Forza del destino - Deutsche Oper

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • th.max schrieb:

      Erster Schritt: Offenlegung alles Kosten.
      Dann folgt die europaweite Ausschreibung. Wir planen eine Inszenierung Macht des Schicksals für den Zeitraum X Angebote an Deutsche Oper Berlin und letzen Endes werden auch die Leonoren, Alvaros und Carlose ausgeschrieben.
      und bald geht es nur noch um die Frage: wer macht des billiger.
      Nein danke.
      Das Theater und besonders die Oper lebte schon immer von den Darstellenden auf der Bühne, von dem Stück/ der Oper und von der Illusion und Imagination, im Gegensatz zur möglichst realistischen Darstellung im Film. Das Theater und die Oper leben darüber hinaus (wie auch das Konzert) vom Moment der Darstellung im Gegensatz zum Film mit der kontinuierlichen Reproduzierbarkeit des Gesehenen und sekundär des Gehörten. Deswegen kann die konzertante Aufführung einer Oper mit einem Minimum an sichtbaren Hilfsmitteln zu großartigen Vorstellungen führen.
      Will ich ein zahlendes Publikum polarisieren und aggressiv aufladen, ist das Fußballstadion sicher der bessere Platz , weil das Ergebnis des Spiels bis zum Ende offen bleibt.
    • Wenn wir vor allem in Deutschland bei vielen Opernaufführungen inzwischen befürchten müssen, dass wir das Stück nicht mehr erkennen oder aber Regisseure einen Opernsänger mit einem Schauspieler verwechseln und sich auf der Bühne so austoben, wie sie es im Sprechtheater nicht mehr dürften, dann ist vielleicht wirklich etwas faul daran, alles zu erlauben. Eine geschickte Dramaturgie an einem Haus wieder Deutschen Oper könnte vielleicht vermeiden, dass Experimente, wie z. B. "Aida" meiner Meinung nach völlig in die Hose gehen, weil die Grundidee nach etwa 45 Minuten einfach nicht mehr taugt. Ich liebe das Unerwartete und lasse mich gerne überraschen oder auch provozieren, aber es ist schlimm, wenn ich zwischen Videoprojektionen, irgendwelchen gesprochenen Texten und einer Art Dauerbelagerung einer austauschbaren Bühne die Solisten in dreckigen Alltagsklamotten nicht mehr erkenne und sich die gesangliche Leistung gerade auch in solchen Unsicherheiten über das meist doch stark eingeschränkte darstellerische Repertoire von Sängern - es sind nun mal keine Schauspieler - ausdrückt. Ich bin ein absolut seh- und hörerprobter Operngänger, ich freue mich noch immer über eine überzeugende musikalische Leistung und AUCH über eine gelungene Regie. Aber ein Spektakel auf der Bühne mit Gesang ist nicht das, wofür ich in ein Opernhaus gehe. Die johlenden Studenten, die über alles, was avantgardistisch aussieht, entzückt sind, sollten kein Maßstab sein. Meine Meinung natürlich auch nicht, aber ich schreibe wahrscheinlich im Sinne vieler. Diese Forza an der DOB habe ich von Vornherein ausgeschlossen, weil ich das Werk nicht mag und geahnt habe, wie es in etwa werden würde. Scheinbar ist es so gekommen, nicht weil ich Cassandra bin, sondern weil ein ausgedienter Regisseur berechenbar ist.
    • Waedliman schrieb:

      .... oder aber Regisseure einen Opernsänger mit einem Schauspieler verwechseln und sich auf der Bühne so austoben, wie sie es im Sprechtheater nicht mehr dürften, ...
      Sorry, war am 30.08.2019 in einer "Lear"-Premiere am Deutschen Theater (!), wo das Stück auch nicht annähernd aufgeführt wurde. Wir hörten Textfetzen, undeutlich und schreiend mit wechselnden Darstellern dargeboten, Kopulationen im Kranken- besser: Todesbett des Lear und sphärische Techno-Musik unter einer Windmühle. Nach satten 60 Minuten (gefühlten Jahren) sprang ein Herr im Ersten Rang auf und schrie, daß er eigentlich Shakespeare sehen wollte, daß die Darsteller nuscheln, schrien und untalentiert seien. Nach mattem Beifall einiger Leute wünschte er den Anwesenden noch viel Spaß beim Langweilen und ging. Ich war mir nicht sicher, ob das Teil der Inszenierung war. Hätte es aber nicht sein können, denn eine Inszenierung gab es nicht....
    • Waedliman schrieb:

      Scheinbar ist es so gekommen, nicht weil ich Cassandra bin, sondern weil ein ausgedienter Regisseur berechenbar ist.
      Dass ein Regisseur eine persönlichen Stil pflegt, ist doch völlig natürlich. Wenn dieser Ihnen nicht zusagt, ok.. Dass Sie daher seine Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen wollen, ok.. Ihn aber als "ausgedient" zu bezeichnen, halte ich für überheblich. :(
    • Zwischenrufer2 schrieb:

      Waedliman schrieb:

      Scheinbar ist es so gekommen, nicht weil ich Cassandra bin, sondern weil ein ausgedienter Regisseur berechenbar ist.
      Dass ein Regisseur eine persönlichen Stil pflegt, ist doch völlig natürlich. Wenn dieser Ihnen nicht zusagt, ok.. Dass Sie daher seine Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen wollen, ok.. Ihn aber als "ausgedient" zu bezeichnen, halte ich für überheblich. :(
      Scheinbar ist es so gekommen, nicht weil ich Cassandra bin, sondern weil ein ausgedienter Regisseur berechenbar ist.

      Zwischenrufer2 schrieb:

      Dass ein Regisseur eine persönlichen Stil pflegt, ist doch völlig natürlich. Wenn dieser Ihnen nicht zusagt, ok.. Dass Sie daher seine Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen wollen, ok.. Ihn aber als "ausgedient" zu bezeichnen, halte ich für überheblich. :(
      Ich bin nicht überheblich. Castorf hat sich reich gemacht mit seiner Attitüde des Revoluzzers. Glauben Sie ihm das etwa? Und finden sie es nicht auch durchschaubar? Bei Freyer gibts Clowns, bei Wilson kaum Bewegung, bei Fura dels baus davon übersatt und bei Castorf Überlänge, dramaturgische Überschneidungen und viel Wind. Wollen Sie das 30 Jahre immer wieder sehen? Ich nicht. Ein Ole Tandberg hat an der Deutschen Oper 3 Inszenierungen abgeliefert, schon die zweite hat Anleihen bei der ersten genommen, die dritte ist dann wiederum eine Melange aus 1 und 2. Wollen Sie davon noch ein paar? Das geht auch billiger.
    • Gast1 schrieb:

      Waedliman schrieb:

      .... oder aber Regisseure einen Opernsänger mit einem Schauspieler verwechseln und sich auf der Bühne so austoben, wie sie es im Sprechtheater nicht mehr dürften, ...
      Sorry, war am 30.08.2019 in einer "Lear"-Premiere am Deutschen Theater (!), wo das Stück auch nicht annähernd aufgeführt wurde. Wir hörten Textfetzen, undeutlich und schreiend mit wechselnden Darstellern dargeboten, Kopulationen im Kranken- besser: Todesbett des Lear und sphärische Techno-Musik unter einer Windmühle. Nach satten 60 Minuten (gefühlten Jahren) sprang ein Herr im Ersten Rang auf und schrie, daß er eigentlich Shakespeare sehen wollte, daß die Darsteller nuscheln, schrien und untalentiert seien. Nach mattem Beifall einiger Leute wünschte er den Anwesenden noch viel Spaß beim Langweilen und ging. Ich war mir nicht sicher, ob das Teil der Inszenierung war. Hätte es aber nicht sein können, denn eine Inszenierung gab es nicht....
      Das ist leider nicht selten. Man sitzt in der 10. Reihe eines Theaters und versteht die Darsteller nicht, weil sie zwar mit vollem Körpereinsatz arbeiten müssen, aber nicht wissen, wie man artikuliert spricht. Und es geht ja nicht darum, welche Version eines "Lear" man zu sehen bekommt - man muss den Text verstehen, sonst ist Theater sinnlos. Vielen fehlen eigene Ideen, also kopieren und improvisieren sie fleißig drauflos und verlassen sich auf die Darsteller und das Publikum, das Gekreische und nackte Haut für Kunst hält. Wieso waren eigentlich die alten Zadek- und Peymann-Darsteller so magisch? Warum waren Dene und Voss eine Bank für atemberaubendes Theater? Weil sie den Fokus auf Sprache hatten und damit ALLES machen konnten. Selbst sitzend auf einem Stuhl waren Monologe zum Weinen schön, spannend, witzig. Geht heute auch - aber die Ruhe fehlt, der Fokus auf dem Wort fehlt, Aktion überschattet alles. In der Oper manchmal eben auch.

      Beitrag von Reingold ()

      Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
    • th.max schrieb:

      Erster Schritt: Offenlegung alles Kosten.
      Dann folgt die europaweite Ausschreibung. Wir planen eine Inszenierung Macht des Schicksals für den Zeitraum X Angebote an Deutsche Oper Berlin und letzen Endes werden auch die Leonoren, Alvaros und Carlose ausgeschrieben.
      und bald geht es nur noch um die Frage: wer macht des billiger.
      Nein danke.
      Fussballfans, mit der Neigung zu Verschwörungstheorien, würden daraus jetzt möglicherweise eine Apologie des Obskurantismus herauslesen. Je weniger man weiß, je weniger Transparenz besteht, umso besser. Dabei hat doch schon Kant die Frage, was Aufklärung sei, wie folgt beantwortet: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
    • ich stelle mir ja eigentlich die Frage, ob die Aufführung wirklich so langweilig sein kann? Ich habe jetzt 3/4 vom Ring gesehen, den Faust in Stuttgart und das Totenhaus in München. Alle Produktionen fand ich sehr gelungen (Faust in Stuttgart am gelungensten), wobei sich natürlich die Bildsprache dieser Produktionen sehr ähnelt (Drehbühne mit Videoprojektionen der parallelen Handlungsstränge). Daher stelle ich mir jetzt schon die Frage, was jetzt in Berlin nicht funktioniert haben soll was in den anderen Produktionen so gut gepasst hat. Da hilft nur, selbst anschauen.
    • habe ich eigentlich nicht wirklich, ich habe ja nur auf meine Erfahrungen mit Castorf abgestellt. Als Opernregisseur ist er ja bisher nicht wirklich häufig in Erscheinung getreten und wenn dann haben seine Arbeiten nicht so provoziert wie seine langen Theaterabende an der Volksbühne. Wenn man zwischen den Zeilen der Kritiken liest (und auch der hier eingestellten Berichte), dann lautet der Hauptvorwurf ja diesmal, dass seine Produktion einfach langweilig sei und die Reaktion am Ende auf sein Erscheinen war ja nun auch nicht wirklich besonders negativ (kein Vergleich zu anderen Regiearbeiten an größeren Häuseren in den letzten Jahrzehnten). Die angebliche Provokation sorgte daher ja eher für Amüsement denn wirklich für eine schockierende Provokation (a la Bieito in Hannover oder der Neuenfels-Fledermaus in Salzburg, etc.....). Deswegen will ich eigentlich nur wissen, ob der Abend wirklich über weite Strecken so langweilig war wie er in den Kritiken geschildert wird? Nach meinen Erfahrungen mit Castorf wäre dies doch eher unwahrscheinlich.