Plácido Domingo in der Titelpartie am 9.07.2019

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    • Helena schrieb:

      Wir sind eine Gruppe und bei uns sind zwei Karten frei geworden. Auch einzeln zu kaufen. Gute Plätze zu einem vernünftigen Preis :P .
      Ein wenig Denksport am Sonntag morgen: Also Simon Boccanegra war einfach, da unter Baden-Baden gepostet. Dirigent Gergiev ebenso. :) Besetzung Tatjana Serjan (Amelia) und Ferruccio Furlanetto (Jacopo Fiesco) war schon schwieriger, da gut versteckt auf der Website der Festspiele. Roman Burdenko (Paolo Albiani) auf einer Site namens Presseportal gefunden. Offen bleibt die Frage nach der restlichen Besetzung und was ein vernünftiger Preis ist. :D
      War ganz nett, aber ich ziehe das Kreuz mit den Worten bei weitem vor:
      Besser spät als nie zur Besinnung
      Spoiler anzeigen
      Abendandacht

      PS: Es gibt übrigens noch je eine Einzelkarte zu 240 bzw. 290 €. Ob das ein vernünftiger Preis ist ...? Wenn er denn singt, werde ich PD für 30 € hören, allerdings 2x (26.3 +2.4. in HH)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Reingold ()

    • Für mich ist "Simon Boccanegra" das vielleicht dunkelste, grüblerischste Werk Verdis - eine gute und nahe liegende Kombination aus italienischer Musik und russischem Mariinsky-Ensemble. Denn das Orchester unter der hinsichtlich der Schlagtechnik zwischen Parodie und Parkinson schwankenden Leitung von Valery Gergiev spielte düster-bedrohlich, phasenweise stark an Tschaikowsky erinnernd. Hervorragende Solistengruppen (Bassklarinette, Hörner) fügten sich perfekt in das Klangbild ein, das gleichwohl immer auch etwas Luizides im Charakter besaß.

      Faszinierend - und nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn da eine aufregende Regie auf der Bühne zu sehen gewesen wäre. Doch Andrea de Rosa genügt ein bloßes Nacherzählen im eher puritanisch gehaltenen Bühnenbild, das die verworrene Handlung wenigstens nicht noch konfuser erscheinen lässt. Andererseits hätte man mit einer auf Effekt zielenden Inszenierung die beiden Titanen des Abends, Placido Domingo und Ferrucio Furlanetto, wohl gar nicht zum Auftritt gewinnen können. Insofern kann man die teils hilflosen Operngesten leichter als sonst ertragen.

      Im übrigen soll die obige Erwägung die Leistung der anderen Sänger nicht mindern: Roman Burdenkos kräftiger Bariton macht Paolo zu einem glaubwürdigen Intriganten, Tatjana Serjans Sopran ist eben typisch slawische Schule, sprich: eher gaumig. Auch wenn die Maria nicht ihre Visitenkarte sein dürfte, so überzeugt sie mit einem stimmigen Porträt, das vor allem in den vokalen Ausbrüchen ordentlich beeindruckt. Auch Otar Dzhordzhika als Gabriele besitzt einen frei fließenden Tenor, bei dem ich mir - siehe Serjan - ein hellerer Timbre gewünscht hätte, der aber der nichtsdestotrotz eine solide Leistung präsentiert.

      Höhepunkte des Abends waren jedoch die beiden Gegenspieler: Furlanetto besitzt einen rabenschwarz grundierten Bass, der wirklich Angst machen kann. Schade, dass der keinen Gurnemanz oder Marke singt, das wäre was. Vor allem im direkten Zusammentreffen mit Domingo bewirken 150 Jahre Lebensalter mehr als so manche szenische Hyperaktivität nur behaupten kann: Leidenschaft, Hass, Verachtung dominieren die Auseinandersetzung. Und Domingo selbst? Nun, er ist weit weniger kurzatmig als so mancher Tenor (Klaus Florian Vogt) und als ehemaliger Tenor auch nicht weniger plausibel besetzt als, sagen wir: Jonas Kaufmann als Lohengrin. Natürlich wirken einige Höhen nicht so imposant, aber allein das letzte "figlia" im Duett mit Serjan war derart berührend, dass man kurz davor stand, das Taschentuch zu zücken.

      Großer Applaus, Ovationen für Domingo. Vollkommen verdient.
    • War da und kann alles unterschreiben.
      Domingo ist nun mal nicht mehr das, was er einmal war, aber er hat immer noch sein wunderschönes Timbre; eine goldene Stimme und eine unglaubliche Bühnenpräsenz, die einen tief berührt.
      Von Furlanetto war ich doch am meisten beeindruckt; wie er es immer am Ende seiner Arien noch geschafft hat, die tiefen Töne so lang zu halten, war wirklich klasse. Ich hatte ihn zuvor im April in der Forza del destino in London gesehen/ gehört, wo er mir neben den Giganten Netrebko, Kaufmann und Tézier in der eher kleineren Rolle des Padre Giordano nicht besonders aufgefallen ist; für die Zukunft merke ich mir aber den Namen gut seit der gestrigen Veranstaltungen. In der Rolle des Fiesco konnte er seine Stimmkraft besser beweisen als in London; einen Gurnemanz von ihm fände ich auch klasse.
      Die Serjan war für mich von allen am schwächsten; viel zu viel Vibrato, sie war mir einfach nicht klar genug. Dass niemand (abgesehen von 2-3 Leuten) nach ihrer Arie "come in quest'ora bruna" geklatscht hat, war schon vielsagend