Beiträge von Friedrich

    Nach längerem Überlegen möchte ich doch noch auf JLSorel antworten:


    1) Wenn ich auf ein Buch verweise, in dem mit Verweis auf andere Autor_innen etwas dargestellt wird, mache ich mir nicht sämtliche Positionen dieser Autor_innen zu eigen, auf die im Buch Bezug genommen wird. Wenn ich bspw. über ein Buch von Hannah Arendt sprechen würde und dabei darauf verweisen würde, dass sie sich u.a. auf Heidegger beruft, wäre ein Vorwurf, ich würde leichthin Heideggers Rolle im Nationalsozialismus gutheißen, m.E. auch unsinnig.


    2) Ich teile in keiner Weise einige Aussagen Judith Butlers zur Politik Israels. Das heißt nicht, dass sie zu Genderfragen nicht trotzdem kluge Dinge veröffentlicht haben kann (und darum ging es auch Risi in seiner Bezugnahme).


    3) Es ist immer schwierig, eine Renzension als Argument zu benutzen anstelle der Originalquellen. Ein_e Rezensent_in hat ja auch immer seine_ihre Perspektive. Eberts Darstellung und Verständnis von einigen Aussagen Butlers muss man auch nicht teilen (ich meine, er interpretiert Butler falsch), es gibt um das Thema eine breitere Diskussion, die sie vielleicht nicht kennen. Ich vermute, dass Sie Marco Ebert (den FAZ-Rezensenten) auch nicht kennen oder einordnen können, sonst hätten Sie ihn sich vermutlich wiederum nicht als Gewährsmann gewählt. Zumindest würde es mich überraschen, wenn Sie seine sonstigen Positionen teilen würden. Wenn Sie mir vorwerfen, ich hätte mit der Nennung von Butler dem BDS das Wort geredet, hätten Sie mit dem Zitieren von Ebert dann antideutsche Positionen vertreten. Ich halte eine solche Argumentation nicht für sinnvoll.

    Mit großem Interesse habe ich in den letzten Tagen "Oper in Performance. Analysen zur Aufführungsdimension von Operninszenierungen" von Clemens Risi gelesen. Man hat ja abends Zeit ... Risi interessiert sich für Oper als Aufführung/Performance und entwickelt auf dieser Basis Analysen von Inszenierungen von Konwitschny, Bieito, Neuenfels, Marthaler u.a.. Es geht ihm dabei eben nicht um die Frage, ob oder wie eine Inszenierung Partitur, Text, Regieanweisungen (also ein vorgegebenes "Konzept") umsetzt, sondern um die Frage, wie die konkrete Aufführung mit ihrer zeitlichen und räumlichen Dimension, aber auch in Zusammenhang mit den Darsteller_innen und auch dem Publikum als Analysegegenstand beschrieben werden kann. Dabei geht es auch darum, wie die Aufführung als Performance Bedeutungen schaffen kann, die in Partitur, Text etc. nicht enthalten sind (bzw. enthalten sein können, weil die Aufführung eben nicht die Umsetzung eines vorgegebenen Konzepts ist). Ich habe das (als Laie) mit viel Gewinn gelesen, vor allem auch seine sich daraus ergebenden Erklärungsansätze, warum Opernaufführungen eine besondere emotionale Qualität entwickeln können. Und ganz nebenbei macht er mit Bezug auf Judith Butler noch klar, dass Genderkonstruktionen und Opernaufführungen durchaus Gemeinsamkeiten haben ;).

    als Sie sich als solche zu erkennen gaben

    Ira, jetzt muss ich doch noch mal. Verstehendes Lesen war ja noch nie ihre Stärke. Deshalb extra für Sie: Es gibt einen Unterschied zwischen "Ich bin" und "Ich könnte sein".

    Reingold, es ist vermutlich besser, es sein zu lassen (ich weiß, es gelingt mir auch oft nicht). Diese Mischung aus Dummheit, Selbstgefälligkeit, fehlendem Anstand (es ist einfach unanständig, jemandem Respekt zu zollen, der die eigene Haltung angesichts millionenfaches Mordes nicht kritisch betrachten kann) und, ich kann es nur wiederholen, fehlender Empathie für das Leiden anderer ist unerträglich, aber man kommt ihr auf diesem Wege nicht bei. Bisweilen dachte ich auch, dass man doch im Austausch der Argumente hier und da auch mal ein Nachdenken bewirkt, aber ich glaube, wenn es nur ein Interesse an Bestätigung der eigenen Position gibt, und keine Bereitschaft, sich und seine Positionen auch mal in Frage zu stellen, dann sind Diskussionen ja eigentlich sinnlos (und letztlich furchtbar langweilig). Das fängt bei der Oper an (man möchte Inszenierungen sehen, die den eigenen Erwartungen entsprechen, und nennt dies dann "werkgerecht" anstelle von dem eigentlich an dieser Stelle richtigen "erwartungsgerecht") und hört bei der Politik auf, bei der man nicht in der Lage oder Willens ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und damit auch die eigene Position in Frage zu stellen.


    Das Lustige ist, dass während ich das schreibe, ich schon die Reaktionen vor mir sehe. Am meisten schmunzeln muss ich immer über Iras "Schulleiterin", die sie in mir zu erkennen meint. Hagen wird im Wolfgang-Wagner-Stil den Patriarchen geben (ich denke an die köstliche Geste von Schlingensief in dem Gespräch mit Gysi) und Sorel (hat sich eigentlich irgend jemand mal Gedanken gemacht, warum er das Pseudonym gewählt hat?) und Gunther werden wieder betonen, dass sie keine Nazis sind, wobei sie das menschenverachtende ihrer Positionen offensichtlich gar nicht verstehen. Daher werde ich mich dazu auch weiter nicht äußern.

    Also wenn ich schreibe: "Winifred stammte nicht vom Planeten Melmac", dann kann man daraus schlussfolgern:


    Alle anderen Lebewesen stammen vom Planeten Melmac.


    Es wird mal wieder interessant. ^^

    Wir reden über Verhalten, nicht Abstammung.

    Aber wieso würde es Ihnen Respekt abfordern, wenn sich viele/alle wie Winifred verhalten hätten, und es daher eben kein besonderes Verhalten gewesen wäre? Das verstehe ich tatsächlich nicht.

    Die Formulierung von Hagen ist nur dann sinnvoll, wenn er davon ausgeht, dass zumindest viele, wenn nicht alle, sich als "Wendehals" gegeben haben. Sonst wäre das Verhalten von Winifred ja nichts Besonderes, das ihm Respekt abfordern würde.

    Ich versuche gerade zu trennen zwischen einer Diskussion des Zitats von Gontscharow an sich und der Frage, wie es hier im Forum verwendet wurde. Zur Verwendung hier im Forum habe ich mich geäußert, es schien mir im Gespräch mit Zwiru2 interessant, noch mal auf das Zitat als solches einzugehen. Zwiru2 wird es sicher verstanden haben.

    Meine Existenz (ich denke Ihre auch nicht) erschöpft sich nicht in meiner (beruflichen) Tätigkeit. Das ist ja gerade ein Teil der Problematik des Zitats (oder auch des Topos des "überflüssigen Menschen", den Buchprüfer anführte), dass er (Gontscharow) das beides in eins setzt. Die Gleichsetzung von "nützlicher Dienst" mit "nützlicher Existenz" eröffnet den Raum, Menschen, die keinen "nützlichen Dienst" verrichten (können), auch die "nützliche Existenz" abzusprechen. Das ist das Gefährliche dieses Denkens. Ich denke Sie können sich vorstellen, in welche Richtung man dieses Gedanken weiterentwickekn kann (und historisch wurde der Gedanke ja auch weiterentwicklet).


    (Und um nicht Mißverstanden zu werden: Das ist hier an dieser Stelle jetzt nicht polemisch gemeint gegen irgend einen der hier Mitdiskutierenden.)

    Zitat von JLSorel

    "Den Staatsdiens hatte er wenige Jahre nach seinem Eintritt wieder aufgegeben. Er hatte sich die Sache eine Zeitlang angesehen und war zu dem merkwürdigen Schlusse gelangt, dass der Dienst an sich kein Ziel, keine Lebensaufgabe sei, sondern lediglich eine Veranstaltung ,die es ermöglichte, eine Anzahl von Menschen unterzubringen, deren Existenz ansonsten völlig zweck- und nutzlos gewesen wäre. Hätten diese Menschen nicht existiert, dann wäre auch der Dienst, den sie taten, völlig überflüssig gewesen"



    :/


    "Den Staatsdiens hatte er wenige Jahre nach seinem Eintritt wieder aufgegeben. Er hatte sich die Sache eine Zeitlang angesehen und war zu dem merkwürdigen Schlusse gelangt, dass der Dienst an sich kein Ziel, keine Lebensaufgabe sei, sondern lediglich eine Veranstaltung ,die es ermöglichte, eine Anzahl von Menschen unterzubringen, deren Existenz ansonsten völlig zweck- und nutzlos gewesen wäre. Hätten diese Menschen nicht existiert, dann wäre auch der Dienst, den sie taten, völlig überflüssig gewesen"


    :P

    Die Zeiten meiner literaturwissenschaftlichen Proseminare ist schon lange Zeit vorbei. Deshalb zitiere ich einfach mal wieder Wikipedia: "Der überflüssige Mensch (лишний человек) ist ein wiederkehrender Topos und Archetyp der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts."


    Wenn Gontscharow zitiert wird, muss dies nicht unbedingt ein heutiges "Menschbild" als Hintergrund haben.

    Es ist ja immer die Frage, in welchem Zusammenhang und zu welchem Zweck ein Zitat benutzt wird. Hier wurde der aktuelle Bezug durch Sorel ja ausdrücklich hergestellt. Es ging ja eben gerade nicht darum, einen historischen Topos vorzustellen.

    Aber wie jetzt? Meine Interpretation, dass Sie das Zitat auf Genderprofessuren bezogen wissen wollen, war also richtig? Dann möchten Sie das Zitat im Diskussionszusammenhang also so verstanden wissen, un durch die Übertragung auf den Diskussionsgegensatnd machen Sie es sich natürlich zu eigen:


    "Die Genderprofessur hatte er wenige Jahre nach seinem Eintritt wieder aufgegeben. Er hatte sich die Sache eine Zeitlang angesehen und war zu dem merkwürdigen Schlusse gelangt, dass die Genderprofessur an sich kein Ziel, keine Lebensaufgabe sei, sondern lediglich eine Veranstaltung ,die es ermöglichte, eine Anzahl von Menschen unterzubringen, deren Existenz ansonsten völlig zweck- und nutzlos gewesen wäre. Hätten diese Menschen nicht existiert, dann wäre auch der Dienst, den sie taten, völlig überflüssig gewesen"


    Die Existenz von Menschen, die eine Genderprofessur bekleiden, ist ansonsten völlig zweck- und nutzlos?


    Angesichts der Einteilung von Menschen, deren Existenz "zweck- und nutzlos" ist und offensichtlich anderen, deren Existenz das nicht ist, kann ich mich nur wiederholen:

    Was für ein wunderbares Menschenbild da zum Vorschein kommt!

    Ich bin weder naiv, noch tue ich so.

    Dann sagen Sie doch, wie Sie die Stelle

    Ersetze 'Staatstdienst' durch.... na Sie wissen schon.

    verstanden haben. Was muss da nach Ihrem Verständnis eingesetzt werden? Da uns JLSorel ja nicht sagen will, was er gemeint hat, können wir ja unsere Vermutungen mal miteinander teilen.