Beängstigendes ...

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    • Reingold schrieb:

      Dieser Artikel (er sei insbesondere den Freunden von Facebook ans Herz gelegt) hat mir Angst gemacht:
      dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-h…t-dass-es-die-bombe-gibt/

      In folgendem Beitrag werden die Aussagen zwar etwas relativiert, beruhigt bin ich trotzdem nicht:
      zeit.de/digital/internet/2016-…-data-cambridge-analytica
      ...Aber per se ist die Idee schon faszinierend. - Und wer Ähnliches hier im Forums versuchen würde, bekäme es eh mit der Angst zu tun *;o)
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Ich frage mich, warum die Wortbildung "postfaktisch" nicht hinterfragt wird. "post" bedeutet zum Beispiel beim Wort "Postmoderne" den Zeitraum nach der Moderne, weil die Präposition "post" mit nach zu übersetzen ist. Ein Zeitraum, der beginnt, nachdem Fakten generell aufgehört haben zu existieren, ergibt für mich keinen Sinn. Sinnvoll ist nur der Zeitpunkt, nachdem die Fakten eines speziellen Sachverhalts gesichert vorliegen. Erst zu einem solchen Zeitpunkt zu handeln, erscheint mir nicht unvernünftig.
      Was mit "postfaktisch" gemeint ist, ist mir schon klar, nämlich, dass man entgegen der Faktenlage handelt. Darum frage ich mich, warum man dann nicht von "contrafaktisch" oder "antifaktisch" spricht.
    • Es soll wohl bedeuten, dass man das Zeitalter, in dem Fakten bei der politischen Willensbidlung noch eine Rolle gespielt haben, hinter sich gelassen hat.

      Herr Fischer kann sich mit dem Begriff auch nicht anfreunden und schreibt auch ansonsten recht interessant:

      zeit.de/gesellschaft/2016-12/k…gesschau-fischer-im-recht
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von JLSorel ()

    • Zwischenrufer2 schrieb:

      Ich frage mich, warum die Wortbildung "postfaktisch" nicht hinterfragt wird.
      Eigentlich ist das nicht schwer: Weil solche Worterfindungen dazu da sind, den Sachverhalt, den sie zu beschreiben vorgeben, zu verschleiern. Darum wäre eine präzise Bildung gar nicht sinnvoll, weil sie das Ziel verfehlen würde. Hier geht es darum, für die Entwicklungen der letzten Zeit, die eine gewisse Beunruhigung bringen, die man sich möglichst schnell vom Hals schaffen will, ohne die Ursachen zu erforschen oder gar Dinge zu verändern, eine griffige Formel zu finden. Und da Zusammensetzungen mit »post« nun mal sehr schick sind, passt dieses Wort perfekt und ist mit solcher Begeisterung aufgenommen worden. Und eben nicht, obwohl es sinnlos ist, sondern exakt deswegen.

      P.S.: Interessant wäre aber auch die Frage, warum die Wortbildung »hinterfragen« nicht befragt wird... :P

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von dracul-plecat ()

    • oaiaaia schrieb:

      P.S.: Interessant wäre aber auch die Frage, warum die Wortbildung »hinterfragen« nicht befragt wird...
      Nietzsche (Morgenröte): "Hinterfragen. — Bei Allem, was ein Mensch sichtbar werden lässt, kann man fragen: was soll es verbergen? Wovon soll es den Blick ablenken? Welches Vorurteil soll es erregen? Und dann noch: bis wie weit geht die Feinheit dieser Verstellung? Und worin vergreift er sich dabei?"
    • Zwischenrufer2 schrieb:

      "post" bedeutet zum Beispiel beim Wort "Postmoderne" den Zeitraum nach der Moderne, weil die Präposition "post" mit nach zu übersetzen ist.
      Ja, und? Genau darum geht es doch bei "postfaktisch" auch. Wir leben in Zeiten, die nach der Zeit kommen, in denen man seine Meinungen und Entscheidungen noch nach Faktenlage ausrichtete und nicht nach Emotionen.

      oaiaaia schrieb:

      Darum wäre eine präzise Bildung gar nicht sinnvoll
      Das ist eine präzise Bildung.

      Der Staatsanwalt und Richter Heribert Prantl zu Fake News:

      sueddeutsche.de/politik/prantl…-der-demokratie-1.3292134
    • JLSorel schrieb:

      oaiaaia schrieb:

      Weil solche Worterfindungen dazu da sind, den Sachverhalt, den sie zu beschreiben vorgeben, zu verschleiern.
      Wer möchte denn was verschleiern?
      "Ohn' Antwort ist der Ruf verhallt!"

      Nun werden wir nie erfahren, welch dunkle Mächte hier am Werke waren. =O
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • Minnie schrieb:

      Ja, und? Genau darum geht es doch bei "postfaktisch" auch. Wir leben in Zeiten, die nach der Zeit kommen, in denen man seine Meinungen und Entscheidungen noch nach Faktenlage ausrichtete und nicht nach Emotionen.
      Dann müsste man also analog zur Moderne auch von der "Faktischen" , als der Zeit sprechen, in der (ausschließlich?) nach Faktenlage entschieden wurde? Stimmen eigentlich Entscheidungsträger in der Beurteilung der Faktenlage immer überein, oder wenn nicht, sind dann die Fakten gar keine Fakten?
      Für mich heißt "postfaktisch", wenn man post mit nach, und faktisch mit wirklich gleichsetzt, "nachwirklich" und ergibt vom Wort her keinen Sinn. Natürlich kann man eine Definition nachreichen. Das beantwortet aber noch nicht die Frage, ob die Wortbildung sinnvoll ist. :)
    • Das stimmt, aber man kommt auf andere Ergebnisse. Es gibt ein Zeitalter, das die Moderne genannt wird, das sich durch bestimmte Grundannahmen von anderen Zeitalter, die man z. B. als vormodern (man könnte auch sagen prämodern) bezeichnet, unterscheidet. Und es gibt ein Zeitalter nach dieser Moderne, wo gewisse Grundannahmen nicht mehr gelten, das ist dann die Postmoderne. Das ist also ganz logisch und korrekt gebildet. Was man von »postfaktischen Zeitalter« nicht sagen kann, denn es gibt kein »faktisches Zeitalter« und hat es nie gegeben, schon deshalb nicht, weil der Begriff einfach Unsinn wäre, woraus sich ergibt, dass sein Gegensatz, das »postfaktische Zeitalter« ebenfalls ein unsinniger Begriff ist.