Opernfestspiele 2017

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    • Opernfestspiele 2017

      Kurz zur "La Traviata" heute:

      Es war genau umgekehrt als ich dachte. Diana Damrau war im 1. Akt ziemlich schrecklich. Bin bei "E strano" anfangs förmlich zusammengezuckt. Sie war teilweise schrill, hatte viel Vibrato und unvermittelte Ausreißer in der Lautstärke, jaulte urplötzlich los. Insgesamt fand ich den Vortrag unangenehm. Dazu kam, dass sie nicht wirklich wie eine femme fatale wirkte. Too much Hausfrau.
      Auch der Tenor Charles Castronovo begann im 1. Akt schwach, klang schmalbrüstig mit viel Tremolo. Den ausgiebigen Applaus des Publikums nach dem 1. Akt konnte ich nicht nachvollziehen, aber damit war ich absolut nicht allein.
      Im 2. Akt waren die beiden Hauptprotagonisten wie ausgewechselt. Lag es an Domingo, der nichts an seiner Bühnenpräsenz eingebüßt hat? Jedenfalls war Damrau kaum wiederzuerkennen, hatte wunderbare Piani. Nach seiner etwas holprigen Anfangsarie wurde auch Castronovo immer besser. Und Domingo? Als Profi, der er ist, hat er im Duett im Forte begonnen und beim Einsetzen von Violetta sofort zurückgenommen. Immer schon hat er auf seine Partner Rücksicht genommen und sich nie in den Vordergrund gespielt. Ein "Team-Player" seit eh und je. Sehr schön gesungen seine Arie (die Höhe liegt ihm natürlich und das merkt man ihm auch an). Großer Jubel im Anschluß.
      Ein beglückender 3. Akt und das Publikum war aus dem Häuschen. Riesenapplaus für das gesamte Team, besonders natürlich für Damrau, Castronovo und vor allem Domingo.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Heute in der SZ, Bayern Kultur R 20:

      Ovationen für einen Weltstar

      von Klaus Kalchschmid

      sueddeutsche.de/kultur/opernfe…-einen-weltstar-1.3565036

      Was man auf der Online-Version leider nicht sieht, ist das große (16x20), wunderschöne Photo aus dem 2. Akt mit Père Germont, Alfredo und seiner Schwester.
      Bildunterschrift: Auch mit 76 noch eine grandiose Stimme: Plácido Domingo als Giorgio Germont mit Charles Castronovo und Sandra Mühlbauer in der Wiederaufnahme von "La Traviata".
    • ja, zum ersten Mal seit dem Romeo von Villazon (mit Blasi) hat es mich gestern wieder erwischt und die Augen wurden leicht feucht. Und das gar nicht mal im dritten Akt, da war mir Damraus Theatralik etwas too much, sondern im zweiten Akt bei "Piangi, Piangi" (klarer Fall von richtigen Knopf gedrückt).

      Wenn Staatsoper und Staatsorchester das Niveau von Rusalka und Traviata halten, stehen uns fantastische Festspiele bevor. Fotos gibt es übrigens reichtlich auf der Webseite der Staatsoper in der Mediathek unten:

      staatsoper.de/staatsoper/stueckinfo/la-traviata.html

      mal schaun, ob ich noch die Zeit finde, etwas mehr zu dieser grandiosen Aufführung zu schreiben
    • maestro schrieb:

      Fotos gibt es übrigens reichtlich auf der Webseite der Staatsoper
      So ein tolles wie in der SZ ist aber leider nicht dabei.....

      maestro schrieb:

      mal schaun, ob ich noch die Zeit finde, etwas mehr zu dieser grandiosen Aufführung zu schreiben
      Mich würde vor allem interessieren, wie Damrau im 1. Akt in dieser Aufführung war.

      maestro schrieb:

      im dritten Akt, da war mir Damraus Theatralik etwas too much
      So ging es mir auch. Auch wenn Herrn Kalchschmid das gefallen hat.
    • Manchmal sind die Repertoirevorstellungen die besseren Festspiele. Nach der überragenden Rusalka, gerade die letzte Vorstellung war noch einmal eine wahre Sternstunde, wiederum dank einer fantastischen Orchesterleistung unter Andris Nelsons, kam also die Traviata und auch diese hat viele Erwartungen erfüllt.

      Auch hier gebührt das erste Lob wiederum dem bestens disponierten Orchester unter Andrea Battistoni. Battistoni, der ja auch schon die letzten Serien dirigiert hatte, wiederum mit einem sehr feinfühligen und impressionistischen Dirigat, mit einem guten Gespür für die Tempovorstellungen der Sänger und sehr dramatisch aufgeladenen Vorspielen.

      Für Sonya Yoncheva gab Diana Damrau erneut in München die Violetta und zeigte erneut, warum sie derzeit mit die führendste Interpretin der Violetta ist. Dabei ist Damrau ja schon lange keine wirkliche Koloratursopranistin mehr, sondern eigentlich eine lyrische Sopranistin mit Drang ins jugendlich dramatische Fach (sicher ruft da bald auch eine Eva o.ä.). Zwar ist die technische Grundschule noch da, so dass die Koloraturen etwas besser perlen als bei den meisten Rollenvertreterinnen, im 1. Akt tut sie sich doch mit einigen Schärfen und Härten nicht immer leicht. Ab dem 2. Akt gewinnt dann ihre Darstellung deutlich an Struktur und Qualität. Man nimmt ihr die inneren Kämpfe der Violetta sehr ab, die Stimme bleibt zumeist sehr warm und rund. Allerdings scheut sie sich gerade im Finale auch nicht vor etwas hässlicheren, immer sehr ausdrucksstarken Tönen. Da weiß eine Sängerin sehr genau was sie singt und wie sie es singt. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann vielleicht doch ihre teilweise sehr gestenreiche Theatralik im 3. Akt und ihr auch im stimmlichen Ausdruck vorhandenes leichtes Overacting. Einfach auf der Bühne ein richtiges Bühnentier mit dem ihr eigenen Hang zum Drama. Gute alte Schule.

      Ganz anders Charles Castronovo, mittlerweile einer der bevorzugten Bühnenpartner von Damrau (bsp. auch in der Lucia in London). Castronovo liegen die großen Gesten weniger, er punktet eher mit einer sehr sicheren, eleganten und sauberen Stimmführung. Dank seines sehr baritonalen Grundtimbres geraten lediglich manche Höhen etwas fahl und kratzig. Das fällt aber bei seinem stimmlichen Potential eher weniger ins Gewicht, gerade weil auch die Piano sehr sauber sind. Darstellerisch sind Damrau und er sehr eingespielt, spielen sehr körperbetont (sicher zur großen Freude von Ekaterina Siurina und Nicolas Teste) und mit einem hohen Maß an Leidenschaft. Nachdem sich Castronovo mit seinen Auftritten als Don Ottavio, Tamino, Belmonte, Nemorino, Gennaro, Roberto D., Rodolfo und Alfredo mittlerweile schon eine kleine Hausmacht in München ersungen hat, war er im Applaus, absolut zurecht, den beiden großen Namen absolut ebenbürtig.

      Wie soll man Größe in der Musik definieren? Aufgrund seiner Verdienste auf und neben der Bühne gibt es wahrscheinlich keinen größeren Sänger als Placido Domingo. Und was für eine Bühnenpräsenz hat er immer noch. Er steht auf der Bühne und jeder weiß, wo wirklich die Musik spielt. Dazu ist er, wie von Ira schon angesprochen, immer ein herausragender Kollege gewesen, der es nie auf der Bühne darauf anlegt, sich zu Lasten der Mitstreiter in den Mittelpunkt zu stellen (das hat er übrigens auch mit der wohl größten Sängerin der Gegenwart gemeinsam). Auch als Germont im hohen Alter von offiziell 76 bewahrt sich Domingo absolut seine Würde auf der Bühne. Da wirkt weder darstellerisch noch sängerisch irgendetwas peinlich. Ganz im Gegenteil, Domingo ist stimmlich wie darstellerisch ganz der besorgte Vater, das Ganze vielleicht nur etwas zu gutmütig (so nett ist der Pere Germont auch nicht gezeichnet, dass er sich in der Gartenszene mit Handkuss von Violetta verabschieden muss). Sängerisch hat sich Domingo eine absolut intakte Mittellage bewahrt, aus der heraus er, Profi wie er ist, sich die Partie ganz gut zurechtlegen kann. Manches wird nach etwas nach unten gelegt, manche Höhen attackiert er hingegen auch erstaunlich direkt und kraftvoll (bsp. das Ende seiner Arie). Der Germont liegt ihm natürlich etwas besser als manche anderen etwas dramatischeren Baritonrollen, die deutlich eine höhere Stimmflexibilität und -kraft erfordern. Ich würde sogar behaupten, dass von allen von ihm bisher probierten Baritonrollen der Germont gemeinsam mit dem Simone seine beste Partie ist. In der Traviata fällt es auch weniger ins Gewicht, dass er natürlich ein Tenor ist und immer bleiben wird (vor allem dann, wenn der Alfredo ein dunkleres Timbre hat als er selbst). Und wenn er dann im Piano im Duett mit Violetta diese auffordert zu weinen, dann ist es nicht nur um die geschehen, wenn das so schön und ausdrucksstark erfolgt.

      Da auch die anderen Besetzungsmitglieder, allen voran Rachael Wilson als Flora sowie der Chor bestens disponiert war, ein wirklich denkwürdiger grandioser Opernabend. Und die Festspiele haben eigentlich noch gar nicht richtig begonnen und vielleicht schon ihre beiden Highlights hinter sich.

      Maestro
    • :thumbup:

      maestro schrieb:

      die Augen wurden leicht feucht....
      ......bei dem, was Sie alles über Plácido Domingo geschrieben haben. Danke!

      (Dass er Violetta beim Abschied einen Handkuß gegeben hat, hat mir schon gefallen. Das ist eine winzige Entschuldigung für das, was er ihr angetan hat. Und bei Domingo hat man das Gefühl, er steht nicht wirklich hinter der Sache. Er MUSS es tun wegen der Familienkonvention.)
    • maestro schrieb:

      Der Germont liegt ihm natürlich etwas besser als manche anderen etwas dramatischeren Baritonrollen, die deutlich eine höhere Stimmflexibilität und -kraft erfordern. Ich würde sogar behaupten, dass von allen von ihm bisher probierten Baritonrollen der Germont gemeinsam mit dem Simone seine beste Partie ist.
      Das sehe ich ganz genauso. Der Luna lag ihm nicht, die Szene des Renato in der Gala seines 50. Bühnenjubiläums in Wien war fast erschreckend, auch der Rigoletto war nix. Für den Posa (auch für den Luna) ist er zu alt. Man kann vielleicht sagen, die (Väter-) Rollen, in denen er die Stimme strömen lassen kann, liegen ihm, diejenigen, die kraftvolle Attacke brauchen, sollte er besser meiden. Natürlich ist er kurzatmiger geworden, so dass manchmal die Kraft für ein Legato nicht ganz reicht, aber mit seiner profunden Technik kann er das (noch) ziemlich gut kaschieren.
    • In einer Kritik von Gabriele Luster....

      Die reine Großmut

      ovb-online.de/kultur-tv/reine-grossmut-8441450.html

      (Gibt es da einen Trick wie man das lesen kann?)

      .....heißt es über Domingo:

      "Sein Germont wirkt nicht wie ein Familiendespot, vielmehr treibt ihn die Sorge um seine Kinder. Dass er Violetta verletzt, quält ihn schon bei der ersten Begegnung und macht seine Wandlung zum verzeihenden, großmütigen Vater, der schließlich den eigenen Sohn zur Räson ruft, umso glaubhafter. Domingo gestaltet seinen Part stilsicher und mit selbstverständlicher Überzeugungskraft. Auch wenn die Stimme Farben eingebüßt hat, verzichtet er nicht auf dynamische Differenzierungen und flieht nicht ins bequeme Dauer-Forte. Vielmehr nutzt er den noch hörbaren (Tenor-) Bonus in der hohen Baritonlage und färbt mit den fahlen Tönen seine Charakterstudie."

      Noch zum Handkuß: das mag widersprüchlich wirken, aber er hat ja, als er kam, eine völlig andere Frau erwartet. Zudem war zu dieser Zeit der Handkuß natürlich auch schlicht Konvention.
    • Welche Aufführung Fabius besucht hat, weiß ich jetzt natürlich nicht, aber was er über Diana Damrau im 1. Akt geschrieben hat, wäre für die vom 27. sehr höflich umschrieben.
      Für die Akte 2 und 3 paßt es.

      Zitat:
      ....irgendwie hatte man beinahe das Gefühl, dass schon Domingos Anwesenheit alle Mitwirkenden inspirierte und noch ein paar Umdrehungen mehr herauskitzelte…"

      Dieses Gefühl hatte ich nicht "beinahe", sondern absolut.
    • Danke (der einfache Hinweis hätte genügt), ich habe die Überschrift nicht gelesen, sondern mich gleich auf die Kritik gestürzt.
      Das war dann die 2. Aufführung, möglicherweise war Damrau da ja besser als in der ersten. Vielleicht war sie da noch ein wenig nervös. Immerhin sang sie ja mit Plácido Domingo, dem Sänger, wegen dem sie nach eigener Aussage überhaupt zu singen begonnen hat. Sie erzählte einmal in einem Interview, dass sie den "Traviata"- Film mit ihm gesehen hat, und von ihm und Teresa Stratas so begeistert war, dass sie beschloss: ich will Sängerin werden.
      Bei irgendeiner Gelegenheit hat sie sogar einmal gemeinsam mit Domingo - als Tenor - eine Szene aus "La Traviata" gesungen.
    • den großen Applaus, den Warlikowski am Samstag nach der Gezeichneten Premiere vermisste, den räumte er gestern Abend ab, als er nach einer musikalisch überragenden Frau ohne Schatten Wiederaufnahme noch auf der Bühne erschien. Es brandete ein schierer Jubelorkan auf.

      Es war durchaus ein recht geschickter, und sinnvoller, Schachzug der Intendanz, die beiden Werke direkt hintereinander zu spielen (noch dazu, wenn sie vom selben Regisseur inszeniert werden), da man sehr gut Vergleiche zwischen den Werke herstellen konnte, die beide ja aus der selben Zeit stammen und sich beide nicht gerade durch ein glasklares Libretto auszeichnen;-) Im direkten Vergleich fällt erst auf, wie sich die impressionistischen Klangteppiche von Schreker doch von der durchaus noch recht archaisch wirkenden Frau ohne Schatten Partitur unterscheiden. Da ist bei Schreker doch sogar schon viel Schönberg und Berg zu hören.

      Ich traue mich zu sagen, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass man die FroSch heutzutage besser musikalisch und sängerisch darbieten kann wie gestern Abend. Das gilt, neben Wolfgang Koch, insbesondere für die beiden Damen Elena Pankratova und Ricarda Merbeth. So intonationssicher und gleichzeitig anrührend und heldisch dürfte man die beiden Damen heute kaum besser besetzen können. Da auch Burkhard Fritz zumindest in den ersten beiden Akten in guter Form war, fiel lediglich Michaela Schuster als mittlerweile doch in allen Lagen etwas sehr scharfe Amme etwas ab. Ein toller Abend, wenn ich mir auch vorstellen kann, dass KBB und Orchester (das noch keine Ermüdungserscheinungen zeigte, ganz im Gegenteil) nicht ganz unglücklich darüber sind, wenn FroSch und Gezeichneten in der Zukunft nicht direkt hintereinander gespielt werden sollten;-)
    • @'maestro
      Volle Zustimmung zur gestrigen FroSch. Leider musste ich nach dem letzten C-Dur sofort zum Zug und konnte den Applaus gar nicht miterleben - Mist aber auch.
      Ich hab den Schreker nicht gehört am Vorabend, kann also nicht vergleichen; mir ist allerdings wieder einmal und gestern besonders aufgefallen, wie wenig jene recht haben, die behaupten, Strauss hätte nach der Elektra den Rückzug in die Tonalität angetreten – was da in den symphonischen Zwischenspielen oder bspw. auch in der Kaiserin-Szene im 2. Akt oder im Melodram im 3. Akt zu hören ist, wie die ach so schönen Motive verzerrt und zerstört und in nciht mehr recht erkennbare Harmonien gezwängt werden, das geht für meine Ohren noch weit über Elektra hinaus.
      Allerdings muss man das wohl auch so wie Petrenko dirigieren; aufgeraut, durchjagend, bei den "schönen Stellen" zwar verweilend, aber nicht festklebend – das war für mich eine ganz eigene Klasse.
      Und Mensch, da wird man richtig "versaut" für die nächsten Jahre, denn ich kenne derzeit keinen, aber wirklich keinen Dirigenten, der das auch nur annähernd so bringt. Und nein, auch keinen Dirigenten meiner letzten 30 Jahre. Dass man vielleicht bei der einen oder anderen "schönen Stelle" auf die eignen, liebgewordenen Hörgewohnheiten verzichten muss, mag schmerzlich sein, andererseits ging es mir aber wie jener Dame bei Loriot, die behauptete, nachdem ihr Bayreuther Ohrenarzt ihr die Ohren durchgepustet hatte, habe sie im Lohengrin vier neue Leitmotive gehört .... :) :) :)

      Frau Schuster hab ich jetzt nicht als so scharf empfunden, für mich waberte sie eher bei den höheren Tönen um die richtige Tonlage herum, aber sie hat Ende des 2. und in den fast unsingbaren Ausbrüchen des 3. Aktes einige fulminante Töne hingelegt. Und wer kann diese Partie heutzutage überhaupt noch singen?? Soffel und Polaski wohl nicht mehr, und die Varnay leider auch nicht mehr ... ^^

      Mensch Ihr Münchner, Ihr habt auch noch das m. M. n. MIT ABSTAND beste Opernorchester der Welt!!

      Und ich freu mich auf den MIttwoch.
      Bis denn.
      Die schöne Musi …