Otello - Deutsche Oper Berlin

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    • Otello - Deutsche Oper Berlin

      Als ich die diesjährige Saisonvorschau gesehen habe, fand ich ich die Besetzung der Aufführung durchaus originell. Kurz nach seinem Rollendebüt in Toronto hat sich Russel Thomas nun auch in Europa als Otello präsentiert. Als er auf die Bühne kam, war er noch ein liebenswürdiger Strahlemann, bei dem man sich nicht vorstellen konnte, dass er auch böse und verhasst sein könnte. Aber im Laufe des Abends war er im Vergleich zum Beginn nicht mehr wiederzuerkennen. Thomas hat nicht unbedingt die attraktivste Stimme, wusste aber bei seinen bisherigen Auftritten am Haus stets zu überzeugen. Er hat den Otello mit viel Kraftaufwand gesungen und ist stellenweise noch an Grenzen gestoßen. Insgesamt fand ich ihn aber mehr als ordentlich. Eine absolute Offenbarung war Guanqun Yu als Desdemona. Mit traumhaften piani und einer auch ansonsten attraktiven Stimmfarbe war die Szenen mit ihr die Höhepunkte des Abends. Eine Überraschung war für mich der starke auftritt von George Gagnidze als Jago. Einerseits mag ich den Sänger durchaus, andererseits stört mich bei ihm oft, dass die Stimme nicht so viel Peng hat und limitiert klingt. Der Jago scheint ihm offenbar recht gut zu liegen. Dazu kam eine sehr souveräne Rollengestaltung. Der Cassio war mit Attilio Glaser ebenfalls stark besetzt. Ievgen Orlov (Lodovico) scheint zwar sein Vibrato weitgehend in den Griff bekommen zu haben, hörte sich aber recht altbacken und alles andere als edel an. Selten kann eine Emilia so viel Beifall verbuchen wie das bei Ronita Miller der Fall war. Sie hat der Rolle ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt und gezeigt, dass man auch in recht kleinen Rollen für Furore sorgen kann. Paolo Arrivabeni ist regelmäßiger Gast am Haus und eine Bank am Pult. Seine Tempi hatten die ganze Bandbreite von schnell bis extrem langsam. Bei Mehta hatte ich noch die langsamen Tempi moniert, bei Arrivabeni habe ich sie insbesondere in den Chorszenen und im 4. Akt genossen. Insgesamt war das ein sehr erfreulicher, guter Opernabend, der nicht sonderlich gut besucht war.
    • Manchmal hat man beim zweiten Anlauf weniger zu meckern. Bei dieser Otello-Serie ist das allerdings anders. Mein wohlwollendes Urteil über Russel Thomas muss ich leider revidieren. Viele hohe Töne hat er gestemmt oder unschön gesungen, außerdem fehlt es ihm an Ausstrahlung für die Rolle. Keine guten Vorzeichen für den Don Alvaro. Auch Guanqun Yu hat mir nicht mehr so gefallen wie 12 Tage zuvor. Sie hat zwar überwiegend wunderschön gesungen, ist aber im 3. Akt ebenfalls an Grenzen gestoßen und ohne große Ausstrahlung geblieben. Paolo Arrivabeni hat mehrfach Thomas oder/ und Gagnidze nach vorne getrieben, weil sie geschleppt haben. Als gut habe ich diesen Otello dann nicht mehr empfunden.