WA "Die Frau ohne Schatten" (3.10.2019)

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    • WA "Die Frau ohne Schatten" (3.10.2019)

      Beim Verlassen des Nationaltheaters Mannheim habe ich mich gefragt, warum ich die meisten "Frösche" an großen Häusern, fast nie an mittelgroßen wie Mannheim gesehen bzw. gehört habe. An den "Tristan" oder die "Salome" wagen sich ja auch weit kleinere Häuser, mit oft achtbarem Erfolg. Die Ursache liegt, denke ich mal, darin begründet, dass man auf fünf wirklich exzellente Sänger zurückgreifen muss - und die hat man in Zeiten verkleinerter Ensembles eben immer weniger. Sicher, eine Amme oder ein Barak findet sich, aber sonst? Kurzum: Eine Frosch sprengt das Budget, wenn man keine sorgfältige Ensemblepflege betreibt. Mannheim tut dies glücklicherweise noch.....

      Die Produktion ist mittlerweile 13 Jahre alt und wurde die letzten Jahre nicht mehr gespielt. Schade, denn die Regie von Gregor Horres ist ordentlich. Man kann sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, aus Barak ein Ebenbild von Hugo von Hofmannsthal zu machen (der Kontrast hohes/niedriges Paar geht ein wenig flöten), aber den Färber hier als einen sich in einer tiefen Schaffenskrise befindenden Schriftsteller zu machen, dessen Frau zunehmend gereizt wird, ist nicht weniger plausibel. Ansonsten dominierte bei der geschickt genutzten Drehbühne eher die Reduktion als die Abstraktion ins Symbolhafte.

      Andreas Hermann war nie mein Fall, aber wie er den Kaiser bewältigt, das nötigt Respekt ab: diese verteufelt anspruchsvollen Aufschwünge ("rankte ein Weib") meistert er souverän, auch wenn die Stimme manchmal etwas gequetscht klingt. Darstellerisch merkte man Hermann das Rollendebüt an, aber ich bin sicher, dass er in den Folgevorstellungen etwas freier agieren wird. Julia Faylenbogens Amme klingt frisch und an manchen Stellen etwas dezenter als gewohnt. Singt sie Legatobögen, kommt ihr Mezzo wunderbar zur Geltung, bei schnelleren Textpassagen läuft die Stimme ein wenig Gefahr, aus dem Fokus zu rutschen - kein Beinbruch. Thomas Jesatko sang schon in der Premierenserie den Barak - und damals gefiel er mir besser. Wie stets enorm textverständlich, klingt sein Bariton dennoch etwas zu wenig balsamisch. Da hätte mich schon interessiert, ob der kraftvolle Geisterbote von Joachim Goltz nicht eine Alternative wäre.... Miriam Clarks Kaiserin kämpft an den dramatischeren Stellen mit der Größe des Orchesters - Bellini ist eben nicht Strauss. So muss sie an genannten Passagen die Mittellage arg verbreitern, was ihrem Timbre doch etwas die Süße raubt. In ihrer Auftrittsarie ("Ist mein Liebster dahin") und am Ende ("Vater, bist du's") kann sie jedoch glänzen. Der einzige Gast war Catherine Foster, die etwas verhalten begann, sich aber im zweiten Akt beängstigend gut steigerte - ihr Hassausbruch gegenüber ihrem Mann drückte einen förmlich in den Stuhl. Dabei klang sie zu keinem Zeitpunkt hochdramatisch-tremolierend, sondern stets verletzlich. Einzig bei ihrer kurzen Sprechszene ("Ab morgen schlafen..") hatte sie einen Hänger, aber was soll's?

      Wirklich und ohne Einschränkung toll das Orchester unter der Leitung des GMDs Alexander Soddy. Mit Ausnahme von Wiesbaden hat mir kein Haus in der Vergangenheit so oft schlampige Dirigate serviert. Nix davon war zu hören - ein wahrer Wohlklang, der stets sängerfreundlich war. Kein Wunder, dass die Sänger (es handelte sich fast durchgängig um Rollendebüts) herzlich Dankbarkeit bekundeten. Das habe ich unter Ettingers Ägide so nie erlebt.

      Wer kann, sollte sich diese Produktion nicht entgehen lassen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von RagnarDanneskjoeld ()