Nabucco - Deutsche Oper

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    • Nabucco - Deutsche Oper

      Die Wiederaufnahme von Nabucco wartetete mit einer Kuriosität auf. Roberto Tagliavini, auf den ich mich nach seinem starken Attila sehr gefreut hatte, war am (Nachmit)Tag der Vorstellung krnk geworden und begann die Vorstellung als Zaccaria nach ärztlicher Behandlung. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ein Herr am Bühnenrand auftauchte und ihm seine Stimme lieh. Nach der Pause löste der Operndirektor auf, dass es sich um Tuomas Pursio handelte, der genau zum Vorstellungsbeginn mit dem Zug aus Leipzig angekommen wäre. Dalibor Jenis sang gewohnt souverän die Titelpartie. Die Krone des Abends gebührte jedoch Anna Smirnova, für die allein sich der Besuch gelohnt hat. MIt welcher Virtuosität und Bandbreite sie ihr Instrument Stimme bedient ist einfach atemberaubend, Im Gegensatz zu manch anderer Rollenvertreterin gelangen ihr auch die lyrischen Momente der Partie sehr anrührend. Irene Roberts machte als Fenena einmal mehr postiv auf sich aufmerksam. Durchaus interessant klang Robert Watson, Stipendiat des Förderkreises, als Ismaele. Zwar klang manches gaumig und nicht gant ausgereift, aber insgesamt gefiel er mir deutlich besser als der derzeit gut im Geschäft befindliche Rivero. Paolo Arrivabeni leitete die Aufführung souverän.

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    • Ich kannte die Inszenierung noch nicht und war mir nicht sicher, ob das nicht ein Regiegag war. Volle Zustimmung, besonders Roberts und Watson haben mich überrascht. Smirnova fand ich am Anfang zu orgelnd, dann war es aber ein umwerfendes Rollenporträt. Ich finde, den Chor der DOB muss man diesmal positiv erwähnen.
      Übrigens hingen schon in der Pause überall Informationen, wer der Einspringer ist. Eine aufgeregte Dame des Abenddienstes erklärte mir, dass sowas aber sehr selten vorkommt...Wie wär`s beim nächsten Lohengrin mit einem spielenden Klausi und einem am Pult singenden Peter Seiffert?

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    • Nach seiner Auswechslung in der ersten Aufführung und einer Absage für Nummer 2 präsentierte sich Roberto Tagliavini in der vierten und letzten Aufführung dieser Winterserie in blendender Verfassung und stellte unter Beweis, warum er aktuell zu den am höchsten gehandelten Bässen gehört. Schade, dass er nicht, wie in der ersten Abo-Vorschau angekündigt, den Philipp singt! Anna Smirnova sorgte ebenfalls dafür, dass es ein toller Opernabend war. In der Titelpartie darf es jetzt gerne mal wieder ein anderer Bariton sein, auch wenn es an der Leistung von Dalibor Jenis nichts auszusetzen gab. Ronita Miller hatte kurzfristig die Fenena übernommen. Mit solch einer dunklen Stimme hört man die Rolle selten. Sie dürfte ihr auch zu hoch liegen, denn oberen Bereich klang das nicht doll. Als Ismaele kam diesmal Attilio Glaser zum Einsatz und präsentierte sich als gute Alternative in diesem Fach. Paolo Arrivabeni schlug straffe Tempi an und war ein umsichtiger und souveräner Leiter der Aufführung. Ein Sonderlob geht erneut an den Chor. Eine sehr gute Vorstellung im prall gefüllten Haus.
    • In dieser Spielzeit gibt es 6mal Nabucco, aufgeteilt in drei "Serien" mit unterschiedlichen Besetzungen. Die Aufführung gestern war hervorragend. Gleich zwei Hauptrollen waren kurzfristig umbesetzt worden. Dalibor Jenis hatte, wie schon am Sonntag, die Titelpartie übernommen. Eigentlich war ich neugierig auf Lucic gewesen, aber Jenis präsentierte sich in blendender Verfassung und überzeugte auf ganzer Linie. Viel bessere Rollenvertreter wird es derzeit kaum geben. Als Zaccaria ist Vitalij Kowaljow eingesprungen, der laut Ansage des Operndirektors gerade erst aus China zurückgekehrt war und auf Erholung nach Jetlag verzichtet hat, um das Haus und die Produktion, zu deren Premieren-Besetzung er gehört hatte, nicht im Stich zu lassen. Ich hatte ihn damals nicht gehört und konnte mich an seiner wohltönenden Stimme und einer überzeugenden Rollengestaltung erfreuen. Der erkrankte Stanislav Trofimov hingegen soll am Sonntag nicht doll gewesen sein. Anna Smirnova war mit der Abigaille bereits in ihrer dritten Rolle in der noch relativ jungen Spielzeit zu erleben. Ihre Leistung war wieder fulminant, allerdings erreicht sie im Gegensatz zu den Aufführungen im Januar nicht mehr den Spitzenton. Der klang für sie wie abgeriegelt. Sehr erfreulich war wieder Robert Watson als Ismaele, der als Stipendiat im Februar einen Auftritt als Cavaradossi bekommt. Eher schwach fand ich Ronnita Miller als Fenena, zumal die Stimme nicht immer sicher geführt war. Wiederum positiv trat Dong-Hwan Lee als Oberpriester in Erscheinung. Herausragend fand ich das Dirigat von Roberto Rizzi Brignoli, der das Orchester regelrecht in Flammen gesetzt hat. Ein sehr guter Opernabend!
    • 20.05.2018

      Auf die Traviata habe ich zu Gunsten des Barbiers in der Staatsoper verzichtet und kann sie daher nicht in mein Urteil mit einbeziehen. Die anderen Opern im Rahmen der Verdi-Tage habe ich alle gehört. Nabucco bekommt von mir die rote Laterne. Eine große Enttäuschung war in erster Linie Zeljko Lucic in der Titelpartie. Seine Stimme klingt weder balsamisch noch kernig, sondern einfach nur farblos. Zwar sang er stellenweise ein wunderbares Legato, aber insgesamt war mir sein Vortrag zu uneinheitlich. Für Ekaterina Metlova als Abigaille lag die Messlatte in dieser Produktion durch die Damen Smirnova und Monastyrska sehr hoch. Ich fand sie zumindest ordentlich, allerdings blass in der Darstellung und mit Problemen in der Höhe. Gaston Rivero sang, was die Stimme hergab. Das war in der Mittellage ordentlich, in der oberen Region jedoch kein Genuss. Gut, dass Kang den Carlos übernommen hat! Enttäuscht war ich auch von Liang Li, der in der ersten Arie kaum über die Rampe gekommen ist und auch sonst insgesamt recht blass blieb. Der stärkste Moment der Aufführung war die von Judit Kutasi hervorragend gesungene Arie der Fenena.
    • Ich teile die Meinung von Kapellmeister Storch. Auch für mich war Kutasi die beste Sängerin des Abends, während Lucic mit ausgemergelter Stimme lustlos über die Bühne schlurfte und Metlovas eindimensionales Timbre und ihr mich fassungslos machendes Nichtspielen - dafür aber mit seltsamen Grimassen kurz vorm Luftholen, was man in der 6. Reihe Parkett sehr gut sehen konnte in die Rubrik "nicht festwochenwürdig" fielen. Der gesamte Abend wirkte trist und emotionslos, das Publikum schlief zur Pause auch beim Applaus fast ein (Vorstellung am 24.05.) und schien durch Lucics zumindest im 2. Teil etwas kraftvolleren, aber weiterhin bedeutungslosen Gesang, ein wenig mehr gefesselt. Es kann nicht jeder Abend von hoher Qualität sein, aber dieser erinnerte mich an die Zeiten vor 30 Jahren, als Stars absagten und dann die Mittelmäßigkeit mit der Schubkarre rangeholt wurde, das Publikum allerdings mitunter mit Buhsalven dagegen protestierte. Leider ist die DOB inzwischen ein Haus, in dem wirklich alles beklatscht wird.
    • Nach einer schwächeren Besetzung im Mai gab es gestern wieder eine sehr erfreuliche Aufführung in einem schlecht besuchten Haus. Gespannt war ich in erster Linie auf Anna Pirozzi als Abigaille, die die Rolle schon an vielen Häusern, darunter Leipzig und Stuttgart, gesungen hat. Nun kommt sie langsam an die größeren Häuser und wird in dieser Spielzeit auch in München, wo sie bereits die Amelia gesungen hat, als Abigaille und Turandot zu hören sein. Sie gab gestern eine eindrucksvolle Visitenkarte ab. Ihr gelangen die leisen und die lauten Momente gleich überzeugend, zeigte keinerlei Ermüdungserscheinungen und hatte auch keinerlei Höhenprobleme. Nach Monastyrska und Smirnova war das nun schon die dritte überragende Rollenvertreterin. George Petean hat mir insgesamt gefallen. Die Stimme könnte mehr Peng haben, aber das ist Gemäkel auf hohem Niveau. Roberto Tagliavini war wieder bärenstark als Zaccaria, auch wenn die Tiefe mehr Substanz haben könnte. Attilio Glaser hinterließ einen deutlich schwächeren Eindruck als bei seinen ersten Auftritten als Ismaele. Recht schwach fand ich Vasilisa Berzhanskaya als Fenena. Zwar ließ ihr sehr schönes Material zunächst aufhorchen, aber deutliche Intonationsprobleme und ein recht uneinheitlicher Vortrag verwischten den zunächst positiven Eindruck wieder. Am Pult sorgte Roberto Rizzi Brignoli mit einem feurigen und dennoch sehr differenzierten Dirigat für pures Verdi-Glück. Wie er den Gefangenenchor zusammen mit dem Chor musiziert hat, war ein besonderer Moment in einer insgesamt guten Aufführung.