Halle : Julius Caesar

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    • Halle : Julius Caesar

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      Folgende Kritik in der "Zeit" : zeit.de/2019/24/peter-konwitsc…isseur-oper-julius-caeser beleuchtet auch kritisch die Gegenüberstellung von "ideologischer" und "ökonomischer" Zensur, wobei Letztere angeblich die Schlimmere sein soll.

      Zitat :

      Wie ein kleines gallisches Dorf den Römern trotzt, so trotzen Konwitschny und sein Team (eingefleischt: der Bühnenbildner Helmut Brade, die Dramaturgen Bettina Bartz und Werner Hintze) dem Lauf der Zeit. Was früher richtig war, kann heute nicht falsch sein, rufen sie. Und: Ist es nicht längst wieder so weit? Oder wie Konwitschny in der Hallenser Theaterzeitung sagt: "Die Zensur war früher ideologisch, heute ist sie ökonomisch. Die ökonomische Zensur ist schärfer und unwiderruflicher als die ideologische."

      Die Gegenüberstellung erstaunt, standen auch DDR-Theater doch auch unter einem ökonomischen Zwang (siehe Erinnerungen von Manfred Wekwerth zur Krise im BE oder Rimkus zur Kritik an der schlechten Auslastung der "Moses und Aron"-Vorstellungen an der Staatsoper).
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      Vor zwei Tagen konnte ich den Text noch lesen ohne mich bei der Zeit anzumelden. Da war ich schon etwas irritiert, dass Frau Lemke-Matwey, deren Rezensionen und sonstige Verlautbarungen mir bisher nicht durch sonderliche Einfalt aufgefallen waren, als zentrales Argument für ihre negative Besprechung brachte, dass Konwitschny das alles vor 30 Jahren auch schon so gemacht hätte. Das finde ich kein sonderlich starkes Argument - es sei denn man könnte nachweisen, dass Konwitschnys Fragen an die Welt und die Oper nicht mehr aktuell seien. Das kann ich aber ganz und gar nicht sehen. Und dass man mit "ideologischer Zensur" verhandeln, sie auch austricksen etc. kann, sollte allen, die von DDR-Theater was mitgekriegt haben, einleuchten. Dass das bei "ökonomischer Zensur" deutlich schwerer sein dürfte, liegt irgendwie auch auf der Hand. Wo ist der Aufreger?
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      Friedrich schrieb:

      Das war ernst gemeint
      Das habe ich auch so verstanden. ;)
      Ich habe ja viele Artikel von ihr hier im Forum verlinkt, und mehr als einmal habe ich mich gefragt, ob ich mich dafür rechtfertigen sollte. :whistling: Aber wahrscheinlich war da auch der eine oder andere vernünftige Aufsatz darunter. Und so wie ich diese in meiner Erinnerung verdrängt habe, ist es Dir eventuell umgekehrt gegangen.
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      Friedrich schrieb:

      dass Frau Lemke-Matwey, deren Rezensionen und sonstige Verlautbarungen mir bisher nicht durch sonderliche Einfalt aufgefallen waren, als zentrales Argument für ihre negative Besprechung brachte, dass Konwitschny das alles vor 30 Jahren auch schon so gemacht hätte.
      Damit steht sie wohl nicht ganz allein da. Ich meine, anderenorts eine recht ähnliche Meinungsäußerung gesehen zu haben. Eventuell in der FAZ, aber das könnte auch eine Verwechslung sein. Fand es nicht sonderlich überzeugend und interessant, weshalb es auch schon wieder weitgehend vergessen ist. Und sowieso momentan leider keine Gelegenheit, mir die Produktion in Halle selbst anzuschauen (und anzuhören natürlich).

      Mit dem Thema Lemke-Matwey fange ich erst garnicht an. Es würde sicher zu weit führen, eine in ganz anderem Umfeld geführte Diskussion darüber hierher zu ziehen.
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      Friedrich schrieb:

      als zentrales Argument für ihre negative Besprechung brachte, dass Konwitschny das alles vor 30 Jahren auch schon so gemacht hätte. Das finde ich kein sonderlich starkes Argument-
      Ob stark oder nicht, es ist jedenfalls ein Argument.

      Friedrich schrieb:

      es sei denn man könnte nachweisen, dass Konwitschnys Fragen an die Welt und die Oper nicht mehr aktuell seien.
      Vor 30 Jahren war die Welt noch eine andere, ganz besonders im Osten.
      Ich möchte nicht wissen, was man hier schreiben würde, wenn man eine solche Stagnation den sog. "Staubi"-Regisseuren vorhalten würde. Hohn und Spott ginge auf sie nieder. Ansonsten ist ja dauernd von aktuellen Bezügen die Rede. Sollte Christine Lemke-Matwey mit ihrem Vorwurf recht haben (ich habe die Produktion ja nicht gesehen), daß "Konwitschny und sein Team dem Lauf der Zeit trotzen", dann hat in dieser Inszenierung eine künstlerische Weiterentwicklung wohl nicht stattgefunden.

      Friedrich schrieb:

      Und dass man mit "ideologischer Zensur" verhandeln, sie auch austricksen etc. kann, sollte allen, die von DDR-Theater was mitgekriegt haben, einleuchten. Dass das bei "ökonomischer Zensur" deutlich schwerer sein dürfte, liegt irgendwie auch auf der Hand.
      Inwiefern oder inwieweit man die ideologische Zensur "austricksen" konnte oder nicht, ist nicht das Thema. Zumindest gab es sie. Und wenn man sie mit "ökonomischer Zensur" (was für eine Wortwahl!) in Relation setzt, relativiert man damit Dinge, die nicht relativierbar sind.

      Dr. Schoen schrieb:

      Damit steht sie wohl nicht ganz allein da. Ich meine, anderenorts eine recht ähnliche Meinungsäußerung gesehen zu haben. Eventuell in der FAZ
      Ja, aber ich finde den Artikel jetzt leider nicht mehr. Es hieß darin: "Wie man aus einem barocken Seelengemälde eine Operette formt."

      Hier die NMZ:

      Offenbachiade eines Bad Boys: Peter Konwitschny inszeniert „Julius Caesar“ in Halle

      nmz.de/online/offenbachiade-ei…rt-julius-caesar-in-halle
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      ira schrieb:

      Vor 30 Jahren war die Welt noch eine andere, ganz besonders im Osten.
      Dieser Zusatz ist wirklich sehr komisch. Vielen Dank für die Erheiterung. Sie sind also der Meinung, dass im Rest der Welt die Veränderungen geringer sind. Wann waren Sie das letzte Mal in der Welt? Es mus ja mindestens 30 Jahre her sein.

      ira schrieb:

      Ich möchte nicht wissen, was man hier schreiben würde, wenn man eine solche Stagnation den sog. "Staubi"-Regisseuren vorhalten würde.
      Sie wissen doch, was man da sagt. Nur werden Sie schwerlich erklären können, warum es in nicht Ordnung ist, die Entwicklung von 30 Jahren zu ignorieren und mit der Ästhetik von damals zu kommen, aber vollkommen in Ordnung und sogar Pflicht, die Ästhetik von 1870 oder 1780 ungebrochen anzuwenden.

      ira schrieb:

      Inwiefern oder inwieweit man die ideologische Zensur "austricksen" konnte oder nicht, ist nicht das Thema.
      Doch, genau ist das Thema, Das leben nämlich nicht Sie fest, es geht aus der Aussage dieses Interviews hervor.

      ira schrieb:

      Zumindest gab es sie.
      Ein wichtiger, wenn auch vollkommen überflüssiger Hinweis. Das hat nämlich niemand bestritten. Hätte Konwitschny sagen wollen, dass es keine Zensur gab, hätte er sie nicht mit dem vergleichen können, was er heute als Zensur dingfest machen möchte.

      ira schrieb:

      Und wenn man sie mit "ökonomischer Zensur" (was für eine Wortwahl!) in Relation setzt, relativiert man damit Dinge, die nicht relativierbar sind.
      Ob die Wortwahl glücklich ist, sei dahingestellt. Es handelt sich um eine polemische Zuspitzung, und solche gehen leicht mal zu weit. Sicher ist, dass man die damalige Zensur, wenn man entsprechend geschickt war und ordentlich Glück hatte, durchaus überlisten konnte, weil es um sozusagen »weiche« Argumente ging. Zahlen und Finanzen aber sind erheblich kraftvoller in ihrer Wirkung. Da kann man nicht mehr tricksen. Das ist der Vergleich, und er ist vollkommen klar und einsichtig. Da wird nichts »relativiert« (ich benutze der Einfachheit das wenn Wort ausnahmsweise in dem heute üblichen falschen Sinn, den Sie als braves Kind des Zeitgeistes wohl im Auge haben.)
      Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu begreifen, dass man nicht begreift.
      (Marie von Ebner-Eschenbach)
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      Kolderup schrieb:

      Wann waren Sie das letzte Mal in der Welt?
      Sie können sicher sein, daß ich ausreichend "in der Welt" war. Und nicht nur besuchsweise.

      Kolderup schrieb:

      Dieser Zusatz ist wirklich sehr komisch.
      Sie werden es unschwer gemerkt haben, daß ich mich auf Deutschland bezogen habe. Ich wüßte nicht, wo sonst Konwitschny den "Julius Cäsar" inszeniert hätte.

      Kolderup schrieb:

      aber vollkommen in Ordnung und sogar Pflicht, die Ästhetik von 1870 oder 1780 ungebrochen anzuwenden.
      Wer hat das gesagt?

      Kolderup schrieb:

      »weiche« Argumente
      "Polemische Zuspitzung"? Ansonsten ist es doch einigermaßen zynisch, Gehirnwäsche als "weiche Argumente" zu bezeichnen.
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      ira schrieb:

      Ansonsten ist es doch einigermaßen zynisch, Gehirnwäsche als "weiche Argumente" zu bezeichnen.
      Gehirnwäsche? Wovon schwatzen Sie denn nun wieder? Eben war doch noch die Rede von Zensur. Oder ist das in Ihrer Privatsprache dasselbe? Dann sollten Sie dringend zumindest ein Wörterbuch dieser Sprache herausgeben, damit man erkennen kann, was Sie meinen.

      Ha! Da kommt mir eine Gedanke: Könnte es sein, dass Sie Orwells Kolportageschinken oder Hitchcocks dümmsten Film mit der DDR verwechseln? Oder haben Sie zu oft das ZDF-Magazin gesehen? Das soll ja bleibende Schäden hervorgerufen haben.
      Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu begreifen, dass man nicht begreift.
      (Marie von Ebner-Eschenbach)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kolderup ()

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      Ja. Daran erinnere ich mich. Mein Gedächtnis ist noch ganz gut. Aber Sie plauderten plötzlich von »Gehirnwäsche«, ohne zu erklären, warum Sie so plötzlich das Thema wechseln und was Sie damit eigentlich sagen wollen. Das hat mich verwirrt.
      Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu begreifen, dass man nicht begreift.
      (Marie von Ebner-Eschenbach)
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      Kolderup schrieb:

      Es handelt sich um eine polemische Zuspitzung, und solche gehen leicht mal zu weit.
      So wie mit 'Sprengt die Opernhäuer in die Luft!"?

      Tatsächlich frage ich mich, was er mit der 'ökonomischen Zensur' meint? Dass der Staat Theaterschaffenden systematisch und regelmäßig Geld entzieht, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken? Wohl kaum. Wo passiert so etwas in der Bundesrepublik?
      Oder dass (Musik)Theater oft unter geradezu prekären (Arbeits)Verhältnissen stattfindet? Das ist sicher ein beklagenswerter Zustand und ihm sollte abgeholfen werden, eine Zensur ist das gleichwohl nicht.
      Was also meint Herr Kontwitschny?
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
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      Ich muss da nicht googeln. Ich war dabei. Aber natürlich wissen Sie besser, wie es war, nicht obwohl, sondern weil Sie nicht dabei waren. Das ist wie bei Aufführungen, die Sie nicht gesehen haben, über die wissen Sie ja auch immer sehr genau Bescheid. Sie sollten mal die Kaffeesorten verraten, deren Satz Ihnen das ermöglicht.
      Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu begreifen, dass man nicht begreift.
      (Marie von Ebner-Eschenbach)