Tosca - Deutsche Oper

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    • Tosca - Deutsche Oper

      Nach der Vorstellung sagte ein älterer Herr an der Garderobe sehr treffend: "Ich habe in meinem langen Opernleben sehr viele Toscas gehört, aber diese war eine der besten Aufführungen!" Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen! Es war die 383, Vorstellung der Produktion seit April 1969. Allein im Laufe der letzten 30 Jahre sind hier u.a. Caballé, Zampieri, Jones, Kabaivanska, Marton, und Harteros als Tosca, Domingo,Pavarotti, Shicoff, Bonisolli, Aragall, Kaufmann und Vogt als Cavaradossi sowie Wixell, Ramey, Ataneli und Raimondi als Scarpia aufgetreten. In der Regel war eine der drei Hauptrollen schwach besetzt oder das Dirigat war nicht doll. Nicht so gestern. Im fast vollen Haus wurde eine hervorragende Tosca gespielt. Anders als vor knapp vier Jahren präsentierte sich Bryn Terfel in blendender Verfassung und sang einen schaurigen Scarpia mit ausgefeillter Rollengestaltung. Fabio Sartori ist für mich derzeit der überzeugendste Cavaradossi. Auch wenn nicht jeder Ton hundertprozentig schön kommt, singt niemand den Maler so ausgeglichen gut. Auch Hui He wurde ihrem Ruf als gute Puccini-Sängerin gerecht. Auch die weiteren Rollen waren u.a. mit Derek Welton (Angelotti) und Noel Bouley (Mesner) gut besetzt. Donald Runnicles lieferte ein packendes Dirigat. Im 1. Akt hat er mehrmals sein Tempo durchgesetzt. Ein toller Opernabend!
    • Terfel kam für mich fast an den fiesen Scarpia von Volle vor einigen Wochen an der STO heran - letzterer war noch ein wenig verachtender. Aber auch Terfel hatte kleinste Gesten drauf, die einen erschauern ließen - wenn er, während er den Passierschein schreibt, Tosca kurz mit seiner Feder über den Oberkörper Richtung Hals streicht. Ekelhaft - und noch getoppt von einem kurzen dreckigen Lachen. Stimmlich ohne Probleme, ein paar künstlich vergrößerte Vokale sind geschenkt.
      Sartori gefiel mit um Längen besser, als letztes an der STO. Dem Rest des Beitrags oben ist nicht viel hinzuzufügen.

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    • Nach der Vorstellung sagte eine ältere Dame zu ihrem Ehegatten: "Los Erich, nun mach mal fertig, wir müssen ins Parkhaus, sonst kacken uns die Leute aufs Auto und klauen uns die Winterreifen." Ich denke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
      Sonst war schön. Terfel fand ich aber enttäuschend. Toll finde ich, dass der Heini, der den Angelotti sang, demnächst den Rheingold-Wotan vermurksen darf. Das muss man sich mal vor Augen führen, sich auf der Zunge zergehen lassen.
      Ach so. Ich habe noch einen Ring II zu verkaufen. 500 Euro.
      Schöne Plätze mit Sicht auf das Bühnengeschehen.
    • 28.05.2017

      Aleksandrs Antonenko stand auf dem Besetzungszettel und auf der Bühne. Eine Stunde vor der Vorstellung hätte er abgesagt, erklärte Operndirektor Seuferle, weil die Stimme beim Einsingen nicht richtig angesprochen hätte. Als Ersatz wurde Kamen Chanev geholt, der demnächst als Kalaf am Haus im Einsatz sein wird. Dieser hat die Vorstellung ohne Noten von der Seite aus gesungen, während Antonenko den Cavaradossi gespielt hat. Die Stimme klang zunächst matt und kratzig. Wenn er in die Spur gefunden hat, kam ein robuster, höhensicherer Tenor zum Vorschein.Insgesamt war das eine respektable Leistung. Als Tosca konnte Maria José Siri überzeugen. George Gagnidze war ein gewohnt souveräner Scarpia. Die Abstimmung zwischen Orchester und Bühne funktionierte nicht immer. Manche Tempi von Ivan Repusic schienen mir zu eigenwillig zu sein.


      Edit: Geändert, siehe Beitrag 6 von Alter Frager.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kapellmeister Storch ()

    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Chanev (...) hat die Vorstellung ohne Noten von der Seite aus gesungen, während Antonenko den Cavaradossi vom Bühnenrand aus gesungen hat.
      Keine Sorge, wir wissen, was Du meinst...
      Find's aber befremdlich, dass man in dieser Inszenierung nicht einfach "normal" einspringen kann, wenn man die Rolle doch beherrscht. Die paar Schritte wird man doch improvisieren können - wo das Gerüst steht, erkennt selbst ein Tenor innerhalb weniger Minuten, umfallen auf "Peng" sollte man auch irgendwie hinbekommen (Come la Tosca in teatro) - wo ist das Problem?
    • Auch gestern konnte die Deutsche Oper wieder mit einer interessant zusammengestellten Besetzung punkten. Gespannt war ich in erster Linie auf Liudmyla Monastyrska in der Titelpartie. Erwartungsgemäß hat sie alle an die Wand gesungen, war aber auch zu innigem Gesang in der Lage. Höhepunkte der Aufführung waren ihre Arie und die Szene mit Cavaradossi im 3. Akt. Jorge de Léon gab insgesamt einen guten Cavaradossi. Seine Stimme mag Geschmackssache sein, für mich gehört er in jedem Fall zu den besseren Tenören. Zunächst enttäuscht war ich von Zeljko Lucic als Scarpia. Vor dem Te Deum ging er in den Orchesterfluten unter, dazu klang sein Vortrag weder besonders kernig, noch besonders nobel. Insgesamt bot er jedoch eine recht differenzierte Rollengestaltung. Mal schauen, wie sein Nabucco wird. Vorzüglich besetzt waren die weiteren Rollen: Noel Bouley als Mesner (am Haus u.a. als Falstaff und Amonasro zu hören gewesen), Derek Welton als Angelotti (singt auch Wotan und Heerrufer), Dong-Hawn Lee als Schließer (zuletzt u.a. als Germont und Heerrufer im Einsatz) und Byung Gil Kim als Sciarrone. Ein besonderes Lob hat sich der gruselige Spoletta James Kryshak verdient. Giampaolo Maria Bisanti trieb das Orchester unermüdlich voran und erfreute mit einem farbenreichen Klangbild. Er scheint am Anfang einer großen Karriere zu stehen. Insgesamt hat sich der Besuch gelohnt.
    • Ich habe dieses Jahr einige Toscas auf dem Zettel. Die erste Tosca des Jahres war gleich eine Ansage. Gespielt wurde zwar improvisiert, aber dennoch überwiegend in den originalen Kulissen. Nur im 1. und 3. Akt war ersatzweise eine schwarze Wand eingebaut. Angeblich geben viele Zuschauer ihre Karten zurück. Wenn jemand eine Produktion nicht kennt, dann fallen die Improvisationen überhaupt nicht auf. Wer auf die Aufführung verzichtet hat, weil er 100 % der Produktion habe wollte, dem sind 150 % Engagement entgangen, die auf der Bühne gegeben worden sind. Die Besetzung war sehr interessant zusammengestellt worden. In Monica Zanettin war zur Abwechslung mal eine Italienerin in der Titelpartie zu hören. Sie besitzt eine ausladende, schöne Stimme, die hier und da ein wenig hart klingt. Dazu ist sie eine bildhübsche Erscheinung. Insgesamt war das ein sehr gelungenes Hausdebüt. Brian Jagde wollte ich schon lange einmal hören. Der Amerikaner hat ein gutes Fundament, in der Mittellage schwingen manche Töne stellenweise nicht so richtig mit und klingen stumpf, und die Höhe ist allererste Sahne. Auch er macht als Typ was her. Insgesamt war ich auch von seiner Leistung sehr angetan. Ambrogio Maestri habe ich zum ersten Mal im Jahr 2001 als hervorragenden Einspringer in der Forza als Don Carlos di Vargas erlebt. Weitere Auftritte als Germont und Rigoletto waren eher durchwachsen, als Falstaff war er sehr gut. Als Scarpia fand ich ihn nun hervorragend: mühelos, mit immer noch recht edlem Material. Beim Dirigat von John Fiore kam keine Langeweile auf. Er ritt mit Attacke durch die Partitur, stellenweise jedoch zu laut, was den drei Solisten des Abends jedoch keine Probleme bereitet hat. Morgen kann man diese Besetzung noch einmal erleben.
    • Meine erste Tosca habe ich vor 40 Jahren als Schüler gehört. Damals wie heute würde die Barlog-Produktion gespielt, in der Generationen von hochkarätigen Sängern aufgetreten. Und nun kam Erwin Schrott und hat einen phänomenalen Scarpia dargeboten: stimmgewaltig, ausgefeilt, charismatisch und mit Sex-Appeal. Da werden sich einige langjährige Oper besucher verwundert die Augen (und die Ohren) gerieben haben. Anja Harteros hat sich in glänzender Verfassung präsentiert und die bislang beste Tosca gesungen, die ich von ihr gehört habe. Marcelo Alvarez soll am Sonntag schwach gewesen sein. Klammert Man die ersten Takte aus, dann war sein Cavaradossi gar nicht so übel. Sicher stemmt er gestenreich die Spitzentöne, aber immerhin mit Erfolg. Allerdings hat seine Stimme den Schmelz, den sie vor knapp 20 Jahren bei der Traviata-Premiere hatte, so ziemlich verloren. Pier Luigi Morandi nahm viel Rücksicht auf seine Stars, musste aber hin und wieder das Tempo ankurbeln, wenn jemand anfing zu schleppen. Hier war Schrott am Ende des 2. Aktes besonders auffällig. Alles in allem war das eine sehr erfreuliche Aufführung kurz vor dem 50. Jubiläum der Produktion im kommenden April.
    • Der Auftritt von Sondra Radvanovsky als Tosca gehört sicherlich zu den herausragenden Ereignissen der aktuellen Spielzeit. Ich mag mich irren, aber sie dürfte die erste Tosca seit Caballé gewesen sein, die Auftrittsapplaus erhalten hat, auch wenn nur ein paar Leute geklatscht haben. Was sie in ihrer Arie an farblichen Schattierungen und Abstufungen bot, war ganz großes Kino. Leider standen ihr keine adäquten Partner zur Seite. Massimo Giordano präsentierte sich mit matter Stimme, die nur zwischendurch erkennen ließ, was für edles Material er vor seinem Fachwechsel vor einigen Jahren einmal hatte. Mal klang die Stimme meckrig, mal folgte auf eine gelungene Phrase ein krasser Abfall. Ivan Inverardi bot als Scarpia nicht mehr als Hausmannskost. Die weiteren Rollen waren, wie meistens in letzter Zeit, hervorragend besetzt, darunter Noel Bouley als Mesner und Samuel Dale Johnson als Angelotti. Ivan Respusic wählte für meinen Geschmack zum Teil zu rasche Tempi, was der Balance zwischen Orchester und Bühne nicht immer förderlich war. Es bleibt der Eindruck einer grandiosen Radvanovsky, ansonsten war es leider eine Aufführung zum Vergessen.