Spielzeit 17/18

    • Am Rande: interessant fand ich, daß der André Chénier in Frankreich nicht gut ankommt (wurde in einem Beitrag bei der Übertragung angemerkt). Angeblich, weil in dieser Oper die Revolution zu schlecht wegkommt.
      Das verwundert nicht, wenn man sich mal den Text der Nationalhymne vor Augen hält (bei uns wäre der längst verboten), der heute noch gesungen wird wie damals.
      Z.B.:
      "Zu den Waffen, Bürger!
      Formt Eure Schlachtreihen,
      Marschieren wir, marschieren wir!
      Bis unreines Blut
      unserer Äcker Furchen tränkt!"
    • So sieht Michael Stallknecht in der heutigen SZ die Inaugurazione (leider nicht frei verfügbar, schade).

      Auf halbem Weg zur Guillotine

      sueddeutsche.de/kultur/oper-au…ne-1.3786023?reduced=true

      (Zumindest findet er nicht, daß Anna Netrebko zu Maria Callas aufschloß):

      "Dafür läßt Netrebko diesmal besonders missen, was sie noch nie im Übermaß besaß: Hingabe, die Fähigkeit zur Entäußerung aus dem Moment heraus. "La mamm morta", die berühmte Arie, mit der Maria Callas 1955 die Scala zu Beifallsstürmen hinriß klingt bloß gut kontrolliert. Das mag wie bei ihrem Mann ein wenig auch dem Druck geschuldet sein, vielleicht auch der Inszenierung."
    • Andrea Chénier, 10.12.2017

      Merkwürdiger Fall: ich hatte einige Probleme meine zweite Karte loszuwerden, glücklicherweise dann doch noch zum Originalpreis. Die Vorstellung war nicht ausverkauft, was nach Meinung eines italienischen Besuchers am langen Wochenende mit dem Feiertag am Freitag gelegen haben soll. In der Stadt waren jedenfalls Himmel und Menschen unterwegs. Selten habe ich eine so volle Stadt irgendwo auf der Welt erlebt.

      Mit einem Tenor wie z. B. Martin Muehle hätte es eine sehr gute Aufführung werden können. Leider klang Yusif Eyvazov noch schlimmer als im Fernsehen. Als Manrico in Berlin fand ich ihn gar nicht so abwegig, aber gestern, das ging gar nicht. Er gab sich zwar alle Mühe auf Linie und differenziert zu singen, jedoch reichten die stimmlichen Mittel dafür nicht aus. Erstaunlich, dass niemand mal zwischendurch gebuht hat! Bei Anna Netrebko gab es Licht und Schatten. Licht, weil ihre Stimme stellenweise wunderbar aufzublühen vermochte und zu innigen Piani imstande war, Schatten, weil ihr kontrollierter Gesang nicht eine sich verzehrende Frau transportiert hat und sich insbesondere im 1. Akt Intonationsprobleme in ihren Vortrag mischten. Luca Salsi klang nicht so fulminant wie im Fernsehen, dennoch war er der unangefochtene Punktsieger dieses Nachmittags. Ein Ereignis war das Dirigat von Riccardo Chailly. Seine Tempi waren ähnlich wie bei Carignani in Berlin, aber Chailly hat den Vorteil einer Neuproduktion, die er sehr feinsinnig und filigran gestaltet hat.

      Nach einem sonnigen Samstag hat es nach der Aufführung geschneit. Unterm Strich hatte ich ein schönes Wochenende in Mailand, auch wenn es sicher bessere Aufführungen als diesen Chénier gibt!