Franco Zeffirelli

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    • JLSorel schrieb:

      Das ist so ähnlich wie mit den 'aussagekräftigen Bildern'...

      Keineswegs. Es ist nämlich nicht alles, was mir von den Arbeiten dieses Giganten bekannt ist. Es ist nur ein besonders schönes und besonders charakteristisches Beispiel. Bemerken Sie den Unterschied?

      Nein? Dann helfe ich Ihnen. Wenn ira, deren Schleppe Sie so gern tragen, eine Inszenierung, die Sie nicht gesehen hat, nach einer notwendigerweise kurzen und unvollständigen Beschreibung der letzten 30 Sekunden verurteilt, ist das etwas vollkommen anderes, als wenn sie gesagt hätte: »Ich habe diese Inszenierung (zu großen Teilen) gesehen und ich präsentiere hier einen Ausschnitt, der sehr charakteristisch ist.«

      Das kann man selbstverständlich machen, so wie ich das »Lied des Türmers« aus dem »Faust II« als besonders charakteristisches Beispiel für die einsame Höhe zitieren kann, die Goethes Lyrik im Alter erreicht hat. Oder die Gartenszene aus dem Faust I als Beispiel für die theatralische Kraft, die Goethes dramatische Dichtungen auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft hatten. Das werden Sie ja sicherlich nicht bestreiten.

      Was ich nicht kann: Goethes Qualität als Dichter nach diesen Versen beurteilen, wenn ich sonst nichts kenne. Das ist bei iras Urteil über jene Inszenierung der Fall (sie kannte sie nicht und wusste so gut wie nichts darüber), trifft aber bei diesem Ausschnitt nicht zu.

      Seltsam, dass man das immer erläutern muss.

      Übrigens, um auf die inzwischen erschienene nicht sehr intelligente Zwischenbemerkung zu kommen. Dass zwischen Zeffirelli und Konwitschny viel ist, ist mir durchaus bekannt. (Ich bin auch nicht Kowitschny, weiß also gar nicht, warum der hier nun angeführt wird.) Mir ist aber auch bekannt, dass ein großer Teil dessen, was dazwischen liegt, von den Bewahrer des Wahren, Guten und Schönen in der Oper Vethem abgelehnt wird, meistens nach »aussagekräftigen Farbfotos«, was eben etwas anderes ist. Wenn nun ausgerechnet aus der Richtung Toleranz eingefordert wird, ist das schon grotesk.
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kolderup ()

    • Ob dieser Ausschnitt charakteristisch ist für Z's Arbeit, sei einmal dahingestellt, zumal wenn Sie es sind, der das meint. Sie wissen ja:

      "Der Merker werde so bestellt,
      dass weder Hass noch Lieben
      das Urteil trübe, das er fällt."

      Andere würden da sicher anderes auswählen. Jedenfalls taugt ein einminütiger Ausschnitt sicher nicht dazu, die komplette Regiearbeit eines Regisseurs abschließend zu beurteilen, wie Sie es tun. Das sollte eigentlich unter Ihrem Niveau sein.
      Aber spannend, wie Sie sich an ihm arbeiten müssen ;)
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • Kolderup, Sie verdrehen mal wieder vollkommen die Tatsachen. Ich habe nichts zu der Inszenierung an sich gesagt - die ich ja, wie Sie sehr richtig sagen - nicht gesehen habe. Unbestritten ist jedenfalls - und das konnte man hundertfach nachlesen und nachhören - , daß in den letzten 30 Sekunden Telramund von den Toten wieder aufersteht und als "Führer" der Brabanter ernannt wird. Statt Gottfried, so wie es von Wagner vorgesehen ist. Und das reicht aus, um die inhaltliche Aussage des Stücks ins Gegenteil zu verkehren. Denn nicht Parsifal gewinnt hier, sondern Wotan, wie es in einer Kritik so treffend hieß. Und um zu diesem Schluß zu kommen, reicht die Schluß-Volte völlig aus, dazu brauche ich nicht die ganze Inszenierung zu sehen. Ich habe das jetzt schon mehrmals dargelegt, seltsam, daß Sie es immer noch nicht verstanden haben.
    • Ich bin kein Merker. Das passt als nicht. Sollten Sie aber Hinweise haben, dass ich Zeffirellis Monumentalkitsch, weil ich den Mann persönlich nicht leiden kann, lassen es mich wissen. Ich bin sicher, dass Sie das besser wissen als ich, der ich bisher überzeugt bin, dass ich ihm nie begegnet bin und überhaupt keine Meinung zu seiner Person habe. (Aber vielleicht haben Sie diese Textstelle ja auch nur hingesetzt, weil es die erste war, die Ihnen einfiel, ohne sich weiter Gedanken um ihrem Sinn zu machen. Das kommt ja vor, zumal wenn man es sowieso nicht so mit dem Sinn bei Opern hat.)
      Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.
      Marie von Ebner-Eschenbach
    • ira schrieb:

      Kolderup, Sie verdrehen mal wieder vollkommen die Tatsachen. Ich habe nichts zu der Inszenierung an sich gesagt
      Sie beweisen hier das Gegenteil:

      ira schrieb:

      Und das reicht aus, um die inhaltliche Aussage des Stücks ins Gegenteil zu verkehren.
      Das ist ein Urteil über die Inszenierung »an sich«, wie Sie es so lustig nennen. Fällt Ihnen das nicht auf? Ich bleibe dabei: Sie können das nicht beurteilen, weil Sie die Inszenierung nicht gesehen haben. Sie wissen also nicht, wie diese Aktion – von der sie übrigens auch nichts bis auf die oberste Oberfläche wissen – vorbereitet und kontextualisiert wurde. Also wissen Sie nicht mehr darüber als ein »aussagekräftiges Farbfoto« mitteilen könnte. Also beruhigen Sie sich, ich habe nichts verdreht. Wenn von einer Verdrehung der Tatsachen die Rede sein soll, wäre der Vorwurf Ihnen zu machen, aber ich verzichte gern auf solche Wurfgeschosse und ziehe Argumente vor.


      JLSorel schrieb:

      Ob dieser Ausschnitt charakteristisch ist für Z's Arbeit, sei einmal dahingestellt, zumal wenn Sie es sind, der das meint.
      Es ist sehr charakteristisch für Ihre Argumentationsweise, dass Sie glauben, jede Äußerung beanspruche absolute Gültigkeit und verlange, unwidersprochen als gültige Wahrheit hingenommen zu werden. Das ist aber Ihr Problem, meins nicht. Wenn Sie mit Argumenten (ad rem, nicht ad personam) widersprechen können, tun Sie es. Das nennt man dann Diskussion. Da Sie das bisher nie getan haben, liegt allerdings die Annahme nahe, dass Sie es nicht können.

      Hier übrigens eine durchaus zurückhaltend ausgedrückte Meinung zum Thema, von einem der sicher nicht verdächtig ist, persönlich etwas gegen den Mann zu haben:

      Harald Eggebrecht schrieb:

      Zeffirelli liebte es, die Bühnen geradezu hemmungslos vollzustellen und zu bevölkern, auf dass man viel auf ihnen entdecken und sich nicht satt sehen konnte an all den Spektakeln von Jongleuren, Artisten und anderem Zirkus dieser Art. Es bot ein unentwegt in die eigentliche Handlung hineindrängendes Nebenbei, das theatralisch dekorativ wirksam, aber oft dramaturgische Notwendigkeit vermissen ließ.
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      Marie von Ebner-Eschenbach

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    • Kolderup schrieb:

      Es ist sehr charakteristisch für Ihre Argumentationsweise, dass Sie glauben, jede Äußerung beanspruche absolute Gültigkeit und verlange, unwidersprochen als gültige Wahrheit hingenommen zu werden.
      Sie waren es doch, der ex cathedra gesprochen hat. Wenn Sie jetzt zurückrudern, soll es mir recht sein.

      ira schrieb:

      Ich habe nichts zu der Inszenierung an sich gesagt - die ich ja, wie Sie sehr richtig sagen - nicht gesehen habe. Unbestritten ist jedenfalls - und das konnte man hundertfach nachlesen und nachhören - , daß in den letzten 30 Sekunden Telramund von den Toten wieder aufersteht und als "Führer" der Brabanter ernannt wird. Statt Gottfried, so wie es von Wagner vorgesehen ist. Und das reicht aus, um die inhaltliche Aussage des Stücks ins Gegenteil zu verkehren.
      Haben Sie es noch immer nicht verstanden, Ira, inszenieren im Sinne K's bedeutet, dass man gegebenenfalls der eigentlichen Story eine ganz neue Handlung überstülpen kann, die für sich genommen zwar plausibel sein kann, mit dem eigentlich Stück aber nichts zu tun hat. Warum man dazu allerdings etwa die Musik von Wagners Lohengrin spielt, wird auf ewig das Geheimnis dieser Regisseure bleiben. Die große Kunst bei dieser Sache ist, dass sich Regisseure dabei immer noch in die Tasche lügen, das alles sei aus Musik und Libretto hergeleitet.
      Ira, Sie werden noch viel lernen müssen! :D
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    • Keineswegs ist jedes Zeffirelli-Werk so opulent ausgestattet wie jene Turandot-Inszenierung. Das weiß Kolderup auch, deswegen hat er nämlich genau jene ausgewählt.

      Abgesehen davon ist die Herangehensweise von Zeffirelli natürlich grundfalsch. Wenn im Libretto etwas von einer Kaiserstadt, Skulpturen, Mauern, einem bronzenen Gong und malerischem chinesischen Volk steht, dann muss das bedeuten, dass man das Stück keinesfalls in einer irgendwie daran angelehnten Umgebung auf die Bühne bringen darf.

      (Zeffirelli hätte seine Arbeit übrigens durch wenige gekonnte Kniffe deutlich aufwerten können: Ein paar Rohre quer über die Bühne hier, ein paar Maschinengewehre dort, ins Zentrum noch ein vergilbtes Sofa aus der Nachkriegszeit, das Ganze vor dem Hintergrund einer Tapete aus den Siebzigern, ein paar Hakenkreuzbinden für die Nebenrollen - fertig.)
    • Asteria schrieb:

      Stimmt - aber kennen Sie irgendein Forum, bei dem das grundlegend anders ist?
      Ich kenne keine anderen Foren. Aber wahrscheinlich haben sie recht. Und streiten auf einem gewissen Niveau ist ja auch in Ordnung, aber dieses "gewisse" Niveau finde ich momentan weder bei der Zefirelli- noch bei der Julius Caesar-Diskussion. Aber ich bin ja erst am Anfang und muß mich hier durcharbeiten. :)