Henze "The Bassarids" Komische Oper Berlin

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Henze "The Bassarids" Komische Oper Berlin

      In der Inszenierung von Barrie Kosky feierten gestern die "Bassariden" umjubelte Premiere. Mit Recht, so hat mich in letzter Zeit keine Premiere an der Komischen Oper berührt.
      Auffällig der große Orchesterapparat. Gerade mal die Streicher passen in den Graben, die Bläser sind auf der Bühne postiert, links und rechts der Treppe, auf der das Geschehen spielt, einzelne Instrumente sind auch im Zuschauerraum verteilt, so daß bei der durchgehend bombastischen Musik ein 3-D-Effekt entsteht. Auch der Chor singt schon mal im Rangfoyer hinter dem 2.Rang.
      Was Vladimir Jurowski hier mit Chor und Orchester der Komischen Oper vollbringt, verdient allerhöchste Beachtung: das Orchester zeigt alle Bandbreiten der Partitur, mal kraftvoll, mal sensibel, immer hochflexibel. So hat man wohl dieses Orchester lange nicht mehr gehört.
      Die Inszenierung Koskys versagt sich diesmal auffälligen Aktualisierungen - das macht sie noch eindrucksvoller! Es geht ja um menschliche Manipulation, Machtmißbrauch, Ausnutzung von Menschenmassen - alles Themen, die eigentlich dazu einladen, zu "aktualisieren" - hier bleibt der Blick frei auf menschliches Verhalten, das in sehr akkurater Personenführung nachvollziehbar gestaltet ist. Besonders die Inszenierung der Chorszenen verdient - wie der Chor selbst - höchstes Lob.
      Das Solistenensemble - ein Ensemble eben - hervorragend: als Dionysos Sean Panikkar, der diese Rolle bereits in Salzburg gegeben hat - charismatisch und überzeugend, besonders szenisch, Günter Papendell - ein Pentheus, der die Widersprüche des Handelns nachvollziehbar macht. Wie immer bei ihm, fehlte mir bei ihm ein kleines Stück zur überzeugenden sängerischen Präsenz, was aber an diesem Abend nicht störte. Herauszuheben ist noch Tanja Ariane Baumgartner als hochdramatische Agave, deren Darstellung - sängerisch und schauspielerisch - die Zuschauer wirklich auf die Sesselkante trieb. Der Rest, Jens Larsen als Cadmus, Tom Erik Lie als Hauptmann ..... gut bis solide.
      Da die "Bassarids" sicher trotz einer Wiederbelebung auf den Bühnen nicht allzu oft gegeben werden dürften, kann ich das Stück und die Produktion nur Empfehlen. Chor und Orchester sind ein Ereignis, das lange nachwirkt - besonders nach 2,5 Stunden "high voltage" ohne Pause.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gast1 ()