NP Die Gezeichneten (Metzmacher/Warlikowski/Konieczny/Maltman/Naglestad/Daszak)

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    • Was soll das. Das war keine Rezension meinerseits. Man kann ja auch mal den Eindruck von jemandem weitergeben, der nicht hier schreibt. Ich denke nicht, dass das verboten ist. Immerhin ist das auch eine Opernbesucherin und auf diese Weise wird das Meinungsspektrum vergrößert. Andernfalls dürfte man ja auch nichts mehr auf Kritiken geben.
      Sie können hier gerne weiter mit Vergleichen von Trump arbeiten, wenn Ihnen das so unglaublichen Spaß macht, maestro. Man quetscht halt den Quatsch bis er quietscht. Was die Meinung von einer Opernbesucherin allerdings mit "fake news" zu tun hat, würde mich aber schon interessieren.
      Und von "anonymus" kann auch keine Rede sein, mir ist die Dame durchaus bekannt.
      Erst denken und dann schreiben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Selten habe ich, und wohl auch viele andere Besucher, eine Premiere so unschlüssig verlassen wie die gestrige Premiere der Gezeichneten. Einen so schwachen Applaus, gerade mal eine Runde, habe ich auch bei schwierigeren Premieren (Hallo, Alice in Wunderland) kaum erlebt und das obwohl wohl unstreitig Ingo Metzmacheer und das Staatsorchester sowie auch die Sänger hervorragende Leistungen brachten. Woran lag es, dass der Abend nicht richtig zum Fliegen kam? Sicher zum einen am Stück selbst, zum anderen aber auch an der sehr vorsichtigen, vielleicht etwas zu symbolisch geratenen Inszenierung von Kryzstof Warlikowski.

      Ja, das Werk. Eigentlich ist der Hintergrund unglaublich drastisch und dennoch ist das Werk sowohl von der Musik als auch von der Partitur her sehr in dem Künstlerbürgertum der 20er Jahre verhaftet. Sehr textlastig, sehr verschwurbelt und für mich zumindest eine klassische Künstleroper, die man wirklich massiv brechen muss, damit sie nicht langweilig wird. Viele Besucher gestern haben den Inszenierungen von Kusej in Stuttgart und Lehnhoff in Salzburg nachgetrauert. Das wird man über die Münchner Inszenierung wohl nicht sagen können.

      Dabei nimmt Warlikowski das Stück absolut ernst und verzichtet darauf, die Brutalität der Hintergrundgeschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Für ihn ist es die schon angesprochene Künstleroper, eindeutig ist Alviano die Hauptperson und der Kampf über die Kontrolle über sein Werk, die er schon längst verloren hat. Das Ganze siedelt Warlikowski in einem klassischen Warlikowski Ambiente ein. Ein sehr elegantes, modern gestyltes Bühnenbild mit vielen Assoziationen aus der modernen Kunst. Dazu die typischen küchenpsychologischen Anspielungen, die man aus vielen Warlikowski-Produktionen kennt (Carlotta auf der Couch, Filmeinspielungen vom Golem bis David Lynch). Dieser überfrachtete Symbolismus, der bei Warlikowski so häufig so gut funktioniert, gestern lief er irgendwie ins Leere und unterstützte die Geschichte nicht, obwohl die drei Hauptpersonen um ihr Leben spielten und sangen. Es blieb irgendwie alles an der glitzernden Oberfläche, egal wie fantasievoll die Einfälle gewesen sind (bsp. auch der Schrekermonolog zu Beginn des 3. Akts mit der adipösen Bauchtänzerin). Viel Effekt, viele Assoziationen, nur wenig Unterstützung für die Musik. Nach Castellucis Tannhäuser eine weitere Produktion, die (wenn auch auf anderem Niveau) im Symbolismus ertrinkt. Eine vertane Chance, bleibt zu hoffen, dass Warlikowski mit dem Pelleas bei der Ruhrtriennale und dem Carlos in Paris an seine bekannte Intensität zurückkehrt.

      Musikalisch kann sich das Staatsorchester derzeit über hohen Besuch nicht beschweren. Gestern Nelsons, heute Metzmacher, morgen Petrenko möchte man sagen. Metzmacher lässt Schrekers Musik flirren und legt einen wunderbaren Klangteppich unter die Szenerie. Das Staatsorchester spielt diese Partitur mit hoher Virtuosität. Metzmacher kann fordern was er will, er bekommt es. Es ist schwer, sich derzeit ein besseres Opernorchester vorzustellen. Metzmacher betont dabei sehr die impressionistischen Klangfarben und kümmert sich sehr darum, eine richtigen Klangatmosphäre zu schaffen und wirkt etwas wie ein Klangzeichner. Großes Bravo für ihm und das Orchester (das einzige des ganzen Abends).

      Sängerisch ist der Abend letztendlich auch in guten Händen. John Daszak singt Alviano mit seinem hellen Charaktertenor sehr intensiv und ausdrucksstark, man nimmt ihm den Elefantenmann sehr ab. Catherine Naglestad bemüht sich um eine sehr differenzierte Gestaltung, für die Carlotta wäre aber eine etwas jüngere Sopranstimme, die etwas weniger Vibrato im Timbre hat, auch keine schlechte Wahl. Christopher Maltman legt den Tamare weniger brutal an als man ihn kennt, sondern fast schon etwas operettenhaft charmant und dandyhaft. Sein prachtvoller Bariton strömt dabei in allen Lagen souverän, gerade auch in der Höhe. Den Rest der Besetzung einzeln aufzuzählen, würde etwas den Platz sprengen. Mir besonders positiv aufgefallen ist Galeano Salas als jugendlicher Liebhaber im 3. Akt und, erneut, Dean Power als Pietro. Auch die übrigen Mitglieder des Ensembles waren mehr als rollendeckend besetzt. Dabei muss man dem KBB einen großen Respekt zollen, dieses große Ensemble so gut besetzt zu haben.

      Etwas Nachdenken muss ich noch über die Aufführung. Trotz aller musikalischen und sängerischen Qualität würde ich aber von einem etwas verschenkten Abend sprechen, wobei ich dies nicht nur Warlkowski anlasten möchte, sondern auch dem Werk an sich.

      Maestro

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von maestro ()

    • Teilweise Rundfunk, teilweise Livestream.

      maestro schrieb:

      Lehnhoff in Salzburg nachgetrauert
      Das kann man so sagen. Vor allem aber habe ich Robert Hale nachgetrauert. Ich fand die grobschlächtige, unfokussierte Alberich-Stimme des Tomas Koniecny mit den nach wie vor unschönen Vokalverfärbungen kaum erträglich. Seltsam, ich habe ihn vorher im Interview gehört, da sind die Vokale einwandfrei. Einen Wotan, den er ja auch singt, würde ich mir von ihm niemals antun wollen.
      Was ich von der Inszenierung gsehen habe: austauschbar, da kann man alles drin spielen lassen, erinnerte teiweise an "Frau ohne Schatten". Und die Viecher an die Ratten in Bayreuth. Langweilig.
      Ersparnisvorschlag für die BSO: mit einem Bühnenbild durchs Jahr.
      Das Werk ist schwierig und deutlich zu langatmig. Wie sagte Marcel Prawy einmal: nur Wagner trägt länger als 3 Stunden. Strauss würde ich allerdings auch mit einbeziehen. Aber ansonsten hat er wahrscheinlich recht.
    • peripatetica schrieb:

      Teilweise Rundfunk, teilweise Livestream.

      maestro schrieb:

      Lehnhoff in Salzburg nachgetrauert
      Das kann man so sagen. Vor allem aber habe ich Robert Hale nachgetrauert. Ich fand die grobschlächtige, unfokussierte Alberich-Stimme des Tomas Koniecny mit den nach wie vor unschönen Vokalverfärbungen kaum erträglich. Seltsam, ich habe ihn vorher im Interview gehört, da sind die Vokale einwandfrei.
      Ich weiß, was Sie meinen ..... Hat eben nix damit zu tun, dass er Pole ist, sondern dass bei ihm offensichtlich manche Vokale in bestimmten Lagen nicht "sitzen" bzw. nicht klingen. Da wird dann halt der nächstähnliche genommen, nur dass dies bei Männerstimmen naturgemäß mehr auffällt als bei Frauenstimmen. Was glauben Sie, wie ich letztes Jahr in Salzburg gelitten habe ..... „herrleeche Dänäee“ .... nee, war nich so dolle :(
      Schade, scheint ja ein netter Kerl zu sein und ooch nicht auf den Kopf gefallen .... Bei Albert Dohmen ist es i. Ü. ganz ähnlich, das hat mit den Jahren sogar noch zugenommen.

      Ztat peripatetica: „Wie sagte Marcel Prawy einmal: nur Wagner trägt länger als 3 Stunden. Strauss würde ich allerdings auch mit einbeziehen. Aber ansonsten hat er wahrscheinlich recht.“

      Hmm, was sagen die Palestrina-, Troyens, Carlo-, Hugenotten-Fans dazu?

      Strauss einbeziehen? Aber hallo! Allerdings war die gestrige FroSch für mich doch hart an der Grenze zum Overkill: Herr der Ringe, Harry Potter und Game of Thrones hoch 4, das muss verdaut werden. ;) Kann aber auch an mir gelegen haben. Erstes Mal seit 30 Jahren Stehplatz bei einer langen Oper, das müssen die Waden erstmal mitmachen. Und es ist halt so viel Musik drinne in der FroSch .... ^^ Aber wie schön, eine Oper zu hören, von der man noch was hat, auch wenn sie schon tagelang vorbei ist! :)


      „Wie schön ist doch die Musik, aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist.“

      Bis denn.