Landestheater Salzburg / Felsenreitschule

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    • Ich bin gestern sehr zufrieden aus der Felsenreitschule gegangen. Mein letzter Wagner vom Landestheater endete nach dem ersten Akt Tristan und Isolde im Haus für Mozart, da dieser eine einzige Überforderung der Titelpartien offenbarte. Gestern beim Lohengrin war ich mit beiden Protagonisten sehr zufrieden.
      Benjamin Bruns gab für mich einen perfekten Lohengrin. Wunderbar lyrisch und dennoch präsent ohne das es nach Kopfstimme oder künstlich reduzierter Stimme klang. Herrlich frei und unaufdringlich kraftvoll strahlend in nahezu jeder Stimmlage. Für mich eine ganz große Leistung und ich könnte mich zwischen ihm und Beczala als Lohengrin gar nicht richtig entscheiden, obwohl beide sehr unterschiedlich singen. Kurzum: er gehört für mich seit gestern zur ersten Liga für diese Rolle.
      Jaquelyn Wagner als Elsa steht ihm da nur leicht nach. Die lyrischen Passagen der Partie gelingen restlos überzeugend. "Euch Lüften, die mein Klagen..." habe ich so schön bereits sehr lange nicht mehr gehört. Die Stimme klingt in solchen Passagen für meinen Geschmack nach meinem Ideal für diese Rolle. In den dramatischeren Lagen, reduziert sich der Klang der Stimme dann leider in der Felsenreitschule. Die Stimme wird dabei nicht schrill, sondern bleibt sauber geführt, aber so richt aufblühen tut sie eben auch nicht. Dennoch eine tolle Interpretation der Rolle. Zudem war sie auch die einzige Sängerin des Abends, die eine Durchdringung der Partie verkörperte. Da war eine Zeichnung der Elsa zu sehen, die einen betroffen macht und mitnimmt auf die Reise zur Ausleuchtung von Wünschen, Bangen und Schuld der Figur. Sie bildet im gesamten dritten Akt das Zentrum der Aufführung, in dem sie teilweise einfach nur dasteht und mit ihren Blicken alles ausdrückt, was die Figur erahnt, befürchtet und erkennt. Still und klein im Ausdruck sagt sie mehr als tausend Worte oder übergroß agierende Kolleginnen.
      Das ist das Stichwort für Miina-Liisa Värelä. Sie zeigt eine Karikatur der Ortrud, die keinen Charakter erkennen lässt, sondern einen Typus plakativ darstellt. Jede Aktion und jede Bewegung werden mit extra viel Verachtung oder List ausgeführt, so dass mir zu viel wurde. Im Spiel wäre weniger hier eindeutig mehr gewesen, stimmlich hätte ich mir hingegen mehr gewünscht. Sie ist eine tolle Sängerin und die Färberin in Linz fand ich sehr gut, allerdings liegt die Stimme für die Ortrud zu hoch. Da ist vieles zu hören, was Kolleginnen teilweise nicht liefern können, aber zu vieles in der Tiefe fehlt wiederum auch. Zudem hatte sie mit dem riesigen Bühnenraum volumentechnisch wohl am meisten zu kämpfen.
      Zur Inszenierung kann ich nicht viel sagen. Das Bühnenbild hat mich zu Beginn sehr begeistert, aber es fehlt ein durchgängiges Konzept. Irgendwann nimmt man den Flieger gar nicht mehr wahr, sondern sieht ihn als Spielfläche im Hintergrund für recht konventionelle Personenregie und einige Mätzchen, die eher bemüht wirken. Wahrlich keine Regiearbeit, die einen geistig beschäftigt, da sie zu uneinheitlich und zu banal in der Ausübung wirkt, als dass man auch nur darüber nachdenken möchte, ob der Regisseur sich dabei etwas gedacht hat. Ich habe den Abend dennoch genossen und kann einen Besuch sehr empfehlen. Sitzplätze würde ich auf der linken Seite empfehlen, denn dort ganz ganz ganz links (und das ist in der Felsenreitschule seeehr weit außen) singen Lohengrin und Elsa die meiste Zeit. Für mich ein großer Erfolg für das Landestheater.
    • Bei der Kritik unterschiedlich aufgenommen:

      Abgestürzt ins Heil
      Die heidnische Priesterin steckt die christlichen Frommen und Frömmler
      locker in den Sack. Wenn es Sieger gibt in der tieftraurigen ur-deutschen Märchen-Tragödie Lohengrin, dann die diabolische Seherin Ortrud - und alle Ausführenden in der stupend gelungenen Neuproduktion des Landestheaters.
      drehpunktkultur.at/index.php/a…3616-abgestuerzt-ins-heil

      Ein zweischneidiges Ritterschwert
      krone.at/2035271

      Der Gralsritter als Bruchpilot BezahlartikelDas Landestheater zieht mit seiner jüngsten Opernproduktion in die Felsenreitschule, um sich an Wagner zu wagen: „Lohengrin“ stürzt im Festspielbezirk ab.
      diepresse.com/5716683/lohengri…ralsritter-als-bruchpilot