Benjamin Bernheim

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    • Benjamin Bernheim

      Ein das Deckblatt des Feuilletons ausfüllender Artikel über Benjamin Bernheim erscheint heute in der Wochenend-SZ.

      Reinhard J. Brembeck ist begeistert und titelt in der Print-Ausgabe:

      Klang der Stunde
      Der französische Sänger Benjamin Bernheim hat die schönste Tenorstimme seit Luciano Pavarotti und ist Vorreiter eines neuen Verständnisses von Opernkunst. Eine Begegnung in der Garderobe der Bayerischen Staatsoper

      sueddeutsche.de/kultur/bejamin…-tenor-portraet-1.4683273
    • Letzte Woche habe ich BB als Duca gehört.
      Ganz kann ich in die Euphorie nicht einstimmen.
      Die Stimme ist wunderbar, leicht, farbenreich, sicher und präzise geführt.(Vergleiche mt Pavarotti werden beiden nicht gerecht !!!) Was völlig fehlt, ist der Biss", den man dem Verführer nicht absprechen sollte. Dazu muss der arme Kerl auch noch diese schreckliche Strickjacke tragen. An sich schon kein Verführer-Typ, ist die Rollenpräsentation doch mindesens "seltsam", ungeachtet der Un-Inszenierung.

      Gern würde ich ihn als Werther hören, oder auch als Des Gruieux (Massenet), bestimmt auch Lenski. Alfredo ist das Äußerste an Verdi, dann viel eher Mozart!

      Dass BB älter als 34 ausschaut, ist eine merkwürdige Feststellung. Ich fand, er sieht noch jünger und sehr unscheinbar aus. Beim kurzen Gespräch am Bühnentürl war er sehr freundlich; dankbar für das Mitleid wegen des Kostüms. An der Ausstrahlung und somit Bühnenpräsenz kann noch gearbeitet werden.

      Jedenalls hat er hervorragendes Potential mit Entwicklungsmöglichkeiten, die er bestimmt klug nutzen wird, wenn er den Hype nicht zu ernst nimmt.
    • elsa schrieb:

      Gern würde ich ihn als Werther hören
      Eine Kostprobe vom Festkonzert der Wiener Staatsoper (aus dem Hotel Bristol):

      youtube.com/watch?v=YSIzY8O8Uqk

      Und zum Vergleich eine etwas ältere Aufnahme mit Jonas Kaufmann:

      youtube.com/watch?v=PzKhikZ4oVE

      Das ist nun wirklich eine Geschmacksfrage. Für mich ist der Fall klar. Mir ist grundsätzlich ein dunkleres Timbre lieber, und - ich gestehe, das ist ein Dauerproblem bei mir - Bernheim hat mir zu viel Vibrato. Außerdem gefällt mir die verhaltenere Art von Kaufmann besser (schließlich ist Werthert ja gerade erst aufgewacht ;) ).
    • ira schrieb:

      Eine Kostprobe vom Festkonzert der Wiener Staatsoper (aus dem Hotel Bristol):

      youtube.com/watch?v=YSIzY8O8Uqk

      Und zum Vergleich eine etwas ältere Aufnahme mit Jonas Kaufmann:

      youtube.com/watch?v=PzKhikZ4oVE
      Die beiden Kostproben kann man schlecht fair vergleichen, obwohl schön sich beide anzuhören.

      BB singt draußen mit Micro, sehr weit vom Dirigenten entfernt und als einzelne Arie (ist also gar nicht so in Stimmung) und K drinnen und mitten in der Oper. Hilft auch nicht, daß das Orchester bei BB (minimal am Anfang ) schleppt. Kann sehr behindernd sein, wenn man flexibel, wie im Traum, singen will.
      Ich finde aber hier hat BB null Austrahlung (ist auch schwierig in dieser Situation und wahrscheinlich irrelevant, da zu weit weg von Zuschauern). K bessere Ausstrahlung für meinen Geschmack, wenn man sich darauf einlässt, daß er ein älterer Werther ist.
      Aber interressant, was ja BB in dem SZ Interview ansprach, wie K gerade das reveiller zu 1:20 eher anstemmt und BB versucht, es eher mit voix mixte. Ich kenne nun aber wieder einige, die voix mixte als Pfuschen bezeichnen....so sind die Dinge verschieden.

      Hier BB mit derswelben Arie, aber viel mehr Atmosphäre....gefällt mir sehr !



      link funktioniert nicht - kopieren bitte
    • Goldschmied schrieb:

      Ich finde aber hier hat BB null Austrahlung (ist auch schwierig in dieser Situation und wahrscheinlich irrelevant, da zu weit weg von Zuschauern).
      Da haben Sie völlig recht, aber natürlich ist es ein Unterschied, wie Sie schon sagen, ob man das auf der Opernbühne singt oder unter solch ungünstigen Umständen.
      Aber auch wenn man das alles in Betracht zieht, fehlt es m.E. doch sehr stark am Ausdruck. Bei Ihrem Link ist das besser (funktioniert auch bei mir).

      Trotzdem ziehe ich Piotr Bezcala vor (nebenbei: Bertrand de Billy ist auch ein sehr einfühlsamer Dirigent). Sehr viel Ausdruck:

      youtube.com/watch?v=fotQfZPuvAY
    • Goldschmied schrieb:

      Aber interressant, was ja BB in dem SZ Interview ansprach, wie K gerade das reveiller zu 1:20 eher anstemmt und BB versucht, es eher mit voix mixte. Ich kenne nun aber wieder einige, die voix mixte als Pfuschen bezeichnen
      Ich kann da keine voix mixte raushören. BB singt eben eher mezzopiano als JK, der fortissimo singt. Lautstärke hat erst mal wenig mit der Gesangstechnik zu tun, auch wenn das eine das andere auf gewisse Weise bedingt.
      Und en passant: wer die voix mixte pauschal als "Pfuscherei" abkanzelt, hat sich wohl noch nie mit der Oper des französischen Barock oder der französischen Klassik beschäftigt, wo die voix mixte ein zentraler Aspekt einer speziellen Stimmgattung (Haute-contre) ist. Vor dem Guillaume Tell war es üblich, dieses mittlerweile sagenumwobene hohe c nicht in der Bruststimme zu singen. Als es ein Tenor dann ein paar Jahre nach der Uraufführung tat, fühlte sich Rossini an einen geköpften Hahn erinnert...
    • Goldschmied schrieb:

      Die beiden Kostproben kann man schlecht fair vergleichen,
      Genau dasselbe habe ich mir auch gedacht. Die Umstände sind einfach zu unterschiedlich.
      Jeder Sänger wird bestätigen, dass es schwieriger ist in einem Konzert - zumal in einem Galakonzert bei dem viele Künstler auftreten und der Einzelne nur 1-2 Arien aus verschiedenen Werken singt - die entsprechende Atmosphäre zu erzeugen, die mitten in einer szenischen Aufführung entsteht.
      Ergo... wenn schon vergleichen, dann sollten vielleicht Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen verglichen werden... sprich Arien-/Gala-Konzert mit Arien-/Gala-Konzert und szenische Darstellung mit szenischer Darstellung. Wobei bei letzterem auch - wie wir alle wissen - große Unterschiede bei verschiedenen Inszenierungen entstehen können... Genau genommen müsste man szenisch die unterschiedlichen Interpreten in der gleichen Inszenierung vergleichen, wenn der Vergleich nicht allzusehr hinken soll.

      Zum von @ira angesprochene Vergleich zw. BB und Piotr Beczala als Werther
      hier eine Aufnahme von letzterem, die unter ähnlichen Umständen (Open Air-Gala-Konzert in Wien) entstanden ist, wie die von BB von der Jubläumsgala (und damit einigermaßen vergleichbar, wenn auch PB bei der Aufnahme 10 Jahre älter ist und die Rolle damals schon wiederholt szenisch dargestellt hatte (u.a. in München), was ebenfalls einen Unterschied macht)
      youtube.com/watch?v=fotQfZPuvAY
      Ergänzung - sorry, habe erst hinterher gesehen, dass Sie, ira, genau diesen Link zischenzeitlich eingestellt hatten :-(

      Es möge sich jeder selbst sein Bild machen... Geschmäcker sind nunmal verschieden...
      Mir persönlich fehlt bei PBs Interpretation das französische... die Aussprache ist zwar grundsätzlich korrekt und gut verständlich, doch darüberhinaus fehlt etwas... sein Französisch klingt für mich künstlich ... (besser kann ich es im Moment leider nicht beschreiben)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cabaletta ()

    • Zurück zu Benjamin Bernheim - in dessen Thread wir ja hier sind :)

      elsa schrieb:

      Gern würde ich ihn als Werther hören, oder auch als Des Gruieux (Massenet), bestimmt auch Lenski. Alfredo ist das Äußerste an Verdi, dann viel eher Mozart!
      Auch ich würde ihn gerne als Werther (natürlich komplett, nicht nur diese eine Arie :) ) und als Des Grieux (Massenet) hören, auf jeden Fall seinen Alfredo (die Kritiken waren ja sehr gut),und gerne auch als Nemorino.
      Zum oben eingestellten Artikel (danke @ira für den Hinweis):
      So sehr ich ihm seinen aktuellen Erfolg gönne - manches was Brembeck schreibt, finde ich schlicht übertrieben.
      Zitat:"Benjamin Bernheim ... ist Vorreiter eines neuen Verständnisses von Opernkunst" .. da gibt es wahrlich auch andere Sänger-Schauspieler im heutigen Opernzirkus mit dem Selbstverständnis Rollen neu und auf ihre Art zu interpretieren und nicht nur "triumphierend, kraftstrotzend" zu singen.
      Zitat: "...dauernd befasst er sich mit den Geschichten hinter den Rollenschicksalen" - da kenne ich auch andere Sänger... allen voran ein gewisser Münchner Tenor, dem im übrigen früher auch zuweilen ein "intellektueller Zugang" vorgeworfen wurde :)
      Ein bisschen weniger Übertreibung von Seiten Hr. Brembecks wäre dem Künstler BB, den ich als freundlich, zurückhaltend wahrgenommen habe, m.E. gerechter geworden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cabaletta ()

    • Dann wäre noch zu erwägen, wie man überhaupt einen sehr deutsch angehauchten Protagonisten auf französische Art darstellen kann. Ohne jetzt zu nationalistisch zu werden, ist doch der Werther verdorben durch die deutsch- protestantische Mentalität im Bezug auf Liebe. (kurz: nimmt es alles viel zu ernst, absolut und mansich). Ein Franzose sieht das vielleicht etwas anders. Einen Ropsenkranz, ein Glas Rotwein, ein guter Köse, dann hat man wieder etwas Perspektive.

      BB kann es vielleicht Massenet recht machen, aber Goethe vielleicht nicht. Aber ich habe da gar nichts dagegen, wollte es nur mal erwähnen.
    • Cabaletta schrieb:

      sein Französisch klingt für mich künstlich ...
      Da sage ich jetzt mal was ganz ketzerisches: Französisch klingt für mich immer künstlich (was z.T. an den Nasalen liegt), ob gesungen oder gesprochen.
      (Nix für ungut, Reingold ;) ).

      Cabaletta, es ist völlig richtig, daß sich meine beiden Beispiele auf völlig unterschiedlichen Ebenen bewegen. Das waren aber die einzigen, die ich auf die Schnelle gefunden habe, die noch einigermaßen zeitnah waren. Aber eine wirkliche Beurteilung ist so natürlich nicht möglich.

      Cabaletta schrieb:

      So sehr ich ihm seinen aktuellen Erfolg gönne - manches was Brembeck schreibt, finde ich schlicht übertrieben.
      Das finde ich auch. Ein typischer Brembeck mal wieder. Er schießt oft in seinen Beurteilungen über das Ziel hinaus. Bei seinen Aufführungskritiken ist es dasselbe.
    • ira schrieb:

      Französisch klingt für mich immer künstlich (was z.T. an den Nasalen liegt), ob gesungen oder gesprochen.
      (Nix für ungut, Reingold ).
      Wieso Reingold? Mein Französisch klingt nicht künstlich, sondern eher fürchterlich.

      ira schrieb:

      Ich ziehe Italienisch und Spanisch vor.
      Spanisch? Sogar unsere spanischen Freunde finden, dass Spanisch unschön klingt.