Die Nase - Dmitri Schostakowitsch

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    • Die Nase - Dmitri Schostakowitsch

      Premiere B am 10.9.19

      Ich bin der festen Überzeugung, dass Schostakowitsch bei der Komposition dieser Oper unentwegt gegrient und gekichert hat. Die bitter-böse Groteske Gogols hat er kongenial vertont, und das Ergebnis wurde von Karin Beier ebenso grotesk, witzig und böse auf die Bühne gebracht. Ihre Personenführung hat aus allen Sängern Schauspieler gemacht, die sich nicht gescheut haben, ihrem Affen Zucker zu geben. Zu dem Erfolg haben aber auch die Choreographie von Altea Garrido (Sean Nederlof als Tanzende Nase verdient eine besondere Erwähnung) sowie das Bühnenbild (Stéphan Laimé) beigetragen. Die Drehbühne sorgte dafür, dass ohne Umbaupausen das Tempo hochgehalten werden konnte, anders wären 2 Vorspiele, 2 Zwischenspiele, 1 Intermezzo und 10 Bilder in 100 Minuten nicht zu schaffen gewesen. Die musikalische Seite traue ich mich nicht, detailliert zu beurteilen*: ich will mich nur insoweit aus dem Fenster lehnen, zu konstatieren, dass Kent Nagano den Laden gut zusammengehalten hat und natürlich Bo Skovhus eine hervorragende Leistung als Kowaljow geboten hat. Aber auch alle anderen Sänger fand ich sehr gut.
      Fazit: es hat mir ausgezeichnet gefallen!
      *Ich hoffe da auf den 2. Geharnischten und maestro. :whistling:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Reingold ()

    • Nach dem Besuch der gestrigen Vorstellung stimme ich Reingolds Bericht und den enthusiastischen Kritiken vollumfänglich zu. Man sollte diese Produktion nicht verpassen. Mir hat es sehr geholfen, dass ich mich mit Gogols Erzählung, der das Libretto phasenweise fast wörtlich folgt, gut eingelesen hatte, so dass ich mich auf das turbulente Geschehen im Graben und auf der Bühne ohne Ablenkung durch die Übertitel konzentrieren konnte.
      Eine perfekte Abrundung des sowieso schon gelungenen Abends bildete dann der „Absacker“, das neue Format der Staatsoper, bei dem diesmal Bo Skovhus äußerst sympathisch, offen, kompetent und schlagfertig auf teils sehr persönliche Fragen des Moderators und des Publikums antwortete.
    • Noch eine Ergänzung zum „Absacker“ mit Bo Skovhus.
      Ich war sehr erstaunt, wie freimütig er auf einige relativ persönliche Fragen aus dem Publikum geantwortet hat.
      Große Heiterkeit erzielte er mit der Antwort auf die Frage, ob er sich in Hamburg oder Wien wohler fühlt. Als Däne sei er den Nordlichtern eher verbunden, er mag deren geradlinige und direkte Art, im Gegensatz zu ... und da folgten ein paar sehr lustige und direkte Seitenhiebe auf die etwas andere Art der Wiener.
      Er liebt Meeses Kunst, das führt er darauf zurück, dass seine Mutter Kunsthändlerin war, er deshalb von klein an mit moderner Kunst aufgewachsen und noch immer davon umgeben ist, und dass „die alten Leutchen“ (84 und 87) zum Erstaunen ihrer Besucher noch immer inmitten avantgardistischer Kunst leben.
      Als seine bevorzugten Regisseure nannte er Guth, Herheim und Konwitschny, der Dirigent, der ihn am meisten beeindruckt hat, war Harnoncourt, mit dem er Mozart gemacht hat. Schlimm seien für ihn die Dirigenten, die es nicht interessiert, „was wir oben auf der Bühne machen“, die sich nur auf das Orchester konzentrieren. Da würden dann eigentlich die Suggeritori die Aufführung für die Sänger retten.
      Am schwierigsten zu lernen sind für ihn die zeitgenössischen Werke, für die er aber immer wieder angefragt wird. Karl V sei eine Mörderpartie für ihn gewesen, und am schwierigsten zu verinnerlichen Bérénice, aber da hätte ihm ein Korrepetitor gesagt, er solle sich keine Gedanken machen, wenn er mal falsch singen sollte, würde das eh keiner merken :D .
      Auf die Frage, wie er sich fit hält, erzählte er, dass wegen einer Knieoperation regelmäßiges Fitnesstraining für ihn unerlässlich ist.
      Man sah ihm an, dass er nach der anstrengenden Partie müde und abgekämpft war, trotzdem aber noch zu Scherzen aufgelegt, und hinterher gab er noch geduldig Autogramme. Bewundernswert und überaus sympathisch.
    • Gestern ging die 4. Vorstellung über die Bühne. Ich kann Reingold und karomedica nur zustimmen: eine absolut sehenswerte Produktion. Eine große Koordinationsaufgabe für Kent Nagano, hervorragend gemeistert, angesichts der Vielzahl der Rollen fällt es schwer, über einzelne Sänger etwas zu sagen, wenngleich Bo Skovhus herausragende Leistung in der Hauptrolle festzuhalten ist. Also: wer es einrichten kann - unbedingt hingehen. Kurzweiliger Abend garantiert.