Ballo DOB

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    • Eine Perle im Repertoire der DOB ist nach wie vor Götz Friedrichs Inszenierung von Ballo in maschera. Auch 23 Jahre nach der Premiere und nach mehrmaligem Sehen erfreut mich diese Produktion immer wieder aufs Neue. Die gestrige Wiederaufnahme lockte dann auch mit einer sehr vielversprechenden Sängerbesetzung. Die kanadische Sopranistin Adrianne Pieczonka sang ihre erste Amelia auf dem europäischen Kontinent, und konnte vollends überzeugen. Ihre im Grunde genommen stets lyrisch gebliebene Stimme, mit leuchtend sicherer Höhe, bruchloser Mittellage und vorbildlicher Phrasierung waren eine Freude. Ähnlich ins Schwärmen gerate ich bei ihrem Landsmann Etienne Dupuis, der sein Rollendebüt als Renato gab. Das war auf Anhieb perfekt. Wunderbares Timbre, tolle Gestaltung mit vielen lyrischen Zwischentönen aber eben auch dem erforderlichen Drive vor allem bei "Eri tu". Ganz große Klasse! Er dürfte in dieser Partie heute konkurrenzlos sein, und es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis seine ganz große Weltkarriere beginnt. Eine Entdeckung auch die junge Judit Kutasi als Ulrica, die ihre Riesenstimme sicher über alle Höhen und Tiefen der vertrackten Partie schiffte und die auch sehr zu differenzieren wusste. Das kann man von Jorge de León als Gustafo leider nicht sagen. Das von Natur aus schöne Material wird technisch falsch eingesetzt, es mündet alles in einem Einheitsforte, eine Gesangslinie vermisst man. Ärgerlich auch die stets distonierende Elena Tsagallova als Oscar.
      Wegen Pieczonka und Dupuis empfehle ich unbedingt den Besuch der kommenden beiden Aufführungen.
    • Mandryka schrieb:

      Er dürfte in dieser Partie heute konkurrenzlos sein
      Ich kenne zwar den Renato von Etienne Dupuis nicht. Aber daß er in dieser Partie heute konkurrenzlos ist.....
      Dmitri Hvorovstovsky dürfte zumindest eine absolut ernstzunehmende Konkurrenz sein. Habe ihn erst kürzlich in einer Rundfunkübertragung aus Wien gehört. Wahnsinn. Da brauche ich überhaupt keine Bühne dazu.
    • 06.05.2018

      Zu Beginn der Verdi-Tage 2018 gab es gestern "Un Ballo in Maschera" vor fast ausverkauftem Haus. Umjubelter Star des Abends war Anja Harteros als Amelia, die allerdings erst im Laufe des Abends auf Betriebstemperatur gekommen war. Zu Beginn klang ihre Stimme ungewohnt hart. Dann jedoch gab es die gewohnte Harteros zu hören. Ebenfalls umjubelt wurde Luca Salsi als Renato. Er hat mir zwar in dieser Rolle besser gefallen als in München und Mailand als Gérard, allerdings ging seinem Vortrag jegliche Noblesse ab. Punkten konnte er sicher mit seinem imposanten Material und seiner Bühnenpersönlichkeit, weniger schön waren allerdings manche Ungenauigkeiten in der Intonation. In Dmytro Popov stand ein sehr ordentlicher und zuverlässiger Gustavo zur Verfügung. Ebenfalls erfreulich waren Judit Kutasi als Ulrica und Heidi Stober als Oscar. In den Nebenrollen gab es Luxus-Besetzungen wie Derek Welton als Graf Ribbing. Aufgefallen ist mir ferner Dean Murphy als Seemann. Donald Runnicles musste sich einige Buh-Rufe anhören. Mir persönlich waren die Tempi mal zu gehetzt, mal zu schleppend. Auffallend waren allerdings diverse Ungenauigkeiten im Orchester sowie Differenzen zwischen Orchester und Bühne. Nach dem grandiosen Philharmoniker-Konzert unter Paavo Järvi am Samstag war das leider ein gewaltiger Abfall.
    • ich hätte ja relativ viel drauf gesetzt, dass Harteros die Ballo-Serie absagt; die Amelia ist jetzt nicht unbedingt ihre stärkste Partie, in den letzten Wochen war sie im Einsatz in Partien, die mit der Amelia nicht wirklich zu vergleichen sind (Tosca in Salzburg und Hamburg, Maddalena in Wien), nach Ballo und Carlo (die Elisabetta ist bekanntlich eine ihrer Lieblingsrollen) stehen sofort wieder Arabella in München und Lohengrin-Proben in Bayreuth an. Vielleicht auch etwas viel derzeit (wobei kein Harteros-Abend je zuviel ist;-))?
    • Harteros hat scheinbar nicht geprobt und konnte sich in der Inszenierung nicht wirklich zurechtfinden. Ich glaube, dass sie auch deshalb ein wenig unbeteiligt wirkte, auch wenn sie das mit großer Routine irgendwie hat wettmachen können. Für mich blieb aber - trotz aller Phrasierungskunst - eine Stimme, die eigentlich aus mindestens zwei verschiedenen besteht, denn ab der unteren Mittellage klingt sie wie zugeschnürt.