Lohengrin - Deutsche Oper

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    • Lohengrin - Deutsche Oper

      Die erste von drei Lohengrin-Aufführungen im Dezember war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Nach dem viel zu frühen Tod des ursprünglich geplanten Johan Botha sang Peter Seiffert wie schon vor 26 Jahren den Lohengrin am Haus. Ich weiß nicht, wann er die Partie das letzte Mal gesungen hat, aber es schien, als wäre es in naher Vergangenheit gewesen, so sicher wirkte er. Natürlich hat sich die Stimme im Laufe der Jahre verändert. Der heikle Auftritt wollte ihm auch nicht recht gelingen und ließ Schlimmes befürchten. Auch wenn er in den ersten beiden Akten teilweise übertrieben auf die Tube gedrückt hat, konnte man schon von einem gelungenen Lohengrin-Comeback sprechen. Was Seiffert jedoch im 3. Akt angeboten hat, war schlichtweg sensationell und hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben. Insbesondere die Brautgemachszene hat er wie der junge Peter Seiffert gesungen. Ich bin gestern schon zum dritten Mal in den Genuss gekommen Günther Groissböck als Einspringer für Pesendorfer erleben zu dürfen. Das war wieder einmal eine exemplarische Leistung! Anders als in Seifferts Anfangszeit als Lohengrin stehen derzeit einige gute Telramunds zur Verfügung. Einer von ihnen ist Wolfgang Koch, der das hohe Niveau bei den Männern zusammen mit dem bereits in Dresden starken Heerrufer Derek Welton komplettierte.

      Die Damen konnten hier leider nicht Schritt halten. Vom Gesamtpaket her war mir Annette Dasch war nicht unrecht, aber unschöne Töne in der Höhe und ein paar zu tief gesungene Töne trübten doch das Gesamtbild. Ebenfalls eine Reise in die Vergangenheit war die Ortrud der Elisabete Matos. Sie hat zwar meinen ausdrücklichen Respekt dafür, dass sie alle Töne der Partie hat, aber die Stimme klingt unschön und antiquiert. Dafür wurde sie aus verschiedenen Ecken mit Buhs bedacht.

      Das Dirigat von Axel Kober hat mir insgesamt gefallen. Nach relativ breitem Beginn zog er das Tempo immer mehr an. Zu Beginn des 3. Aktes machte er sich allerdings das Leben mit zu raschen Tempi unnötig schwer. Da kam der Chor nicht so recht mit. Insgesamt ein hochinteressanter Opernabend!

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    • Ich sehe das ganze ähnlich wie der Kapellmeister. So traurig der Anlass ist, warum Seiffert überhaupt zum Zuge kam, so beeindruckend war er selbst in seiner einstigen Paraderolle: er hat 1989 in München, also vor 27 Jahren, sein Rollendebüt als Lohengrin gegeben - in Zeiten der heutigen Kurzlebigkeit von Karrieren im internationalen Business eine unglaubliche Zahl. Vor diesem Hintergrund strahlt seine Leistung vom Sonntag umso mehr. Natürlich hat er an den lyrischen Stellen zum Teil Probleme, weil die Stimme nach vielen Tristanen und Tannhäuser nicht mehr so leicht anspricht. Das löst er aber mit gekonnt eingesetzter Mischstimme meistens sehr überzeugend, absolut zupass kommt ihm dabei, dass die Stimme nach all den Jahren immer noch herrlich klingt und von ihrem individuellen Timbre nichts eingebüßt hat. Und mein Gott!, was für ein dritter Akt, welch ein natürliches Rollenverständnis, welch Urwucht, welche Präsenz. Ganz, ganz groß! Daneben überzeugten vor allem Groissböck als nicht besonders hintergründiger, aber mit vokaler Autorität ausgestatteter Heinrich und Koch, obwohl er mir vor einer Woche in Hamburg besser gefallen hatte. Dasch war doch eine Enttäuschung, so richtig schön klang die Stimme in keiner Lage und die Höhe wird meist unter Druck und technisch recht abenteuerlich produziert. Von Matos' Ortrud hatte nur "Entweihte Götter" Klasse, die Passagen, bei denen es auf Text und Gestaltung ankommt gerieten eher peinlich. Welton sehr gut. Chor und Orchester mit ansprechenden Leistungen, Kober meist routiniert, hin und wieder etwas unorganisch und an diesen Stellen klapperte es dann auch prompt. Zum Schluss großer Jubel im nicht ausverkauften Haus - wer kann, sollte eine der beiden weiteren Vorstellungen besuchen - ein epochaler Sänger in seiner wohl wichtigsten Rolle. Ich wage zu bezweifeln, dass es noch viele Gelegenheiten geben wird, Seiffert als Lohengrin zu erleben.


      Kapellmeister Storch schrieb:

      Ich weiß nicht, wann er die Partie das letzte Mal gesungen hat, aber es schien, als wäre es in naher Vergangenheit gewesen, so sicher wirkte er.
      Ich habe ihn zuletzt in Wien 2010 damit gehört, meines Wissens hat er es 2011 in München zu den Opernfestspielen noch einmal gemacht, danach nicht mehr.

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    • Heerrufer, dieses Interview freut mich wirklich sehr, vielen Dank!

      Zitat Peter Seiffert:

      „Ottavio überstrahlt alle“, schrieb damals jemand in der Süddeutschen Zeitung. Das hat mich umso stolzer gemacht und umso mehr gefreut, als Don Ottavio doch ein ziemlicher Jammerlappen ist."

      Und er hat sich auch gefreut, als ich ihm das einmal gesagt habe (da ist er mir als Kunde in die Fänge geraten ;-)). Ich fügte noch hinzu, daß ich bis dahin eigentlich keinen Ottavio jemals wirklich wahrgenommen habe. Der Don Ottavio war bei Peter Seiffert eben kein Jammerlappen, sondern hatte Kontur und Biß. Mal ganz abgesehen von der Stimme.

      Zitat Berliner Morgenpost:

      Ähnlich wie Ihre erste Ehefrau Lucia Popp wirken Sie außerordentlich geerdet und liebenswürdig.

      Das ist er, absolut!

      Zitat Peter Seiffert:

      "Ich wollte nicht der Lohengrin vom Dienst sein. Genauso wenig wie der Matteo vom Dienst in der „Arabella“.

      Da war es ähnlich wie mit dem Don Ottavio. Was war er doch für ein großartiger Matteo! Und das ist eine wahnsinnig schwere Rolle. Habe später nie mehr einen gehört, der auch nur ansatzweise an ihn hin kam.
    • Was ich an diesem Interview bemerkenswert finde, ist folgender Aspekt:

      Seiffert beschreibt, dass er sein Debüt als Lohengrin in einer Münchner Repertoire-Vorstellung unter Wolfgang Sawallisch gab, erst danach durfte er in der Premiere an seinem damaligen Stammhaus Berlin ran. Das wäre heute viel schwieriger. Solch große Debüts werden fast immer (als Ausnahme fällt mir Harteros' Tosca-Debüt oder Anna/Beczalas Elsa/Lohengrin-Debüts ein, wobei es bei letzteren sicher ordentlich Orchesterproben gab) in Neuproduktionen gegeben. Zum einen haben viele Sänger kein großes Vertrauen in die kapellmeisterlichen Fähigkeiten der Dirigenten, dass sie am Abend so ein Debüt ohne eine Vielzahl von Orchesterproben angemessen begleiten können. Zum anderen Versprechen sich die Häuser natürlich noch größere Aufmerksamkeit für ihre Neuproduktionen wenn da ein spektakuläres Debüt stattfindet. Schade eigentlich, der andere Weg klingt doch mehr nach Qualitätskontrolle.
    • Minnie schrieb:

      Der Don Ottavio war bei Peter Seiffert eben kein Jammerlappen
      komisch, dass er selbst das doch anders sieht.

      Der Münchner Lohengrin war allerdings keine stino-Repertoireaufführung. Es war zwar das olle Ever-dings, das schon Jahre vorher mit Kollo und Ligendza im Fernsehen lief, aber es war eine ordentlich geprobte Wiederaufnahme (vielleicht sogar in den Festspielen), denn ich hatte es seinerzeit ("... und es war Sommer, das erst Mal im Leben...") irgendwie geschafft, kurz vor Beginn noch eine Karte für die Generalprobe zu ergattern. Und ich weiß heute noch (schäme mich auch dafür) dass ich in der ersten Pause feststellen musste: "wenn der so weitermacht, hält er das nie durch!". Naja, man kann sich ja mal irren.