Runde Geburtstage Ileana Cotrubas und Giacomo Aragall

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    • Runde Geburtstage Ileana Cotrubas und Giacomo Aragall

      "Opernwahrheiten", voll Temperament und Lebendigkeit

      "...Gewiss, manche Kollegen Aragalls verfügten über ein weniger anfälliges Nervenkostüm. Dafür war der Katalane, wenn er denn auftrat, in aller Regel der sensibelste Gestalter von allen: Aragall als Massenets Des Grieux, als Puccinis Rodolfo, als Verdis Alfredo - das war immer eine vokale Psychologiestunde: Mit welchen Nuancen konnte man eine Phrase beleben, die andere, mindestens ebenso berühmte Tenöre in einem durchsangen...."
      "...Seine Mimi, seine Violetta war im Idealfall - auch da waren sich die Wiener Habitués einig - die Rumänin Ileana Cotrubas, die an seiner Seite nicht minder perfekt ihre vokalen und darstellerischen Finessen entfalten konnte.
      Es wird also kein Zufall sein, daß das wirkliche Leben die beiden Künstler auch im Duett das Licht der Welt erblicken ließ: Aragall und Cotrubas wurden im Dreitagesabstand am 6. bzw. 9. Juni 1939 geboren, feier(te)n also dieser Tage ihre runden Geburtstage.
      "Aragall kehrt Jahr für Jahr nach Wien - und in sein "Café Aragall" zurück, weil er bei seinen Meisterkursen jungen Kollegen etwas von seinem Bühnentemperament und seiner Gesangskunst weiterzugeben versucht.
      Und Karajans "Figaro"-Susanna der legendären Premiere von 1977 verwandelt ihr reiches Hintergrundwissen als Autorin. Ihre Bücher, die so gnadenlos wie unwiderlegbar die Opern-Missbrauchsfälle in unseren "Regietheater"-Zeiten anprangern und analysieren, sollten zur Lektüre aller Opernfreunde gehören.
      Da werden, wie das einer der Cotrubas-Titel nennt, "Opernwahrheiten" ausgesprochen. Dergleichen steht in Tagen des Kulturgesinnungsterrorismus freilich auf dem Index. Was aber unter der Bank gelesen wird, bildet, wie man weiß, zu Zeiten besonders nachhaltig..."

      "Die Presse"
    • In einer der legendären Münchner "Traviatas" mit Carlos Kleiber am Pult, Aragall und Cotrubas, hatte ich das fragwürdige Erlebnis, daß Aragall kurz nach Beginn seiner großen Arie abbrach und mit einem "mi dispiace" die Bühne verließ. Das Orchester dudelte perplex noch eine Weile vor sich hin, dann fiel der Vorhang. Aufstöhnen im Publikum. Erst einmal geschah nichts, nach einer Weile kam jemand vor den Vorhang, bat um ein wenig Geduld. Nach etwa 20 Min. ging die Vorstellung weiter. Allerdings nach der Arie.
    • Zur Beantwortung dieser Frage empfehle ich das schriftstellerische Hauptwerk der Ileana Cotrubaş: »Opernwahrheiten«. Wer immer es geschrieben hat, hat damit ein wahres Kompendium der Vorurteile, Denkfaulheiten und Dominanzgelüste der wahren Opernfreunde geschaffen, das immer wieder zu konsultieren, sich wirklich sehr lohnt. (Vorausgesetzt, man kann sich bezähmen und wirft das Machwerk nicht nach 10 Seiten dahin, wohin es gehört: in die Mülltonne. Es ist nicht leicht, aber es lohnt sich, stark zu bleiben. Man lernt eine Menge dabei,)
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach
    • Es ist doch immer wieder schön, wie vorhersehbar Sie doch sind. Auf einen Kommentar dieser Art habe ich gewartet. Es hat mich nur gewundert, daß er so spät kam. Haben Sie das Buch mittlerweile gelesen?
      Ich habe es jedenfalls vor. Es wurde von einer der großen Opernsängerinnen geschrieben. Und ich glaube nicht, daß die sich ihre Erfahrungen aus den Fingern saugt.
    • Kolderup schrieb:

      Zur Beantwortung dieser Frage empfehle ich das schriftstellerische Hauptwerk der Ileana Cotrubaş: »Opernwahrheiten«. Wer immer es geschrieben hat,
      Das sollte sich doch klären lassen,irgendwo im Kleingedruckten steht bei solchen Werken ja immer "in Zusammenarbeit mit" oder Ähnliches. Sonst würde der Geisterschreiber doch evtl. seine Tantiemenansprüche nicht durchsetzen können, wenn das Buch übersetzt oder verfilmt werden sollte.
    • Das bezweifelt niemand. Es ist stilistisch auch schlecht genug, dass sie es selbst gemacht haben könnte. Aber das ist ja unüblich. Es ist aber auch ganz unwichtig. Der Wert des Buches wird nicht geringer, wenn es unter falscher Flagge segelt. Das »Nibelungenlied« wäre ja auch nicht besser als es ist, wenn wir wüssten, wie die zahlreichen Autoren hießen, die es verfasst haben.

      (Im Buch steht nichts über einen Mitarbeiter. Aber das bedeutet nichts. Die Tantiemen (die bei einem solchen Buch in der Regel eher einen negativen Betrag ausmachen) hängen nicht davon ab, was im Buch, sondern was im Vertrag steht.)

      Übrigens sprang mir eben im Vorwort von Karl Löbl eine Passage ins Auge, die sehr schön zu einer anderen – nichtsdestoweniger mit dieser zusammengehörigen – Diskussion passt:

      Karl Löbl schrieb:

      »In einer Zeit, die sich ihre Abbilder machen lässt, weil immer weniger Menschen die Allgemeinbildung haben, sich von den Dingen selbst ein Bild zu machen, scheint solche Verantwortungslosigkeit (der Regisseure natürlich - K.) niemand zu stören.
      Ungeachtet der Tatsache, dass der Satz (wie das ganze urkomische Vorwort) erstaunlich dumm ist, ist ist er im Hinblick auf Asterias angeblich nicht haltbare Idee von elitären Staubis sehr aussagekräftig.

      Nebenbei: Finden Sie nicht auch, dass die im folgenden zitierte Frage einigermaßen frech ist?

      ira schrieb:

      Haben Sie das Buch mittlerweile gelesen?
      Wie Sie wissen sollten, äußere ich mich (ganz im Unterschied zu Ihnen) ausschließlich zu Dingen, die ich kenne. Das trifft auf Bücher natürlich ebenso zu wie auf Inszenierungen, Theaterstücke oder altägyptische Reliefs. Mir scheint, es ist eine Frage des guten Benehmens, davon auch auszugehen, bis das Gegenteil bewiesen ist.
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach

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    • Ich habe nicht behauptet, daß Sie Ihren Kommentar geschrieben haben, bevor Sie das Buch gelesen haben. Wenn Sie nochmal nachlesen, werden Sie das unschwer erkennen. Ich denke, in ein paar Stunden hat man es durch.
      Und ich habe auch nicht behauptet, daß ich das Buch gelesen habe, sondern habe lediglich "Die Presse" zitiert. Aber jetzt interessiert es mich.
    • ira schrieb:

      Ich habe nicht behauptet, daß Sie Ihren Kommentar geschrieben haben, bevor Sie das Buch gelesen haben. Wenn Sie nochmal nachlesen, werden Sie das unschwer erkennen. Ich denke, in ein paar Stunden hat man es durch.
      Nun. Schauen wir mal nach. Sie schrieben :

      ira schrieb:

      Haben Sie das Buch mittlerweile gelesen?
      Das ist, wie Sie vielleicht erkennen können, eine Entscheidungsfrage. Sie ist also sinnlos, wenn nicht beide Antworten als möglich vorausgesetzt werden. Wenn Sie also, wie es das gute Benehmen erfordert, davon ausgegangen wären, dass ich es selbstverständlich gelesen habe, bevor ich darüber schrieb, hätten Sie die Frage nicht gestellt. Sie haben also nichts behauptet (was ich übrigens nicht behautet habe), sondern eine unverschämte Frage gestellt. Und eben das war es, was ich schrieb.


      ira schrieb:

      Und ich habe auch nicht behauptet, daß ich das Buch gelesen habe, sondern habe lediglich "Die Presse" zitiert. Aber jetzt interessiert es mich.
      Und ich habe nicht behauptet, dass Sie das behauptet hätten. Ich bezog mich lediglich auf Ihre hellseherischen Fähigkeiten, die es Ihnen ermöglichen, über Inszenierungen (und sicher auch alles möglich andere) endgültige Urteile abzugeben, die Sie nicht gesehen haben,. oder von denen Sie lediglich über eine dürre Beschreibung der letzten 30 Sekunden verfügen. Ich wollte damit lediglich sagen, dass es eine Unverschämtheit ist, wenn Sie davon ausgehen, dass ich das genauso mache und zum Beispiel über Bücher urteile, die ich nicht gelesen habe, bzw. sie erst lese, nachdem ich sie beurteilt habe.
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach
    • Ja, gut. Es war eine rhetorische Frage. Dann war es also die Behauptung, ich hätte es nicht gelesen. Sie haben das ja selbst bestätigt, indem Sie erklärten, die Frage gehe davon aus. dass ich es nachträglich gelesen hätte. Sie haben die Unverschämtheit also doppelt bestätigt. Das finde ich nun ziemlich »belastbar« (nicht nur für mich).
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach
    • Ich bin NICHT davon ausgegangen, daß sie das Buch erst nach Ihrem Kommentar gelesen haben.
      Immerhin hätte es sein können, daß Sie es nach dem Post über Aragall/Cotrubas gelesen haben:

      ira schrieb:

      Es ist doch immer wieder schön, wie vorhersehbar Sie doch sind. Auf einen Kommentar dieser Art habe ich gewartet. Es hat mich nur gewundert, daß er so spät kam. Haben Sie das Buch mittlerweile gelesen?
      Ich hätte auch schreiben können "inzwischen".
      Damit habe ich den Sachverhalt m.E, ausreichend klar gestellt. Was Sie natürlich nicht daran hindert, zu glauben, was Sie glauben wollen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • ira schrieb:

      Es ist doch klar, daß Ileana Cotrubas als Ausländerin mit jemandem "zusammenarbeiten" muß, der deutschsprachig ist und der ihr Buch querliest.
      Warum soll das so klar sein? Es gibt genügend Beispiele von Autoren, die perfekt in Fremdsprachen geschrieben haben. Und dazu müssen wir nicht in die Zeit zurückgehen, wo die Gelehrten ihre Bücher in lateinischer Sprache verfassten, wir müssen auch keine heutigen Wissenschaftler aufsuchen, die ihre Bücher in der englischen schreiben, wir können uns an ein paar Landsleute der Sängerin halten: Alexandru Macedonski, Panait Istrati, Emil Cioran, Tristan Tzara. Eugen Ionescu, Mircea Eliade, Ioan Petru Culianu haben den größten Teil ihres literarischen Werks (einige sogar das ganze) auf Französisch (Eliade und Culianu auch auf Englisch) verfasst. Da musste niemand »querlesen«. Cioran hat es sogar dahin gebracht, dass er von den in dieser Hinsicht sehr strengen französischen Intellektuellen als ein schwer zu übertreffender Meister des Stils anerkannt wurde. Es geht also durchaus auch ohne.

      Aber darauf kommt es gar nicht an. Wer immer das Buch am Ende in Form gebracht hat, es läuft unter dem Namen Cotrubaş, und es wird nicht besser oder schlechter, wenn wir erfahren, dass sie es mit oder ohne Hilfe verfasst hat.


      ira schrieb:

      Ich bin NICHT davon ausgegnagen, daß sie das Buch erst nach Ihrem Kommentar gelesen haben.
      Immerhin hätte es sein können, daß Sie es nach dem Post über Aragall/Cotrubas gelesen haben:
      Das können Sie selbst nicht glauben. Wo hätte ich das Buch denn so schnell herhaben und lesen sollen? Warum häufen Sie auf die einen Unverschämtheit gleich noch die nächste, indem Sie mich für dumm verkaufen?
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kolderup ()

    • Kolderup schrieb:

      wir können uns an ein paar Landsleute der Sängerin halten: Alexandru Macedonski, Panait Istrati, Emil Cioran, Tristan Tzara. Eugen Ionescu, Mircea Eliade, Ioan Petru Culianu haben den größten Teil ihres literarischen Werks (einige sogar das ganze) auf Französisch (Eliade und Culianu auch auf Englisch) verfasst. Da musste niemand »querlesen«. Cioran hat es sogar dahin gebracht, dass er von den in dieser Hinsicht sehr strengen französischen Intellektuellen als ein schwer zu übertreffender Meister des Stils anerkannt wurde. Es geht also durchaus auch ohne.
      (Hervorhebung von mir)
      Ich ziehe den Hut vor Ihrem Wissen.
      Allerdings: haben Sie bedacht - zum einen - daß es sich bei Ileana Cotrubas weder um eine Schriftstellerin noch Philosophin etc. handelt? Sondern um eine Sängerin?
      Zum anderen: ich ziehe nochmal den Hut, da Sie anscheinend genau wissen, daß die von Ihnen Genannten keinen Lektor vom Verlag hatten oder jemanden der "quergelesen" hat.
    • Natürlich haben die Genannten einen Lektor gehabt. Aber keinen, der ihnen ihre Texte schreiben oder umschreiben musste. Das weiß ich genau, auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können.

      Im übrigen bezog sich meine Anmerkung lediglich auf Ihre unbegründete Aussage, dass es für eine Ausländerin zwangsläufig nötig sei, dass jemand anders ihren Text schreibt. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall, wie man schon am Beispiel der Gelehrten früherer Zeiten sieht, die ja keinen Muttersprachler fragen konnten, ob ihr Latein in Ordnung geht. Gegen das Buch der Cotrubaş ist es selbstverständlich kein Einwand, dass sie es vermutlich nicht allein geschrieben hat. Das tun die wenigsten Künstler, die keine Schriftsteller sind. Darum gilt, was ich von Anfang an schrieb:

      Kolderup schrieb:

      Wer immer es geschrieben hat, hat damit ein wahres Kompendium der Vorurteile, Denkfaulheiten und Dominanzgelüste der wahren Opernfreunde geschaffen, das immer wieder zu konsultieren, sich wirklich sehr lohnt.
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach