Chemnitz: Robert Lehmeier inszenierte Fidelio

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    • Chemnitz: Robert Lehmeier inszenierte Fidelio

      Die Oper Chemnitz hatte zur zweiten Aufführung ihrer leider wenig beachteten klugen und sensiblen Fidelio-Inszenierung eingeladen, um das desaströse Bild der Stadt in den Medien etwas gerade zu rücken. Eventuell wollte das Haus auch einen Beitrag zur Deutung des eigentlich unmöglichen Wahlverhaltens der Sachsen am letzten Wochenende leisten.

      In einer beliebigen Bananenrepublik unserer Tage ist das Mitglied der Oberklasse Florestan verschwunden. Seine Ehefrau Leonore nutzt skrupellos alle Möglichkeiten, um ihren Mann aufzuspüren und der Gesellschaft zurückzugeben. Da ist für sie auch legitim, in der Verkleidung als Fidelio die Treuherzigkeit des Gefangenenwärters Rocco zu missbrauchen, seine Tochter Marzelline verliebt zu machen und sogar eine Eheschließung vorzubereiten.

      Soweit ist die Inszenierung von Robert Lehmeier mit ihrer guten Personenführung fast konventionell. Den ersten Akt mit der Vorbereitung einer Grillparty zu verbinden, bis dann die robusten Personenschützer des Pizarros die Bühne übernehmen, ist nicht besonders originell. Auch dass Lehmeier die Geschichte aus der Sicht Marzellines erzählen lässt, fand ich als Zuhörer angenehm. Denn die oft von Sängern gestammelten Rezitative und Dialoge zwischen den Musiknummern waren gestrichen. Stattdessen wurden die Reflexionen der jungen Frau von der guten Schauspielerinnenstimme Christine Gabsch aus dem“Off“(so die nette die Einführung Vortragende) eingesprochen.

      Lehmeiers Inszenierung schien sich damit auf die eigentlichen Verlierer des Geschehens Marzelline, Rocco und Jaquino zu bewegen, als die Robert-Schumann-Philharmonie unter der beeindruckenden Leitung des „assistierenden Kapellmeiste“ Jakob Brenner mit der Leonoren Ouvertüre Nr.2 (von 1805) mit einem musikalischem Höhepunkt des Abends das Finale vorbereitete.

      Der Vorhang öffnete sich und statt der bis zu dieser Phase des Geschehens dunklen Farben überraschte Robert Lehmeier sein Publikum mit einem vorwiegend vertikal angeordnetem gewaltigen Statisterie-Aufgebot in bunter „Verkleidung“, fast regungslos nur mit einer der Pantomime entlehnten Armbewegung.

      Vor diesem offensichtlich desinteressierten aber auch unbeachteten statischen Winke-Volk lässt Lehmeier die berühmte Schlussszene als „Friede-Freude-Eierkuchen“ in zugegebenermaßen hoher musikalischer Qualität ablaufen, indem sich der Minister, Leonore, Florestan mit Chorbegleitung gegenseitig befeiern. Dazu am rechten Bühnenbereich die „Verlierer“ Marzelline, Rocco ; Jaquino.

      Ein Opernschluss, der mir regelrecht im Halse stecken geblieben ist, denn sind nicht die wahren Verlierer Jene, die nicht aus ihrer Beteiligungslosigkeit herausfinden?

      Mit jedem unserer Abstecher nach Chemnitz hat uns die Qualität, wie dort musiziert und gesungen wird, gefallen. Die Robert-Schumann-Philharmonie als guter Sinfoniker und Sängerbegleiter überzeugte diesmal mit der aufmerksamen Leitung des „assistierenden Kapellmeisters“ Jakob Brenner.

      Eine sängerisch-schauspielerisch auch emotional bewegende Leistung bot die Koreanerin Guibee Yang vom Hausensemble als Marzelline. Spröder und gewollt distanzierter war eine stimmgewaltige Leonore der finnischen Sopranistin Pauliina Linnosaari zu erleben. Der PetersburgerViktor Antipenko ist seit seinen Einsätzen im Ring für das Haus ein häufiger und zuverlässiger Tenor-Gast. Stimmgewaltig erwies sich gleichfalls der ungarische Gast Kristián Cser in der Rolle des Pizarros. Über derart zuverlässige Ensemblemitglieder, wie Magnus Piontek(Rocco) und Siyabonga (Jaquino), verfügt auch nicht jedes Opernhaus. Florian Sievers als erster Gefangener und André Eckertsowie Andreas Beinhauer vervollständigten die Sänger-Riege.