Les Huguenots

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hinter der dort zitierten „Lokalpresse“ (die mit dem Dünnbrettbohrer-Feuilleton) verbirgt sich doch bestimmt wieder der bewährte Bernd Klempnow? „Wie drastisch wird es diesmal?, orakelte es jedenfalls noch vor der Bezahlschranke auf saechsische.de/plus/skandal-dr…n-semperoper-5087049.html

      Der FAZ-Artikel beschreibt übrigens genauer, wie die Eingriffe in die Musik aussehen, die man in Paris nicht akzeptieren wollte. Ein Drittel gestrichen und dann geht es immer noch vier Stunden =O
    • Niemand wird gezwungen in eine 5 oder 6 Stunden Aufführung einer Meyerbeer-Oper zu gehen. Bei Wagner scheint es hingegen die meisten kaum zu stören.
      Dass ein Werk, das um etwa ein Drittel seiner Länge beraubt worden ist, das zudem heftige Eingriffe und Umstellungen erfahren hat und damit letztlich nur der Idee eines Regisseurs folgen soll, nur sehr bedingt mit dem eigentlichen Werk zu tun hat, sollte keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Man sollte daraus aber schließen, dass die gesehene Aufführung und das von Meyerbeer intendierte Werk zwei verschiedene Dinge sind. Die aktuelle Dresdner Produktion ist dafür ein gutes Beispiel.
      Man kann das von mir aus ja auch machen, wenn Herrn Konwitschny Selbstreferenzialität wichtiger ist als Meyerbeer und Scribe, bitte sehr. Man sollte dann aber bitte - wie längst im Sprechtheater üblich - den Vermerk "nach Meyerbeer und Scribe" hinzufügen. Wohlgemerkt, es geht mir hier darum, dass ein Stück entstellt wird - nicht um die Art oder Ästhetik der Inszenierung.

      Der Rienzi hat ja ein sehr ähnliches Schicksal, auch hier funktioniert es nicht, wenn man so stark einkürzt: Dramaturgie, Proportionen, musikalische Zusammenhänge, die Zeichnung von Charakteren, Inhalte usw. gehen verloren. Berlioz' Troyens, die lange Zeit auch nur verstümmelt gegeben wurden, könnte man auch nennen, inzwischen hat man ja meistenorts erkannt, dass da das (nahezu) ganze Werk aufgeführt werden muss, um es angemessen würdigen zu können. Auch die Barockoper, die man weit verbreitet in kruden Fassungen bis in die 1970er und 1980er Jahre hinein gespielt hat, kann als Beispiel dienen. Die Liste wäre fortzusetzen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Das Wahre und Gute und Schoene ()

    • "Trotz der Begeisterung von Presse,Publikum und seinen Auftraggebern(Charles X. verlieh dem Komponistendie Ehrenlegion) wurde kaum je einWerk in der Musikgeschichte so starkverstümmelt wie Rossinis längste Oper.In der Pariser Oper singt Nourrit, dervon Asile héréditaire überfordert ist, dieArie schon bei der dritten Aufführungnicht mehr. Die fünf Akte werden aufdrei gekürzt und schließlich bleibt nurder zweite Akt („Was? Der ganze Akt?“, sollRossini ironisch gefragt haben), aus demman ein Ballett macht." (opera-lyon.com/sites/opera-de-…03/Dossierdepresse-DE.pdf)

      Was lernen wir daraus? Schon zu Lebzeiten des Komponisten wurden Werke aus unterschiedlichsten Gründen "verstümmelt" (Und irgendetwas in diesem Bericht sagt mir, dass es damals weitaus krasser war) und selbst Komponisten haben das nicht so bierernst genommen wie mancher Kommentator hier. Womöglich, weil die Theaterpraxis besaßen. Ist jetzt aber nur so eine Theorie.
    • RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Schon zu Lebzeiten des Komponisten wurden Werke aus unterschiedlichsten Gründen "verstümmelt" (Und irgendetwas in diesem Bericht sagt mir, dass es damals weitaus krasser war)
      Vielleicht weiß hier ja jemand genauer, was diesbezüglich in den 50er Jahren so üblich war? Man hört da Geschichten von wüster Rumschlachterei in der Musik, die niemanden gestört habe.
    • Dr. Schoen schrieb:

      Vielleicht weiß hier ja jemand genauer, was diesbezüglich in den 50er Jahren so üblich war? Man hört da Geschichten von wüster Rumschlachterei in der Musik, die niemanden gestört habe.
      Och, das ging auch später fröhlich weiter... Ich entsinne mich, vor geraumer Zeit mal einen Mitschnitt (aus der MET?) von "Hoffmanns Erzählungen" mit Placido Domingo gesehen zu haben. - Da war der Giulietta-Akt, wenngleich optisch imposant, bis zur Unkenntlichkeit verkürzt.
      Was mir bei der Gelegenheit noch einfällt: man erboste sich doch kürzlich über die (allerdings etwas schräge) Aussage der Regisseurin, sie habe bei "Dalibor" ein paar Sachen gestrichen, weil die Oper ja eh keiner im Detail kenne. Interessanterweise sind die gleichen Teile bereits in der Supraphon-Aufnahme von 1979 nicht vorhanden...
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Prinzipiell finde ich es immer erschreckend, wie wenig Dirigenten dem Kürzungswillen (um es mal euphemistisch auszudrücken) eines Regisseurs entgegensetzen. Ist es den Kapellmeistern egal, was und wie viel sie dirigieren, ist es ihnen egal, wenn musikalische Strukturen durch Striche leiden oder zusammenbrechen? Oder gehen Kürzungen überwiegend auf die Dirigenten selbst zurück oder gar auf musikpraktisch unterentwickelte Dramaturgen? In der FroSch an der Berliner Staatsoper waren einige derart unmusikalische Striche, dass ich mir einfach nicht vorstellen mag, dass ein Dirigent vom Rang eines Mehta hierfür sein Placet gibt.

      Allerdings denke ich dabei an München der 80er, wo Sawallisch bei fast jeder Premiere, die er dirgierte, anscheinend erst dann glücklich war, wenn er 20 bis 30 Minuten gekürzt hatte (ich denke da an einen ziemlich verstümmelten "Peer Gynt" oder an "Mathis").

      Na ja ;(

      Einen schönen Tag noch!
    • Möglicherweise werden einige Kürzungen auch mit Rücksicht auf die Sänger vorgenommen - nicht jede/r ist jeder Rolle wirklich gewachsen... Wenn man also auch an kleineren Häusern gute, aber eben nicht überragende Sänger hat, wird halt (oft übrigens ziemlich geschickt) hier eine Szene gestrichen, dort eine Arie gekürzt...
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • JLSorel schrieb:

      Sagen wir mal so, eine Sache ist es, ein Stück auf Bühnentauglichkeit hin zu kürzen, eine andere Sache ist es aber, ein Stück willkürlich umzustellen, damit es zu den Intentionen des Regisseurs passt.
      Und wer bestimmt, was willkürlich ist? Sie?

      Man kann für ungekürzte Aufführungen oder Striche plädieren, da will ich gar nicht dogmatisch sein - aber wer Striche moniert, der sollte dann schon konkret sein, was er eigentlich konkret vermisst. Um bei der aktuellen Produktion zu bleiben: Was wurde denn eigentlich gekürzt? Die meisten Produktionen streichen die zweite Urbain-Arie,ein Rondo. Das ist zwar schade, aber nicht wirklich schädlich für den Handlungsverlauf. In München wurde je nach nach Abendverfassung von Herr Alagna die Cabaletta nach der "Rachel"-Arie in "La Juive" ganz, gar nicht oder gekürzt dargeboten; ich wüsste gerne, wieviele Leute das überhaupt gewusst oder bemerkt haben. An gleichem Ort wurde die Ouvertüre des "Guillauame Tell" als Eröffnung des zweiten Teils nach der Pause gestellt - die Empörung blieb aus. Vielleicht, weil es ja gar keine so schlechte Idee war und gut funktionierte?
      Aber lass einen Regisseur wie Konwitschny transparent darlegen, dass und warum er Striche macht, dann heulen alle auf. Geht man verschämt-diskret darüber hinweg, dann ists ja gut. Mundus vult decipi.

      Momentan höre ich eine konzertante "Hugenotten"-Aufnahme aus dem Jahr 1971, Spielzeit: schlappe 147 Minuten, mit einem wirklich phänomenalen Nicolai Gedda als Raoul.