"Martha oder der Markt zu Richmond" , Wiederaufnahme

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    • "Martha oder der Markt zu Richmond" , Wiederaufnahme

      Eine vergnügliche Vorstellung aus der Wiederaufnahmeserie war am vergangenen Sonntag zu erleben – dieses Mal komplett mit hauseigenen Kräften besetzt.
      Die Inszenierung wirkt noch immer so witzig und angenehm entschmalzt wie in der Premierenspielzeit; ich bin mir allerdings nicht sicher, ob nicht ein bisschen am Text gebastelt wurde (z.B.: sehr wahrscheinlich kommentiert Lyonel die Aufdeckung von Marthas wahrer Identität im Originallibretto nicht mit 'Ich Idioooooot!')...
      Diese Lady Harriet wird zur Zeit von Kateryna Kasper gespielt und gesungen – ersteres mit großer Überzeugungskraft und Spielfreude; stimmlich geht sie die gar nicht mal so unkomplizierte Partie mit großer Beherztheit an, kann aber ihre Fähigkeit zu silberzarten Tönen nicht so recht ausspielen. Möglicherweise stößt die junge Sängerin mit dieser Partie (noch) an ihre Grenzen.(Mal sehen, wie sich Juanita Lascarro in der Rolle schlagen wird.)
      Sehr souverän hingegen meistert Katharina Magiera ihre Rolle: als Nancy ist sie die toughere, aber keineswegs immer coole Freundin, besteht jedoch letztlich jede heikle Situation mit jugendlich-frischer Altstimme und einer gehörigen Portion Ironie.
      Die etwas unwahrscheinliche Rolle des Lyonel verkörpert zur Zeit Gerard Schneider; er wirkt nicht ganz so tapsig wie AJ Glueckert (mit dem er in dieser Rolle alterniert), sondern eher etwas weltfremd, wenngleich entschlossen, seine große Liebe Martha mit allen Mitteln zu halten. Dabei verliert er leider aus den Augen, dass Martha ihm keineswegs irgendwelche Hoffnungen gemacht hat (sie lacht ihn ja im Gegenteil offen aus), und gibt Lady Harriet gegenüber dann die gekränkte liebende Seele... Das tut er mit sehr schöner Tenorstimme und niemals übertreibendem Spiel.
      Der Vierte im Liebesquartett ist Gordon Bintner als Lyonels Freund und Ziehbruder Plumkett – auch er darstellerisch gut ausbalanciert zwischen kommödiantischem Übermut und ernsthaftem Gefühl; sein wohltemperierter Bariton ist für diese Rolle fast schon ein bisschen zu unkernig-elegant, aber trotzdem schön anzuhören.
      Iain MacNeil ist derzeit als Lord Tristan (!) Mickleford zu erleben – und in jeder Hinsicht das genaue Gegenteil seines Namensvorbildes; kein Wunder, dass die Lady keinerlei Interesse an seinem ohnehin eher halbherzigen Werben hat. Er spielt den stutzerhaften Snob angemessen übertrieben und bildet, namentlich in den großen Ensembles, mit seinem dunkel gefärbten Bariton das Fundament, auf dem die Emotionen erblühen können.
      Geleitet wird das Ganze von el jefe Sebastian Weigle, der auch Chor und Orchester mit sicherer Hand durch die romantische (und nur manchmal ganz leise wagnernde) Melodienflut steuert.
      ... Wunder warten bis zuletzt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Asteria ()