Dutch National Opera 19/20

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    • Dutch National Opera 19/20

      Ich war am Wochenende in einer Walküren Aufführung in Amsterdam und diese geriet leider zum wohl enttäuschendsten Abend, den ich in diesem Haus verbracht habe. Ich war im Vorfeld interessiert, da mit Martina Serafin eine neue Brünnhilde zu hören war und ich mich auf ein wenig Abwechslung bei der Partie eigentlich gefreut habe. Im Februar höre ich noch die für mich neuen Brünnhilden Merbeth und Brimberg und hoffe da auf wirkliche Freude.

      Aber um mit dem Positiven zu beginnen. Okka von der Damerau sang eine Fricka, wie ich sie mir besser nicht wünschen kann. Ohne Brüche von der satten Tiefe bis zur klaren Höhe, gibt sie der Partie alles mit, was man sich wünscht. Eine sehr gute Textverständlichkeit und puren Wohlklang. Das ein oder zwei Töne ein wenig verrutscht waren, störte mich kein bisschen und ist wohl eher der Nervosität bei ihrem Haus- und (so glaube ich) Rollendebut geschuldet. Das stark auflachende "HA" nachdem Wotan sagt, dass Siegmund autark agiert, muss sie sich bei Christa Ludwigs Ortrud abgeschaut haben ;) Ich hoffe sie in der Rolle noch öfter hören zu können und diesen Satz werde ich leider nicht noch einmal in den folgenden Zeilen schreiben.

      Michael König blieb als Siegmund doch recht blass. Mir war die Stimme ein wenig zu klein und auch wenn ohne großen Fehl gesungen, geriet die Partie irgendwie total zur Nebenfigur und nahm so gar keinen Platz im Geschehen ein. Eva Maria Westbroek mag ich einfach gerne und der warme, das Haus füllende Ton in den lyrischen Passagen klingt nach wie vor hervorragend. Der Wobble in den dramatischen Momenten ist wohl leider nicht mehr wegzudenken und so schwingt bei ihr immer ein wenig wehmütige Erinnerung an eine der wohl besten Sieglinden vor 10 Jahren mit. Stephen Milling blieb für einen Bass erstaunlich blass ohne weder besonder positiv noch negativ aufzufallen. Iain Paterson hat mir im zweiten Akt noch recht gut gefallen. Kein imposanter Wotan, sondern eher der Denker mit toller Textdurchdringung und sauberer Stimme, aber am Ende bleibt dann doch etwas an seinem Wotan unerfüllt. Wie er die Bastille mit dieser Partie füllen möchte, kann ich mir nicht vorstellen. Zu der Brünnhilde von Martina Serafin fällt es mir fast schwer etwas zu schreiben. Was Philippe Jordan in dieser Stimme hört, erschließt sich mir überhaupt nicht. Er hat sie für den Ring in Paris und auch schon für Wien als Isolde, Lady Macbeth und Marschallin gebucht. Die Walküre in Paris werde ich nun definitiv auslassen, denn diese Erfahrung reicht mir einmal. Ich hoffe sehr, dass sie nur einen sehr sehr schlechten Tag erwischt hatte, denn die Stimme klang so gar nicht intakt, sondern sehr abgenutzt und das Timbre ist positiv formuliert "nicht so meins". Das klang als wenn jemand nach einer sehr sehr sehr langen Karriere noch einmal diese Rolle singen möchte und das Resultat egal scheint. Für ein Debut empfand ich es als schlichtweg katastrophal, denn sie blieb der Partie stimmlich so ziemlich alles schuldig. Ein großes Ärgernis.