Eröffnungskonzert der Gohrischer Schostakowitsch-Tage

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    • Eröffnungskonzert der Gohrischer Schostakowitsch-Tage

      Das Eröffnungskonzert der Gohrischer „Schostakowitsch-Tage 2017 fand am 22. Juni 2017 im Dresdener Semper-Bau statt.
      Der legendäre, aber nun doch körperlich recht eingeschränkte Gennadi Roshdestwenski interpretierte dort auf seine Art Schostakowitschs erste und seine letzte Sinfonie.
      Die Staatskapelle Dresden spielte mit der uns vertrauten Präzision, aber der Meister kreierte derart gedämpfte Tempi, dass es uns recht schwer fiel, unseren Schostakowitsch zu erkennen.
      Nun gehören wir nicht zu jenen Konzertbesuchern, die mit der Stopp-Uhr im Saal sitzen und dem Interpreten ein Korsett anlegen möchten. Aber Roshdestwenski brauchte für die 1. Sinfonie etwa 40 Minuten und für die zweite über 55 Minuten.
      Im Vergleich dazu sind in den Einspielungen von Gergiev, die bei uns etwas Kult-Status haben, 34 bzw. 49 Minuten angelegt.
      Irgendwie war uns durch diese Verschleppung unser Schostakowitsch abhandengekommen.
      Dazu kam noch, dass die eingeladenen Ehren-Gäste überwiegend nicht gekommen waren und die Abendkasse die „Königliche Loge“ mit Zufallsbesuchern aus dem Touristenmilieu aufgefüllt hatte, die eigentlich nur mal die TV-Bierreklame sehen wollten. Damit waren wir von leger gekleideten Besuchern eingehaust, die sich langweilten und unterhielten.
      Mein Nachbar spottete über die Hinfälligkeit Roshdestwenskis, so dass es sogar notwendig wurde, auch mal ein Mahn Wort zu sprechen.
    • Ich reise eher selten für Konzerte in andere Städte. Die Aussicht auf gleich zwei Schostakowitsch-Symphonien an einem Abend, noch dazu von der Schostakowitsch-Legende Gennady Rozhdestvensky dirigiert, hat mich dazu bewegt als Tourist nach Dresden zu reisen. Ein Platz in der Mittelloge hatte ich leider nicht, da ich mir meine Karte schon lange vorher gekauft hatte. Immerhin hat es der Dirigent ohne Gehhilfe ans Pult geschafft. Den ersten Teil hat er im Sitzen dirigiert, den zweiten Teil sogar im Stehen. Das ist eine große Energieleistung, vor der ich allergrößten Respekt habe. Sicher ist nicht jeder ältere Mensch so fit wie der Jungbrunnen Blomstedt. Interessant fand ich seine etwas unkonventionelle, sparsame Zeichengebung. Da ich keinen "eigenen" Schostakowisch habe und Rozhdestvensky sicher einen engeren Bezug zum Komponisten gehabt haben dürfte als z. B. Gergiev, haben mich auch die etwas breiten Tempi nicht gestört. Für mich war es ein beeindruckender Konzertabend.