Carmen

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    • Michael schrieb:

      Eine Kritik zur neuen Kölner Inszenierung von Carmen:

      rp-online.de/kultur/kritik-car…koelner-oper_aid-47109271

      Eine weitere positive Kritik gibt es Online im Kölner Stadtanzeiger - allerdings als Bezahlartikel.
      Die Kritik auf rp-online liest sich, als hätte eine Praktikantin ihre erste Oper gesehen. Ich freue mich sehr, dass es ihr gefallen hat, das liest sich aber alles überhaupt nicht originell, denn sowohl Wohnwagenidyllen als auch eine Carmen, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt (was für ein Klischee), sind bemüht gängige Bilder.
    • Waedliman schrieb:

      Michael schrieb:

      Eine Kritik zur neuen Kölner Inszenierung von Carmen:

      rp-online.de/kultur/kritik-car…koelner-oper_aid-47109271

      Eine weitere positive Kritik gibt es Online im Kölner Stadtanzeiger - allerdings als Bezahlartikel.
      Die Kritik auf rp-online liest sich, als hätte eine Praktikantin ihre erste Oper gesehen. Ich freue mich sehr, dass es ihr gefallen hat, das liest sich aber alles überhaupt nicht originell, denn sowohl Wohnwagenidyllen als auch eine Carmen, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt (was für ein Klischee), sind bemüht gängige Bilder.
      Okay - das mag sein. Aber die Kritik im Stadtanzeiger von Markus Schwering ist ebenfalls sehr positiv, und der ist mitnichten ein Praktikant. Er nennt die Aufführung gar einen Höhepunkt der Saison. Weiter kann ich noch nichts dazu sagen, da ich mir selbst ein eigenes Bild erst im Januar machen werde.
    • Waedliman schrieb:

      als auch eine Carmen, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt (was für ein Klischee), sind bemüht gängige Bilder.
      Es geht doch nicht darum, dass Carmen ihr Leben selbst bestimmen will, das ist unumstritten, sondern darum, ob sie, wie in der Kölner Inszenierung, Selbstmord begeht, weil ein Exliebhaber Besitzansprüche anmeldet, obwohl sie frisch verliebt in einen anderen ist. Vielleicht macht man das natürlich als Partesanin in Francos Spanien.
    • Zwischenrufer2 schrieb:

      Waedliman schrieb:

      als auch eine Carmen, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt (was für ein Klischee), sind bemüht gängige Bilder.
      Es geht doch nicht darum, dass Carmen ihr Leben selbst bestimmen will, das ist unumstritten, sondern darum, ob sie, wie in der Kölner Inszenierung, Selbstmord begeht, weil ein Exliebhaber Besitzansprüche anmeldet, obwohl sie frisch verliebt in einen anderen ist. Vielleicht macht man das natürlich als Partesanin in Francos Spanien.
      Carmen geht auch in der Originalidee bewusst in Josés Messer. Sie weiß genau, dass sie ihrem Schicksal nicht entgehen kann, denn das sagen ihr bereits die Karten. Somit ist es völlig egal, ob sie sich selbst ersticht oder erstochen wird. Die Provokationen, die sie José entgegenschleudert, haben nur den Zweck, ihr Schicksal zu besiegeln. Ich halte es lediglich für eine kleine Abweichung in der Inszenierung, nicht aber in der Interpretation der Figur. Eine Ariadne, wie in Neuenfels´ Inszenierung in Berlin, die tatsächlich ihren Tod will und sich vor den Augen Bacchus` ersticht, ergibt sogar einen Sinn aus dem Text im Vorspiel heraus. Das ist klug gelesen und neu gedeutet. Im Gegensatz zu dieser Carmen-Petitesse ;)
    • So ist es. Und eben nicht so, daß Carmen Selbstmord begeht, das nenne ich Thema verfehlt.
      Ihre Freiheit geht ihr über alles. Und so nimmt sie quasi auch billigend in Kauf, daß José sie umbringt.

      "Non, je sais bien que c'est l'heure,
      je sais bien que tu me tueras ;
      mais que je vive ou que je meure,
      non, non, je ne te céderai pas !"

      Das ist aber noch lange kein Selbstmord. Wenn dem so wäre, würde ja der Schluß keinen Sinn mehr machen:

      JOSÉ
      Vous pouvez m'arrêter.
      C'est moi qui l'ai tuée !
      Ah ! Carmen ! ma Carmen adorée !
    • Danke, Festspielgast! Bin heute etwas später dran mit dem Zeitunglesen und habe den Artikel von Reinhard J. Brembeck gerade erst entdeckt.
      Er ist mit Carmens Selbstmord auch nicht ganz einverstanden, wie schon die Überschrift in der Print-Ausgabe aussagt. Auch, wenn er eine Erklärung dafür hat:

      Diese Frau ist ein Ärgernis
      Lydia Steiner inszeniert Georges Bizets Oper "Carmen". Aber warum muß die erotische Titelheldin Selbstmord begehen?
    • ira schrieb:

      So ist es. Und eben nicht so, daß Carmen Selbstmord begeht, das nenne ich Thema verfehlt.
      Ihre Freiheit geht ihr über alles. Und so nimmt sie quasi auch billigend in Kauf, daß José sie umbringt.

      "Non, je sais bien que c'est l'heure,
      je sais bien que tu me tueras ;
      mais que je vive ou que je meure,
      non, non, je ne te céderai pas !"

      Das ist aber noch lange kein Selbstmord. Wenn dem so wäre, würde ja der Schluß keinen Sinn mehr machen:

      JOSÉ
      Vous pouvez m'arrêter.
      C'est moi qui l'ai tuée !
      Ah ! Carmen ! ma Carmen adorée !
      Na ja... Wenn ich jemandem drohe und dabei ein Messer so halte, dass derjenige sich hineinstürzen kann, ist das zumindest fahrlässige Tötung - oder was sagen die Forumsjuristen dazu?
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Asteria schrieb:

      Na ja... Wenn ich jemandem drohe und dabei ein Messer so halte, dass derjenige sich hineinstürzen kann, ist das zumindest fahrlässige Tötung - oder was sagen die Forumsjuristen dazu?
      Es geht hier ja um die Oper. Also ist das Opernlibretto relevant.
      Und darin heißt es in der Regieanweisung:

      "José zieht seinen Dolch und stürzt auf Carmen los......... Und stößt ihr den Dolch in die Brust. Sie sinkt nieder und strirbt."

      Das ist eindeutig Mord, keine fahrlässige Tötung und schon gleich gar nicht Selbstmord. Letzterer ist einzig die Idee der Regisseurin. Aber es ist ja mitterweile unter Regisseuren schick, das was im Libretto steht, einfach mal so außen vor zu lassen.
    • ira schrieb:

      Er ist mit Carmens Selbstmord auch nicht ganz einverstanden, wie schon die Überschrift in der Print-Ausgabe aussagt.
      Ich bin wieder mal überrascht, wie Sie in der Lage sind, einen Text falsch zu verstehen. Brembeck macht eindeutig klar, dass er den Selbstmord Carmens in dieser Inszenierung für sehr schlüssig hält:

      "Carmen darf bei Lydia Steier nicht das Opfer sein, das sie gerne wäre. Niemand wird sie zu Tode lieben. Selbst der Torero nicht, mit dem sie sich zuletzt eingelassen hat. Der hat schon zuvor die höfischen, so ganz und gar nicht tödlichen Regeln seines Begehrens formuliert. So ist der ungelenke José der einzige, der Carmens Liebestodessehnsucht erfüllen könnte. Doch selbst dazu ist der Mann zu ungelenk und versagt Carmen ihren dunkelsten Wunsch. Also muss sie zuletzt selber Hand an sich legen."

      Wenn man das gelesen, und verstanden hat, ist klar, dass die Frage in der Überschrift keine rhetorische, sondern eine offene Frage ist, die in der Rezension dann beantwortet wird.
    • Friedrich schrieb:

      Wenn man das gelesen, und verstanden hat, ist klar, dass die Frage in der Überschrift keine rhetorische, sondern eine offene Frage ist, die in der Rezension dann beantwortet wird.
      Die Frage ist halt, ob es was mit Bizets Carmen zu tun hat. An Tristan'sche 'Liebestodessehnsucht' musst ich bei der Oper noch selten denken, um nicht zu sagen: noch nie.
      Man kann durchaus plausibel annehmen, dass Carmen dunkel ahnt, dass es mit ihr mal bös enden wird, das ist aber etwas anderes als Todessehnsucht.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde

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    • Friedrich schrieb:

      Ich bin wieder mal überrascht, wie Sie in der Lage sind, einen Text falsch zu verstehen.
      Das gebe ich gerne zurück. Brembeck läßt durch nichts erkennen, daß er das Ende für schlüssig hält. Wie ich oben bereits geschrieben habe, erklärt er den Selbstmord (der wie bereits erwähnt, völlig dem Libretto widerspricht) aus der Inszenierung heraus, indem er einfach nachvollzieht, was sich die Regisseurin gedacht hat. Und das ist ja wohl nicht allzu schwer.