Salome Petrenko/Warlikowski/Petersen, Ablinger-Sperrhacke, Koch

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    • Wissen Sie, ich kann es ja nachfühlen, dass man u. U. 1 Stunde 45 Minten vor sich hinköchelt und dass das dann irgendwie rausmuss, aber schließlich gibt es auch eine Handvoll prima Sänger und ein wunderbar-fantastisches Orchester mit einem Superdirigenten, deren erster Lohn für die große Müh' ein paar deftige Buhs sind. Ich weiß nicht, ich weiß nicht .......
      Oder sollte man sich einfach sagen, die wollen nur spielen? ....

      LG
    • Th.E. schrieb:

      Und ein weiterer Schreck für die Werktreue-Fraktion: In der Schachtel (die man kennen würde, wenn man Il portiere di notte gesehen hat) gibt es nicht einmal einen Kopf.
      Als sie gestern abend die Schachtel dann mit rausgenommen haben, zur Meute vor dem Nationaltheater, war aber einer drin. Sogar ein wirklich sehr gelungener. Da steckt eigentlich viel zuviel Mühe drin, um ihn dann nur ein einziges Mal in die Kamera zu halten.




      Letzten Mittwoch in der FAZ, auf Seite 10, eine Rezension („Wenn Gedenken zur Performance verkommt“) des Romans „Monster“: „... wo Yishai Sarid seine Leser haben will: Er macht sie selbst zu Monstern. Er lässt sie auf ebenso virtuose wie furchterregende Art am eigenen Leib erfahren, dass die Erinnerung an den Holocaust vor nichts und niemandem Halt macht.“

      Den Effekt kann man nun auch an der Rezeption dieser Aufführung studieren. Möglicherweise schon an der geschilderten Kuhherde und den an sie gerichteten Gesten der Bühnenbildnerin – „möglicherweise“, weil noch auf einem anderen Blatt steht, was von den zwangsläufig subjektiv gefärbten Schilderungen zu halten ist.

      Es zeigt sich weiter in der Rezension der Neuen Musikzeitung, nach der zu hoffen bleibt, daß dies für lange Zeit der letzte Auftrag des Conbrio-Verlags an diesen Autor war. Denn plattes Wutbürgergekeife bekommt man auch an jeder anderen Ecke.

      Es zeigt sich auch darin, wie hier dem Rezensenten der Süddeutschen Zeitung allen Ernstes Antisemitismus unterstellt wird. Was in seinem reichlich banalen Text tatsächlich auffällt, ist eine unzutreffende Beschreibung: Der Tod, der nach dem Schleiertanz angeblich „entseelt zu Boden geht“, nimmt vielmehr die Bestellung des Täuferkopfs zur Veranlassung, sein Giftfläschchen zu leeren (gibt es die in der Apotheke...?).


      Ansonsten müssen sich einem die ganzen Zitate und Anspielungen nicht unbedingt erschließen, bedarf es nicht unbedingt weiterer Erklärungen, um die grundsätzliche Umdeutung zu erkennen und einordnen zu können. Ob man ihr folgt, ob man das alles für schlüssig hält oder nicht vielleicht doch ein wenig arg an den Haaren herbeigezogen, ist dann immer noch die nächste Frage. Aber wenn es zum Weiterdenken anregt, wenn die Produktion lebhaft diskutiert wird, dann hat die Bayerische Staatsoper ja etwas geschafft.
    • "Or, why re-enact the story of Salome in particular – was there an undercurrent of abuse in this closed environment?"

      Das habe ich mich allerdings auch schon gefragt: warum lässt der Regisseur Juden, die sich in einer sehr bedrohlichen Situation befinden, ein Stück aufführen, dass er in die Nähe von Antisemitismus rückt?

      qintir mele schrieb:

      Wissen Sie, ich kann es ja nachfühlen, dass man u. U. 1 Stunde 45 Minten vor sich hinköchelt und dass das dann irgendwie rausmuss, aber schließlich gibt es auch eine Handvoll prima Sänger und ein wunderbar-fantastisches Orchester mit einem Superdirigenten, deren erster Lohn für die große Müh' ein paar deftige Buhs sind.
      Der Mann war halt ungehalten, und da der Adressat, dem sein Unwillen galt, sich an diesem Abend nicht mehr zeigen würde, wird er sich gedacht haben, an dieser Stelle wird sein Buh die größte Wirkung entfalten. Dass das Buh nicht der musikalischen Seite der Aufführung gegolten hat, wird auch den an der Aufführung Beteiligten klar gewesen sein.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • Dr. Schoen schrieb:

      Es zeigt sich weiter in der Rezension der Neuen Musikzeitung, nach der zu hoffen bleibt, daß dies für lange Zeit der letzte Auftrag des Conbrio-Verlags an diesen Autor war.
      Meinen Sie diese Rezension?

      nmz.de/online/strauss-unbeding…nfestspielpremiere-salome
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • so ist es; es hat schon seinen Grund, warum Herr Peter mittlerweile nicht mehr im Rundfunk zu hören ist und auch für kein wirklich renommiertes Presseorgan mehr schreibt (in der Tat weiss man ihn beim aber schon vorher, was man bekommt, also hält sich der Überraschungseffekt beim Leser seiner Ergüsse auch sehr in Grenzen)

      nach dem zweiten Sehen weiss ich jetzt übrigens, ob es mir gefallen hat und die Antwort ist ganz klar "ja". Eine Arbeit, bei der sich weiterhin mir nicht alles erschließt, die im aber einen nicht wirklilch loslässt. Was kann einem nach einer Opernaufführung besseres passieren, dass man noch lange über sie nachdenkt.
    • maestro schrieb:

      Eine Arbeit, bei der sich weiterhin mir nicht alles erschließt,
      Zum Beispiel: warum war es ein verschleierter, katholischer Geistlicher, der das Kindertotenlied 'sang'? Warum überhaupt ein Kindertotenlied?
      Oder warum war der Page eine Frau und nicht ein Mann?
      Um nur zwei kleine Beispiele zu nennen, die sich mir nicht erschlossen haben.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • Bezeichnenderweise ist in der obigen Kritik gleich zweimal von "Spiel im Spiel" die Rede. Das (wahlweise auch "Theater im Theater") wird neuerdings gerne als "Strategie" (oder vielleicht eher als Ausrede?) benutzt, mittels der man jedem beliebigen Stück ein Konzept überstülpen kann, das nichts mit dem Werk zu tun hat. Wie in diesem Fall. Da frage ich mich, warum man das bei einem aus sich selbst heraus hervorragend funktionierenden Werk wie der "Salome" macht. Weil dem Regisseur zum Stück selbst nichts einfällt?
      Das ist sicher für sich selbst gesehen durchaus interessant, ich bin auch immer dafür, daß man die Shoa nicht in Vergessenheit geraten läßt, allerdings sollte man sich dafür nicht ausgerechnet der "Salome" bedienen. Der Bezug von Warschauer Ghetto zur biblischen Geschichte um Herodes und Jochanaan ist an ellenlangen Haaren herbeigezogen.
      Da schließe ich mich gerne der Kritik des "Tagesspiegel an:

      Kurz: In München gab es die „Salome“, dank Kirill Petrenkos klanglich billant durchlüfteter und rhythmisch fulminanter musikalischer Leitung, zwar zu hören, aber nicht zu sehen. Stattdessen präsentierte der Regisseur – nein, keine eigene Geschichte, sondern ein so verkopftes wie verquastes Sammelsurium an Einfällen. So verlegte er die Handlung aus dem römisch besetzten Jerusalem in eine Warschauer Bibliothek zur Zeit der Besetzung Polens durch die Nazis. Na gut, könnte man sagen, wenigstens eine Art Konzept. Doch der Rückgriff aufs hundertfach abgenudelte Bühnenklischee „Besetzer = Nazis“ funktioniert schon deswegen nicht, weil wirklich nichts an dieser Oper etwas mit dem Thema „Besatzung“ zu tun hat.

      Die Angst vor der Frau

      Die Münchner Opernfestspiele eröffnen mit „Salome“, bravourös dirigiert von Kirill Petrenko, nicht wirklich inszeniert von Krzystzof Warlikowski.

      tagesspiegel.de/kultur/richard…or-der-frau/24506568.html
    • Tut mir leid, aber ich sehe in dem Stück keinen Antsemitismus. Sie meinen wahrscheinlich das "Juden-Quintett". Wie schon öfter gesagt, da wird die Disputierfreude, die Juden nunmal in besonderem Maße haben (und zwar intellektuell brillant) thematisiert.
      Ich habe diesmal wirklich genau hingehört, den Text verfolgt und konnte beim besten Willen keinen Antisemitismus erkennen. Auch wenn das immer wieder kolportiert wird (die Rede ist dann meistens von "latentem Antisemitismus"), muß es deswegen noch lange nicht richtig sein. Es handelt sich einfach um eine religiöse Auseinandersetzung. Genauso gut könnte man von "antichristlich" sprechen (Nazarener).
      Antisemitische Musik gibt es sowieso nicht.
      Und selbst wenn dem so sein sollte, frage ich mich, inwiefern diese Inszenierung da Erhellendes dazu beiträgt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()