Eugen Onegin - Deutsche Oper

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    • Eugen Onegin - Deutsche Oper

      Die erste Vorstellung der aktuellen Onegin-Serie war für einen Montag ausgesprochen gut verkauft. Insbesondere das Parkett war fast komplett gefüllt. Die Aufführung war insgesamt mehr als erfreulich. Sonya Yoncheva gab ihr Rollendebüt als Tatjana. Da war alles hervorragend gesungen, allerdings fehlt mir persönlich eine gewisse Wärme in der Ausstrahlung und die Individualität in der Stimme. Andrei Bondarenko gab ein insgesamt gelungenes Hausdebüt als Onegin. Sein wohlklingender Bariton klingt dabei sehr reif für sein Alter (knapp 30). Nur seine Höhe klang stellenweise ein wenig irritierend. Das war mir schon bei YouTube aufgefallen. Auch Benjamin Bernheim gab gestern sein Hausdebüt. Er war mir schon als Matteo in Dresden aufgefallen und sang nun in Berlin einen hervorragenden Lenskij. Tobias Kehrer hatte nicht seinen besten Abend. Die Höhe klang erst kratzig und gegen Ende der Arie hat er sich völlig festgesungen. In den kleineren Rollen fiel vor allen Dingen Annika Schlicht als Olga auf. Ronnita Miller war auch als Filipjewna eine Bank. in der Rolle der Larina gab es am 16. Todestag von Götz Friedrich, zwei Tage vor ihrem 75. Geburtstag, ein Wiedersehen mit Karan Armstrong. Den Triquet gab, wie immer, Peter Maus. Einmal mehr sorgte Ivan Repusic mit einem sehr guten Dirigat für eine gelungene Aufführung.
    • Im Großen und Ganzen Zustimmung zu oben gesagtem. Ganz große Klasse die beiden Rollendebütanten Sonya Yoncheva und Benjamin Bernheim. Sonya Yonchevas wunderbares Timbre und ihre obertonreiche Stimme kommen in der großen DOB noch deutlich besser zur Geltung als zuletzt im Schillertheater. Ihre Tatjana ist ungemein facettenreich - sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Ich habe ihre Stimme im Gegensatz zum Kapellmeister als extrem warm empfunden. Ganz große Klasse!
      Und Benjamin Bernheim als Lenski - ich kann mich in 25 Berliner Opernjahren nicht an so ein geglücktes Berliner Operndebüt erinnern, und dann auch noch ein Rollendebüt! Perfekter Stimmsitz, wunderbare Phrasierung, intelligente Rollengestaltung - und dazu die unglaubliche Schönheit des Timbres. Hier hat sich ein junger Tenor gleich ziemlich an die Spitze der Lenskis gesungen. Ich bin noch ganz begeistert, dass sowohl Yoncheva als auch Bernheim bei ihren Rollendebüts schon so eine mustergültige, fertige Interpretation ihrer Partie erarbeitet haben.
      Die ünbrige Besetzung solide bis unterirdisch: der junge Andrei Bondarenko ist sicherlich typgerecht besetzt und sein Timbre ist sehr reizvoll - allerdings ist die Stimme technisch oft mangelhaft geführt, was sich im Laufe des Abends in eklatanten Intonationsmängeln äußerte. Das Schlussduett war purer Naturalismus - so etwas geht leider nicht lange gut. Überzeugend Annika Schlicht als Olga. Hoffentlich stark erkältet war Tobias Kehrer - er mühte sich mehr schlecht als recht durch seine Arie, Repusic hat ihn dabei sehr geholfen. Peinlich berührt war man von Karan Armstrongs Larina. Musikalisch sehr unsicher, oft nicht hörbar, bei Spitzentönen hat sie sich dezent weggedreht... Offenbar hatte es ihren Grund, dass sie beim Schlussapplaus fehlte.
      Dank Yoncheva und Bernheim ein mehr als lohnender Abend.
    • Mandryka schrieb:

      Sonya Yonchevas wunderbares Timbre und ihre obertonreiche Stimme kommen in der großen DOB noch deutlich besser zur Geltung als zuletzt im Schillertheater. Ihre Tatjana ist ungemein facettenreich - sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Ich habe ihre Stimme im Gegensatz zum Kapellmeister als extrem warm empfunden. Ganz große Klasse!

      Ich meinte nicht ihre Stimme, sondern ihre Ausstrahlung. Bei der Stimme fehlt mir eine gewisse Individualität, was allerdings nichts an einer großartigen Leistung ändert.
    • Die erste Aufführung der letzten Serie der Friedrich-Produktion war eine der stärksten, die ich erlebt habe. Nicole Car hat mich mit ihrem sehr sinnlichen Gesang begeistert. Ihr Ehemann, Etienne Dupuis, setzte die Reihe hervorragender Auftritte am Haus fort. Ebenfalls sehr stark hat sich Matthew Newlin als Lenskj präsentiert. Ein Kuriosum gab es bei der Besetzung des Fürsten Gremin: hier ist der kranke Ante Jerkunica für Ante Jerkunica eingesprungen, der ursprünglich durch Tobias Kehrer hatte ersetzt werden sollen. Jerkunica hat seine Arie so bewegend wie kaum einer seiner Rollen-Vorgänger gesungen hat trotz Indisposition ein weiteres Mal seine Klasse unter Beweis gestellt. Eher blass fand ich Vasilisa Berzhanskaya als Olga, der es in der Tiefe auch an Substanz gefehlt hat. Peter Maus, inzwischen 70 Jahre alt, hatte einen seiner letzten Auftritte als Triquet. Star des Abends war für mich der Dirigent Alexander Vedernikov. Zu Beginn fand ich sein Tempo ein wenig langsam, aber insgesamt hat er mit einer Portion Genialität ein regelrechtes Feuerwerk abgebrannt. Ein toller Opernabend im gut besuchtem Haus in der Bismarckstraße.
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      Sollte es wirklich zur Absetzung der Friedrich-Inszenierung kommen (die DOB betont in den Social Media, daß es nicht anders geht), wäre die letzte Serie wirklich ein sehr würdiger Abschied gewesen.
      Bei einer tollen Besetzung insgesamt gehen die 12 points an Croatia, genauer an Ante Jerkunica als Gremin. Was für eine ergreifende Darstellung! Sicherlich nahm man ihm bei allen Bemühungen den alten Mann nicht ab, was er aber sängerisch mit seinem Auftritt machte, bleibt unvergessen.
      Das Paar Dupuis/Car auf gleicher Höhe. Etienne Dupuis liefert eine extrem engagierte und szenisch sehr differenzierte Darstellung der Titelpartie, während Nicole Car am Anfang etwas forcierte, dann aber eine berührende Tatjana sang. Dieses Paar würde man in dieser Oper gerne weiterhin sehen. Die Überraschung war für mich Matthew Newlin als Lenski - mit seiner starken Darstellung nimmt er es leicht mit allen Gästen in dieser Produktion (einschließlich des hervorragenden Bernheim vor 3 Jahren) auf.
      Alexander Vedernikovs Dirigat hätte man sich wirklich ein klein wenig mehr kraftvoll gewünscht, allerdings schaffte er hinreißend den Spagat zwischen dem melodischen Tschaikowsky (da gab das Orchester dem Affen mächtig Zucker) und den dramatischen Einlagen.

      Planmäßig wäre am kommenden Samstag die letzte Vorstellung in dieser Inszenierung, es ist jedem zu empfehlen, hinzugehen.

      PS: ich gebe zu, daß ich nach der gestrigen Vorstellung das Verhältnis zur Kosky-Inszenierung an der KOB etwas anders sehe. Bei Friedrich ist der Blick konsequent auf die Personen gerichtet - bei Kosky lenkt da die Optik etwas ab. Die musikalischen Niveauunterschiede sprechen hier Bände!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Gast1 ()