Wiesbaden 2017/18

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    • Reingold schrieb:

      Gestern gab der Mottl den Tristan -
      Nie wieder hör ich mir von dem Trottel den Mist an!
      Schonmal was von Versfuß gehört? ?(

      "Was Du gehst in Mottls Tristan
      Schaust Dir dieses Trottels Mist an
      schaff Dir lieber doch ein Drittel Most an
      und sauf Dir mit diesem Mittel Trost an."

      (Zwei vierfüßige und zwei fünfüßige Trochäen)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Gestern hatte Arabella in Wiesbaden Premiere und ich wollte eigentlich nichts weiter dazu sagen, aber Herr Schauß spricht mir mit seinem Bericht aus dem Herzen. Eine so dilettantisch und langweilige Inszenierung hab ich lange nicht mehr gesehen. Laufenberg scheint zu Arabella nahezu fast nichts eingefallen zu sein. Es wird viel rumgestanden, in sitzen gesungen, da mal ein Blumenstrauß in die Hand genommen oder mal nach rechts oder links gegangen.
      Dem Lob für den GMD Lange kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Klar klang das Orchester sehr sauber, durchhörbar, transparent aber tendenziell doch sehr laut. Das Dirigat war sehr zügig, was ich jetzt nicht schlimm fand. Schlimm fand ich, dass die musikalische Interpretation der Arabella zu kühl und sehr emotionsarm klang. Bei dem Duett Und du wirst mein Gebieter sein konnte es Lange gar nicht schnell genug gehen. So kam keine Stimmung oder Emotionen auf. Ab und zu mal Atmen oder tief Luft holen, hätte Lang ganz gut getan. Und auch den Wiener Schmäh hat man musikalisch wie szenisch sehr vermisst. Die Buhs für Lang absolut gerechtfertigt, meiner Meinung nach.

      onlinemerker.com/wiesbaden-sta…abella-aber-der-richtige/
    • The Botanist schrieb:

      Die Buhs für Lang absolut gerechtfertigt, meiner Meinung nach.
      Da möchte ich gleich widersprechen :) . Ich weiß nicht, wie lange Sie schon in Wiesbaden in die Oper gehen, ich finde jedenfalls, dass sich das Orchester seit dem Antritt von Patrick Lange enorm gemacht hat, was es auch gestern Abend wieder gezeigt hat. Technisch ziemlich perfekt (bis auf die Oboe) gab es da gestern Abend einen üppigen Straussound zu hören, durchaus auch nicht zu laut für die Sänger (bis auf Ryan McKinney, der allerdings sowieso recht blass blieb und enttäuschend war). Zur musikalischen Interpretation will ich mich nicht äußern, da ich das Stück kaum kenne, aber es gab schon einige Stellen, die mich sehr berührt haben.

      The Botanist schrieb:

      Eine so dilettantisch und langweilige Inszenierung hab ich lange nicht mehr gesehen.
      Dann haben Sie wohl Laufenbergs Götterdämmerung noch nicht gesehen :D . Es gibt wohl noch zwei, drei Vorstellungen diese Saison, können Sie sich ein Bild davon machen. Immerhin hat er es fertig gebracht, auch hier den Schicklgruber unterzubringen, was ich dann so albern fand, dass ich mich schon nicht einmal mehr geärgert habe.


      "Katharina Konradi als Zdenka lief ihr hingegen da mit leichter silbriger Tongebung und wunderbar aufblühender Höhe völlig den Rang ab. Sehr sicher in den schwierigen Intervallen und klar in der Intonation wurde sie zurecht am meisten gefeiert."

      Dem würde ich auf jeden Fall zustimmen wollen, sie war gesanglich sicher der Höhepunkt des Abends.
    • In Wiesbaden bin ich schon seit vielen vielen Jahren gerne Gast und habe die wachsende Qualität natürlich auch vernommen. Wiesbaden kann auch stolz auf seinen neuen GMD sein, aber gestern hat mir das Dirigat einfach nicht gefallen. Das war mir zu clean. Ich denk da sehr gerne an Thielemanns Arabella zurück.



      Mag aber auch alles Geschmacksache sein.
      Den Ring in Wiesbaden habe ich letztes Jahr 2x gesehen, aber auch nur Herlitzius und Schager wegen. ;)
    • JLSorel schrieb:

      The Botanist schrieb:

      Den Ring in Wiesbaden habe ich letztes Jahr 2x gesehen, aber auch nur Herlitzius und Schager wegen
      Die Götterdämmerung-Inszenierung ist doch eine Katastrophe oder?
      Ja wirklich schrecklich. Was da alles an Requisiten herbeigezogen wurde...Ich bin irgendwie die Laufenberg Inszenierungen satt. Als Intendant macht er meiner Meinung nach aber einen ganz guten Job, nur inszenieren sollte er nicht. ;)
    • Neu

      Nachdem ich vom neuen GMD Lange erst begeistert war, mehren sich doch jetzt Unzufriedenheiten. Nach einer guten (aber eben viel zu lauten) Arabella dirigierte Lange gestern „Vier letzte Lieder“ und die „Alpensinfonie“. Als Solistin hat man Maria Bengtsson engagiert. Ihr wunderbar geführter Sopran passt ideal zu diesen Liedern. Wie sie gestaltet und den Text zum leuchten bringt ist eine wahre Freude! Bedauerlicherweise hat man von ihr nicht alles verstehen können, da sie von Lange überdeckt wurde. Bengtsson stand schon ganz vorn und trotzdem musste sie forcieren, damit sie alle verstehen können. Bei „Beim Schlafengehen“ gab Bengtsson dann nach. Schade, dass Sopranistin und Orchester nicht eins wurden.

      Schlimmer und nahezu unerträglich wurde dann die „Alpensinfonie“ dirigiert. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat jeder, der dieses Meisterwerk (auf CD oder live) erlebt hat vor seinem inneren Auge Berge, Wiesen usw. gesehen. Gestern war davon nichts zu spüren. Mit einem enormen Tempo (knappe 45 Minuten) peitschte Lange da durch, trieb sein Orchester auf den Berg und gab keine Zeit zum innehalten oder ausruhen. Es wurde so zügig musiziert, dass einige Musiker den Anschluss verloren und falsch spielten. Ärgerlich an dieser Interpretation, dass keine Struktur drin war und diese „Alpensinfonie“ eine Mischung aus Spätromantik und 12-Ton-Musik (ja wirklich, solch ein durcheinander war das) war. Ich versuche jetzt erst einmal Lange zu meiden.
    • Neu

      The Botanist schrieb:

      Schlimmer und nahezu unerträglich wurde dann die „Alpensinfonie“ dirigiert.
      Ganz so schlimm fand ich es jetzt nicht. Allerdings merkte man schon, dass das Orchester technisch an seine Grenzen stieß. Und natürlich fehlte hier der Sound und der Glanz wirklich guter Orchester, so dass es bei den lauten Stellen nur noch dröhnend und unkultiviert laut und nicht mehr durchhörbar war.
      Aber hat insgesamt trotzdem Spaß gemacht, hatte aber halt auch nicht so riesige Erwartungen.
    • Neu

      The Botanist schrieb:

      Schlimmer und nahezu unerträglich wurde dann die „Alpensinfonie“ dirigiert. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat jeder, der dieses Meisterwerk (auf CD oder live) erlebt hat vor seinem inneren Auge Berge, Wiesen usw. gesehen. Gestern war davon nichts zu spüren.


      Ich hatte aber immer meine Probleme, die sogenannte „Alpensinfonie“ als eine Naturschilderung zu bezeichnen.
      Dann fand ich einen Kommentar zur Entstehung des Werkes:
      „Doch jetzt mal realistisch: Als vielgefragter und intensiv beschäftigter Komponist verschwendet man doch nicht vier Jahre seines Lebens, um einen Ausflug in die Alpen zu beschreiben. Da steckt doch mehr dahinter.“
      Im „alten Forum“ hatten wir eine Diskussion, ob nicht das Schicksal des Paares Lydia Welti-Escher und Karl Stauffer den Komponisten Richard Strauss zu einer mehrfach unterbrochenen Kompositionsarbeit angeregt hat.
      Deshalb habe ich mich mit den auch Richard Strauss bekannten Zusammenhängen aus derEntstehungszeit der angeblichen Naturschilderung beschäftigt, die auch den Komponisten bewegt haben:
      Bereits im Jahre 1900, dem Todesjahr Nietzsches plante Richard Strauss eine sinfonische Dichtung über das Schicksal Karl Stauffers.
      Nun wäre es doch unwahrscheinlich gewesen, wenn der Komponist die tragische Liebe Stauffers zu Lydia Escher dabei unbeachtet gelassen hätte. Möglicherweise hatte er auch in der Zeit um 1902 bereits Aspekte des Beziehungsdramas skizziert.
      Nun könnte ich mir vorstellen, dass Strauss aber zu der Erkenntnis kam, dass die Tragödie Lydia- Karl wohl eher ein Opernstoff, und dann mehr für Komponisten vom Schlage Puccinis oder dAlberts wäre.
      Folglich wurde nur noch von „Einer Künstlertragödie“ gesprochen und die Musik an der Bergwanderbegeisterung von Karl Stauffer festgemacht.
      Aber lassen nicht zahlreiche Motive selbst in der Fassung der Alpensinfonie Assoziationen einer leidenschaftlichen Beziehung zu. Vor allem in „Gewitter und Sturm“erkenne ich doch die römischen Ereignisse der Katastrophe des Paares.
      Wohl kaum hat Strauss den Tod eindrucksvoller dargestellt hat, wie im letzten Teil der Alpensinfonie. Das aber passt wohl weniger zu einer glücklichen, wenn auch erschöpften, Rückkehr aus den Bergen.
      Es ist doch auch überliefert, dass Strauss mit dem mehrfach unterbrochenen Fortgang der Kompositionsarbeit die Figur Karl Stauffers mit der Person Nietzsches und dessen Philosophie zunehmend verquickt hat, was auch letztlich zum Arbeitstitel? „Antichrist“ und dann zu “Der Antichrist- eine Alpensinfonie“geführt hat.
      DerKöniglich Preußische Generalmusikdirektor konnte schon aus religiösen Gründen den Titel nicht aufrecht halten und so sind wir erst in der Partitur-Reinschrift bei „Eine Alpensinfonie“ gelandet.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()