das letzte Bild ist für mich ein Bild vom Paradies oder von Weihnachten gewesen: Bis auf Kay bleiben die Patienten zwar krank und verschlossen in ihrer eigenen Welt. Aber was sich geändert hat ist der Umgang mit ihnen. Die Zärtlichkeit des Pflegepersonals, die Hinwendung an die kranken und in sich verschlossenen Menschen ist ein wunderschönes Bild dafür, was Weihnachten vielleicht heißen kann. In diesem Sinn: Ein frohes Weihnachtsfest mit vielen berührenden Begegnungen wünsche ich hier!

    Ich habe ja schon beinahe ein schlechtes Gewissen hier zu schreiben, aber mich hat die Produktion, die ich gestern gesehen habe und die ja viel Vorschusslorbeeren bekommen hat, nicht überzeugt. Ich fand alles dann doch sehr mundgerecht und leicht konsumierbar - von der Musik angefangen bis zur Inszenierung. Für mich hat Kaufmann bisher nur in einer Rolle wirklich überzeugen können, als Lohengrin. Meine Hochachtung galt gestern seiner sportlichen Leistung - was eine Wahnsinnspartie! -, aber stimmlich war es ein Gewaltakt, viel Gestemme und Härte in der Stimme. Mir fehlten da sehr viele Nuancen und ich kann in die allgemeine Begeisterung nicht einstimmen. Ich fand auch die Idee des psychotischen Schubs nicht gut szenisch umgesetzt. Ich weiß nicht, wer vom Forum schon einmal mit psychotischen Menschen gearbeitet hat, aber da geht es nicht nur um Verschiebung von Realität (die wurde ja sehr gut uns sinnfällig dargestellt, dieser Aspekt hat mir gefallen), sondern um andere, eher surreale Realitäten. Und dafür hat Stone nicht immer suggestive Bilder gefunden. Wenn man sich auf Freuds Essay "Die Traumdeutung" beziehen möchte (was ich passend finde), dann reicht es nicht Figuren zu verdoppeln und verdreifachen, sondern man muss in ganz andere Bilderwelten hineingehen. Warlikowski hat das in "Frau ohne Schatten" für meinen Geschmack extrem gut umgesetzt. Ich hoffe, die gnädigen Richter im Forum lassen hier eine Mindermeinung gelten :-).