Wiederaufnahme des Willy-Decker-Ringes unter C.T.

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    • Wiederaufnahme des Willy-Decker-Ringes unter C.T.

      Heute gibt es den ersten Rheingold-Abend aus derWiederaufnahme des Willy-Decker-Ringes von 2001.

      Bekanntlich war die Rotwein-Auseinandersetzung um dieseWiederaufnahme die Initialzündung für den explosiven Rauswurf des Herrn Dorny.

      Es singen: MarkusMarkwardt Wotan
      TomaszKoniecznen Alberich
      GerhardSiegel Mime
      GeorgZeppenfeld Fasold
      Ain Anger Fafner
      Christa Mayer Fricka
      Ann Peters Freia
      Ronita Miller Erda
      DanielJohansson Froh
      Michael Kraus Donner
      Sächsische Staatskapelle Dresden Musikalische Leitung:Christian Thielemann

      Ich freue mich auch auf die gute alte Decker-Inszenierung sowieauf das Wolfgang-Gussmann-Bühnenbild mit der Stuhlreihen-Verbindung zwischenParkett und Bühne.
    • Ariel schrieb:

      Den Willy Decker- "Ring" von Köln habe ich auch in allerbester Erinnerung (das war aber früher, Zwiru weiß sicher, wann genau das war).
      Meines Wissens gab es in Köln nie einen Decker-Ring. Ende der 80er (also zu der Zeit, wo Decker dort Oberspielleiter war) produzierte man gemeinsam mit der Deutschen Oper am Rhein den Kurt-Horres-Ring und zwischen 2000 und 2003 (ungefähr zu der Zeit, wo Decker in Dresden den Ring inszenierte) produzierte man den Carsen-Ring.
    • Heerrufer schrieb:

      Ende der 80er (also zu der Zeit, wo Decker dort Oberspielleiter war) produzierte man gemeinsam mit der Deutschen Oper am Rhein den Kurt-Horres-Ring
      Heerrufer, danke! Ich vermute jetzt, daß ich das mit dem Oberspielleiter und der Inszenierung verwechsle, und daß die Inszenierung tatsächlich von Kurt Horres war. Da, wo ich mich gerade aufhalte, habe ich keinen Zugriff auf meine Programme, sodaß ich das nicht überprüfen kann. Sicher bin ich mir aber, daß ich diesen "Ring" erst Anfang der 90- iger Jahre gesehen habe.
    • Heerrufer schrieb:

      Kurt-Horres-Ring
      Auswendig habe ich jetzt auch die Besetzung nicht im Kopf (natürlich schon, daß Robert Hale der Wotan war :) ), meine aber, mich zu erinnern (bin jetzt vorsichtig), daß Franz Josef Kapellmann den Alberich gesungen hat (was auch Sinn macht, da er ja Kölner ist).
      Es gab da eine lustige Szene im "Rheingold": Wotan fordert von Alberich den Ring, Kapellmann kriegte ihn aber nicht vom Finger. Das dauerte so lange, daß Wotan schließlich so tat, als hätte er ihn, die Hand hob und sang: "Nun halte ich, was mich erhebt." Hätte funktionieren können, hätte ihm nicht Alberich kurz darauf den Ring, nachdem er ihn glücklich vom Finger hatte, nachgeworfen....

      (Das kann einem inzwischen allerdings auch in Bayreuth passieren, daß man den Ring nachgeworfen bekommt. ^^ )
    • Ariel schrieb:

      Heerrufer, danke! Ich vermute jetzt, daß ich das mit dem Oberspielleiter und der Inszenierung verwechsle, und daß die Inszenierung tatsächlich von Kurt Horres war. Da, wo ich mich gerade aufhalte, habe ich keinen Zugriff auf meine Programme, sodaß ich das nicht überprüfen kann. Sicher bin ich mir aber, daß ich diesen "Ring" erst Anfang der 90- iger Jahre gesehen habe.
      Das muss so gewesen sein. Ich habe erst 1999 mit meinen Opernbesuchen in Köln begonnen, habe aber ein kluges Buch über die Kölner Oper, in dem ich nachgesehen habe, dass es nach dem Krieg drei Ringinszenierungen gegeben hat: 1962-1963 : Wieland Wagner; 1989-1990 : Kurt Horres und 2000-2003 : Robert Carsen. Mehrfach gesehen habe ich nur den letzten Ring. Decker war lange in Köln tätig, zuletzt als Oberspielleiter und hat mit vielen Regisseuren zusammengearbeitet. Von seinen Inszenierungen habe ich La Bohème, Eugen Onegin und Billy Budd gesehen, die alle handwerklich sehr gut gemacht waren.
    • Rheingold 2016
      Wenn man zum vierten Mal die Rheingold-Inszenierung von Willy Decker und diese mit der musikalischen Leitung von Christian Thielemann avisiert bekommt, so darf man auch etwas Besonderes erwarten.
      Von der Inszenierung war nur Bekanntes zu erwarten: Auf der Bühne, leicht ansteigend, die fünfzehn Reihen Gestühl als Ausdruck, hier werde das Parkett auf die Szene verlängert und so eine Verbindung zwischen Agierenden und Publikum hergestellt.
      Kleinere Bühnen und Anordnungen hinter der fünften Bühnen-Gestühl-Reihe dienten als Spielflächen. Die fünf Vorderreihen standen mal einigen Statisten als Pseudopublikum, Sängern auf „Warteposition“ oder einem Gedankenschweren Wotan als Laufgang zur Verfügung.
      Was 2001 noch befremdete, empfindet der Regietheater-Gestählte inzwischen fast konventionell. Requisiten werden kaum eingesetzt, so dass die Welt-Goldkugel ordentlich zur Geltung kommt.
      Das Hervorragende am Abend waren vor allem hochkonzentriert musizierende Musiker der Staatskapelle, die einem gut aufgelegtem Dirigenten in eigentlich jedem Detail folgten.
      Damit wurde vom Orchester über die 145 Minuten ein Bogen gespannt, den jener Hörer, der sich auf die Musik einlassen konnte, extrem fesselte. Nicht unwesentlich, vom Orchesterpart wurden die Versatzstücke der szenischen Gestaltung zu einem seltenen Opernerlebnis zusammengefügt.
      Ich zumindest war nach dem letzten Ton komplett erschöpft. So dass ich nur schwer in den Beifall, dann natürlich schon gelöster in das „Standing Ovation“ fand.
      Natürlich hatten sich auch wieder einige „Ochsen“ gefunden, die fast in die letzten Takte hineinklatschen mussten. Es müssen aber Fremdbesucher gewesen sein, denn C.T. hat dem heimischen Publikum, zwar mühsam, aber doch eine Denk- Pause nach den letzten Takten seiner Konzerte angewöhnt.
      Bei der sorgfältig zusammengestellten Sängerriege hat es keine Leistungsausfälle gegeben.
      Der Alberich von Tomasz Konieczny war im Disput mit den Rheintöchtern stimmlich noch zurückhaltend. In den Szenen mit Mime ließ er aber schon Gerhard Siegel rollenspezifisch bedingt wenig Spielraum. Dann setzte er aber in der Auseinandersetzung mit dem Loge-Kurt Streit einen, wenn nicht den gesanglichen Glanzpunkt, des Abends.
      Für den gedemütigten Alberich empfand ich Konieczny dann aber etwas zu selbstbewusst, à la Telramund.
      Der Fasold von Georg Zeppenfeld bot erwartungsgemäß ausgezeichnete Gesangs- und Bühnenpräsens. Sein Riesen-Gegenstück, der Este Ain Anger stand ihm aber bei seinem Hausdebüt nicht nach.
      Der Donner von Michael Kraus und der Froh von Daniel Johansson waren prachtvolle Unterstützer der Freia.
      Markus Marquardt macht den Dresdner Opernfreunden von Rolle zu Rolle mehr Freude. Sein Mathis und sein Jochanaan waren schon toll. Welches Ensemble kann sich schon rühmen, einen solchen stimmgewaltigen Wotan in seiner Truppe zu haben. Auch wenn ich zu meiner Schande immer noch den Wotan von Theo Adam im Ohr habe.
      Warum mir die von mir sehr geschätzte Christa Mayer als Fricka und Ann Petersen nur gering in Erinnerung geblieben sind, mag an der männlichen Überpräsenz gelegen haben. In der Vorstellung fand ich beide wirklich überzeugend.
      Die drei Rheintöchter Christiane Kohl, Sabrina Kögel und Simone Schröder fand ich recht gut besetzt, was durchaus nicht in jedem Rheingold der Fall ist. Die Einspringer-Erda der US-Amerikanerin Ronnita Miller empfand ich etwas zu lyrisch. Hier bleibt in Dresden Christa Mayer der Maßstab.

      Im Januar 2017 dürfen wir die Wiederaufnahme des „Siegfried“ und in der Folgesaison die der „Götterdämmerung“ erwarten.
      Und eventuell beschert uns C.T. mal den Decker-Ring als Block.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von thomathi () aus folgendem Grund: Geringfügige Ergänzung

    • Das Rheingold – Vorstellung vom 18.10.2016
      Hier ein paar Eindrücke von der zweiten Rheingold-Vorstellung (Die, 18.10.). Der Einfachheit halber orientiere ich mich an thomathis Beitrag #14, der sich auf den 15.10. bezieht, und schreibe meine Kommentare. Es geht also um verschiedene Vorstellungen!

      thomathi schrieb:

      Wenn man zum vierten Mal die Rheingold-Inszenierung von Willy Decker und diese mit der musikalischen Leitung von Christian Thielemann avisiert bekommt, so darf man auch etwas Besonderes erwarten.[...]
      Für mich war es das erste Mal. Von diesem Ring hatte ich bisher nur die Walküre in der vergangenen Spielzeit gesehen. Das Konzept ist natürlich dasselbe, Theater-auf-dem-Theater – und im kompakteren Rheingold kommt das viel packender rüber. Überhaupt, wenn man bedenkt, wie alt die Inszenierung ist (>10 Jahre), wirkte alles frisch und bzgl. der darstellerischen Seite sehr genau einstudiert und geprobt. Schon in dieser Hinsicht war es etwas Besonderes. Nach meinem Empfinden wird das Rheingold von Decker als tiefschwarze Komödie inszeniert, ehrlich gesagt, es ist das wahrhaft witzigste Rheingold, das mir bisher untergekommen ist.

      thomathi schrieb:

      Das Hervorragende am Abend waren vor allem hochkonzentriert musizierende Musiker der Staatskapelle, die einem gut aufgelegtem Dirigenten in eigentlich jedem Detail folgten. Damit wurde vom Orchester über die 145 Minuten ein Bogen gespannt, den jener Hörer, der sich auf die Musik einlassen konnte, extrem fesselte. Nicht unwesentlich, vom Orchesterpart wurden die Versatzstücke der szenischen Gestaltung zu einem seltenen Opernerlebnis zusammengefügt.
      Ich zumindest war nach dem letzten Ton komplett erschöpft. So dass ich nur schwer in den Beifall, dann natürlich schon gelöster in das „Standing Ovation“ fand. Natürlich hatten sich auch wieder einige „Ochsen“ gefunden, die fast in die letzten Takte hineinklatschen mussten. [...]
      dito, nur diesmal ochsenfrei.

      thomathi schrieb:

      Bei der sorgfältig zusammengestellten Sängerriege hat es keine Leistungsausfälle gegeben.
      dito, im wesentlichen.

      thomathi schrieb:

      Der Alberich von Tomasz Konieczny war im Disput mit den Rheintöchtern stimmlich noch zurückhaltend. In den Szenen mit Mime ließ er aber schon Gerhard Siegel rollenspezifisch bedingt wenig Spielraum. Dann setzte er aber in der Auseinandersetzung mit dem Loge-Kurt Streit einen, wenn nicht den gesanglichen Glanzpunkt, des Abends. [...]
      Konieczny war der Star des Abends, stimmlich und darstellerisch. Schade, dass er den Alberich bald aus seinem Repertoire streichen wird. Streit als Gesamtpaket ebenfalls super, auch wenn er volumenmäßig manchmal am Anschlag war. Gesangliche Glanzpunkte gab es für mich aber durchaus mehrere.

      thomathi schrieb:

      Der Fasolt von Georg Zeppenfeld bot erwartungsgemäß ausgezeichnete Gesangs- und Bühnenpräsens. Sein Riesen-Gegenstück, der Este Ain Anger stand ihm aber bei seinem Hausdebüt nicht nach.
      dito, da gab's nichts zum meckern

      thomathi schrieb:

      Der Donner von Michael Kraus und der Froh von Daniel Johansson waren prachtvolle Unterstützer der Freia.
      Ich fand Kraus nicht so optimal in der exponierten Schlussszene, unruhig geführte Stimme, schade, weil ich die Szene sehr liebe.

      thomathi schrieb:

      Markus Marquardt macht den Dresdner Opernfreunden von Rolle zu Rolle mehr Freude. Sein Mathis und sein Jochanaan waren schon toll. Welches Ensemble kann sich schon rühmen, einen solchen stimmgewaltigen Wotan in seiner Truppe zu haben. [...]
      Marquardt punktete eher mit pointierter, wortdeutlicher, spannender Gestaltung, aber nicht unbedingt mit einer riesigen Stimme. Ist aber eigentlich immer so, zumindest in den Vorstellungen, in denen ich ihn gehört habe. Insgesamt schon ein interessanter Wotan, der ja in dieser Inszenierung nicht als große Autorität angelegt ist sondern als sich verzettelnder Späthippie – und das setzt Marquardt sehr gut und witzig um.

      thomathi schrieb:

      Warum mir die von mir sehr geschätzte Christa Mayer als Fricka und Ann Petersen nur gering in Erinnerung geblieben sind, mag an der männlichen Überpräsenz gelegen haben. In der Vorstellung fand ich beide wirklich überzeugend. Die drei Rheintöchter Christiane Kohl, Sabrina Kögel und Simone Schröder fand ich recht gut besetzt, was durchaus nicht in jedem Rheingold der Fall ist. Die Einspringer-Erda der US-Amerikanerin Ronnita Miller empfand ich etwas zu lyrisch. [...]
      Ging mir ähnlich.

      Applausdauer: 8 min. Kaum Standing Ovations. Nicht ausverkauft. Was alles womöglich auch daran liegt, dass die Vorstellung werktags stattfand. Summa summarum: für mich war es großartig. Vielleicht gehe ich am 22. nochmal rein.
    • Das ist nun mal Kritikerdeutsch. Aber doch einigermaßen zutreffend.
    • thomathi schrieb:

      Das ist nun mal Kritikerdeutsch. Aber doch einigermaßen zutreffend.
      Zumindest bzgl. der zweiten verlinkten Kritik würde ich sagen: Eher einigermaßen als zutreffend. ;) Von der im Grunde dürftigen Informationsdichte ganz zu schweigen.
      Klar wird im Rheingold gehämmert, aber das ist doch nicht das Verdienst des Dirigenten. Daher schrieb ich von komischem Zeugs, nur um mal ein Beispiel zu nennen.
    • Siegfried am 22. Januar 2017



      Mit seiner Siegfried-Inszenierung von 2003 hatte Willy Decker konsequent das Konzept der Verlängerung des Parketts bis auf die Bühne weitergeführt. Aber aus den einladenden Gestühl-Reihen des Rheingold von 2001 waren 2003 ungeordnete Aufhäufungen von Sitzmöbel auf der Bühne geworden, von denen einige mal genutzt und dann wieder weggestellt wurden. Im dritten Akt stellt Decker dann sogar ein Parkett-Spiegelbild dem Publikum gegenüber.

      Ansonsten verzichtet die Szene weitgehend auf Interpretationen und erzählt die Geschichte geradlinig. Damit bleiben Räume für die Phantasie des Betrachters, von der gelegentlichen Guckkasten-Struktur der Bühnenbilder die Handlung auf die weite Welt zu transformieren.

      Aber nicht deshalb sind wir nun zum vierten Mal in die inzwischen herkömmlich anmutende Inszenierung gekommen.

      Vor allem die angekündigte Musikalische Leitung des Abends durch Christian Thielemann hat uns getrieben.

      Hatte uns in der Premierensaison schon das Dirigat von Semjon Bytchkov sehr zugesagt und uns auch die Leistungvon Asher Fisch gefallen, Fisch war bekanntlich ziemlich kurzfristig für den flüchtigen Fabio Luisi eingesprungen, waren die Erwartungen an die musikalische Qualität extrem hoch.

      Von den ersten Takten an nahm mich der Dresdner Klang von Staatskapelle im Semper-Bau gefangen. Nur wenige Orchesterleiter bringen die Musiker in dem Raum mit dem vergleichsweise begrenzten Nachhall von 1,3 Sekunden so füllig zur Geltung, wie eben Christian Thielemann.

      Bekanntlich wird unterstellt, dass Richard Wagner den Anfang des ersten Aktes des Siegfried unter dem Einfluss des Beginns eines Migräneanfalls komponiert habe. So lässt auch der Dirigent die Musik vom anschwellendem Brummen zum pulsierenden, pochenden Rhythmus mit schrillendem Hämmern steigern, dass dann der Ruf Mimes mit dem „Zwangvolle Plage! Müh ohne Zweck!“ auflöst.

      Die schier endlosen Dialoge mit Siegfried beziehungsweise dem Wanderer wurden subtil und auf das feinste untermalt bis dann mit den Schmiedeliedern gleichsam ein Blasebalg die instrumentalen Feuer gewaltig anfachte.

      Trotz vollem Einsatz der Musiker wurde nie der Eindruck harter Arbeit vermittelt. Es wurde leidenschaftlich und animiert musiziert. Der Chef organisierte scheinbar mühelos den Ablauf mit den mehrfachen Tempo-Wechseln und -Modifikationen.

      Auch mit dem kammermusikalisch anmutenden Waldweben im zweiten Akt bestätigte die Staatskapelle ihren Ruf als hervorragendes Wagner-Orchester. Der Klang der Instrumentengruppen insbesondere der Bläser war wunderbar subtil geformt.

      Dabei war C.T. auch seinem Ruf als Sängerversteher wieder einmal gerecht geworden, indem er das Orchester den gesanglichen Möglichkeiten der Solisten anpasste und durchaus einen angesträngt Agierenden an die Rampe bat.

      Das Solistenensemble war schon prachtvoll.

      Stephen Gould als erfahrener Siegfried-Darsteller entdeckte neue, subtile Nuancen der Partie, gestützt von einer gefühlvollen Rollenauffassung. Etwas verhalten beginnend steigerte er sich in die Schmiedelieder und ließ bis zum dritten Akt keinen Abfall zu.

      Nina Stemme hatte die Brünhilde als kraftvolle, selbstbewusste Frau aufgestellt. Dabei war über weite Strecken dem Ausdruck einem schönen Gesang der Vorzug gegeben. Damit setzte sie sich doch gegen eine gleichfalls hervorragende Evelyn Herlitzius der früheren Aufführungen ab.

      Der körperlich präsente Gerhard Siegel, damit eigentlich kein Zwerg, ist aber inzwischen auch dank seiner passenden Tenor-Stimme der häufig eingesetzte Mime. Mit seiner unwahrscheinlichen Bühnenpräsenz dürfte Siegel nunmehr der Mime der Zeit sein.

      Richtig solide im Wanderer-Wotan-Fach etabliert hat sich inzwischen das Ensemble-Mitglied Marcus Marquardt mit einer beeindruckenden Gesangsleistung.

      Fast beschämend für den Schreibenden ist, dass er zur Erda von Christa Mayer stereotyp nur ausführen kann, dass diese Künstlerin sich in dieser Rolle stets zuverlässig mit perfekter Stimme auch gegenüber dem Orchester behauptet. Aber es ist nun mal so. Wahrscheinlich ist sie deshalb in Dresden auch so beliebt.

      Auch zu Georg Zeppenfeld ist zum oft gelobten kaum etwas zuzufügen.

      Albert Dohmens Alberich gilt eigentlich als gesanglich souverän. Er hatte aber seine Rollenauffassung zunehmend deklamatorisch fast einem Sprechgesang angelehnt. Damit fehlen ihm aber die Höhen und Tiefen.

      Als Mitglied des Jungen Ensembles der Semperoper hat sich die Finnische Sopranistin Tuuli Takala insbesondere im laufenden Mozart-Repertoire bereits gut etabliert. So wie die Finnische Sopranistin diese kleine feine Partie gesungen hat, sollte sie auch im Regietheater-Zeitalter gesungen werden.
      Willy Decker hatte ihr aber ausreichend Raum für diese schöne Gestaltung gelassen.

      Ein beeindruckender grandioser Opernabend.

      Schlussendlich bin ich doch erleichtert, dass dem Herrn Rothe auch künftig die finanziellen Mittel fehlen werden, den Herrn Castorf für einen neuen Ring einzuladen. Mithin werden wir auch am Anfang 2018 den „Decker-Ring“, und dann mit zwei kompakten Zyklen, mit der Staatskapelle, im Semper-Bau und vor allem mit der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann erleben.