"Rodelinda" (12.5.2019)

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    • "Rodelinda" (12.5.2019)

      Mit dreitägiger Verspätung ein kurzer Rückblick auf die "Rodelinda"-Premiere in Frankfurt:

      Erneut bestätigte sich mein Eindruck, dass das große Haus in Frankfurt kein wirklich geeigneter Ort für Barockopern ist. Im direkten Vergleich zum wahrhaft magischen "Rinaldo" im Bockenheimer Depot verliert sich das Geschehen doch etwas zu oft in den Weiten des Raumes. Dennoch wirkt die Händel'sche Musik relativ präsent, daran hat das beherzt aufspielende Orchester unter der Leitung von Andrea Marcon großen Anteil. Gleichzeitig zwingt er die Sänger nicht zum Forcieren - das ist schon bemerkenswert. Leider gibt es aber immer wieder Spannungsabfälle, was auch daran liegen könnte, dass man nur eine Pause ansetzte. Zweimal anderthalb Stunden können selbst bei guten Darbietungen etwas zäh werden....

      In szenischer Hinsicht ist ein typischer Guth zu sehen: ein beeindruckend großes Herrenhaus auf der der Drehbühne, bei dem immer wieder neue Räume und Treppenhäuser zu sehen sind. Parallel zu den an den da capo-Arien nicht armen Abend sehen wir immer wieder auch andere Charaktere. Das Attribut "psychologisch" darf angesichts der Personenführung also nicht fehlen. Dass Guth die Handlung aus Sicht des stummen Knaben Flavio erzählt, ermöglicht immer wieder das Auftauchen grotesker Gestalten, die aber wenig zum Verständnis der simplen Handlung beitragen.

      Je nach Position des Bühnenbildes klangen die Stimmen unterschiedlich präsent. Katharina Magiera als zwielichtige Eduige mit profundem Mezzo oder der auftrumpfende Bassbariton Božidar Smiljanić als Garibaldo dominieren auf ungewohnte Weise und stellen den eigentlichen Fiesling, aber mit dünnem Tenor singenden Martin Mitterrutzner in der Partie des Grimoaldo arg in den Schatten. Jakub Józef Orliński singt und spielt einen quirligen Unulfo, der an Charlie Chaplin erinnert - das Breakdancen möge er sich aber bitte für den "Rinaldo" aufbewahren, auch wenn da kurz Szenenapplaus aufbrandete. Andreas Scholl ist mittlerweile jenseits der fünfzig - und das hört man. In den langsamen Arien kann er seinen gut geführten Countertenor angenehm strömen lassen (ohne dass mir nicht sofort eine Handvoll anderer Countertenöre eingefallen wären, die das mindestens gleich gut hinbekommen hätten), beim "vivi tiranno" muss er aber Farbe bekennen. Für diese Arie fehlt dann doch die nötige Power, der Peng. Die anspruchsvolle Titelpartie sang Lucy Crowe, die am Anfang noch etwas piepsig, dann aber mehr Durchschlagskraft erlangte und bei manchem A'-Teil anspruchsvolle Verzierungen einflochte.