Il Trovatore - Staatsoper

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Il Trovatore - Staatsoper

      Nach der Premieren-Serie vor drei Jahren waren meine Erwartungen nicht besonders hoch. Auch Anna Netrebko fand ich damals enttäuschend. Aber sie hat sich weiterentwickelt. Gestern fand ich ihren Auftritt hervorragend. Die große Überraschung war ihr Ehemann Yusif Eyvazov, der mächtig umjubelt wurde. Die Stimme klingt zwar blechern und hässlich, aber gesungen hat er den Manrico überragend. Musikalisch stimmte da so ziemlich alles, auch wenn er zwischendurch mal eine Abkürzung genommen hat und Barenboim somit enteilt ist. Ebenfalls überragend war wie schon vor ein paar Jahren in der konzertanten Aufführung in der DOB Dolora Zajick, immerhin schon 64, als Azucena. Da mögen jüngere Sängerinnen noch so brillant singen, aber bei Zajick kommt so unglaublich viel über die Rampe. Sagenhaft! Eine Enttäuschung war für mich Simone Piazzola als Luna. Nach seinem ersten Germont in Berlin an der DOB war ich mir sicher, dass Piazzola in den nächsten Jahren zu den gefragtesten Sängern seines Faches zählen dürfte. Sein Terminplan mag mir Recht geben, aber doll war das gestern leider nicht. Er hat zwar größtenteils akkurat gesungen, aber erstens fehlt es der Stimme an Peng und zweitens klang sie nicht frisch. Zudem ging er in den Ensembleszenen unter. Adrian Sâmpetrean gab einen stimmschönen Ferrando, ohne jedoch besondere Akzente zu setzen. Daniel Barenboim war am Pult mehr ein aufmerksamer Begleiter der Sänger als ein großer Verdi-Interpret. Insgesamt ein schöner persönlicher Saisonausklang.
    • Die aktuelle Troubadour-Serie war vom Papier her einer der Höhepunkte der Spielzeit an der Staatsoper. Leider hatte im Vorfeld Fabio Sartori abgesagt. Und nicht nur deshalb war die erste Aufführung am Samstag eine herbe Enttäuschung. Das fing bei der jungen Dirigentin Eun Sun Kim, die mit Bravour durch die Partitur geritten ist und dem Werk jeglichen italienischen Esprit ausgetrieben hat. Die übermäßige Lautstärke kann man der Akustik im Haus zuschreiben, muss man aber nicht. Gespannt war ich auf das Rollendebüt von Liudmyla Monastyrska als Leonora. Auch wenn sie mir im zweiten Teil besser gefallen hat, dürfte das einfach nicht ihre Rolle sein. Die Stimme klang zu schwer und ungelenkig. Violeta Urmana zu hören war vor Jahren immer ein Ereignis gewesen, auch wenn sie nie darstellerisch übermäßig überzeugen konnte. Dafür war ihr Gesang immer von einer fast beängstigenden Perfektion geprägt. Das so nicht mehr der Fall. Sicher blitzte ihr großes Können stellenweise auf, aber hinzu kam, dass die Stimme für die Azucena sehr hell klang. Stefano La Colla hatte mir bei seinen ersten Auftritten in Berlin noch recht gut gefallen. In der Mittellage klang auch am Samstag alles recht anständig, bei hohen Tönen wurde die Stimme jedoch weiß und die Intonation stimmte oft nicht. Der einzige Lichtblick der Aufführung war für mich Vladislav Sulimsky als Luna, der demnächst den Rigoletto in Wiesbaden singen wird und mit edler, kerniger und kraftvoller Stimme zu gefallen wusste. Eigentlich wollte ich in drei Aufführungen der Serie gehen, jetzt verzichte ich zumindest schon mal auf die Aufführung morgen. Nach dem ersten Teil hat übrigens schon jemand gebuht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kapellmeister Storch ()