Wagner in Budapest, Der Ring des Nibelungen, 15.-18.6.17

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    • Wagner in Budapest, Der Ring des Nibelungen, 15.-18.6.17

      Eine Kurzkritik der Sängerleistungen im Schnelldurchlauf:

      Zu James Rutherford (Wotan im Reingold und der Walküre) hatte ich hier irgendwo geschrieben, dass ich ihn mir in der Rolle nicht so richtig vorstellen kann. Leider habe ich recht behalten – seiner Stimme fehlt für die dramatischen Auseinandersetzungen mit Fricka und Brünnhilde einfach die Durchschlagskraft. Aufgrund seiner Musikalität und des angenehmen Timbres seiner Stimme konnte er einiges allerdings auch sehr schön gestalten, den Abschied von Brünnhilde beispielsweise. Sein Weib Fricka (wie im Vorjahr Atala Schöck) behielt jedenfalls stimmlich die Oberhand, schauspielerisch dürfte es gerne etwas mehr sein. Weder schauspielerisch noch stimmlich gab es beim Paar Christian Franz – Gerhard Siegel etwas zu Mäkeln. Im Rheingold beharkten sie sich als Loge und Mime, im Siegfried dann als Siegfried und Mime. Das war ganz großes Kino bzw. Oper. Einen hervorragenden Alberich sang Péter Kálmán (Rheingold, Siegfried, Götterdämmerung). Seine ausdrucksvolle Stimme mit großer Textverständlichkeit ließ mich Hartmut Welker vergessen.

      Gábor Bretz gab einen sehr stimmschönen Fasolt, während Walter Fink mit seinem voluminösen schwarzen Bass einen bedrohlichen Fafner zeichnete. Zsolt Haja und Christoph Strehl machten ihre Sache als Donner und Froh resp. sehr ordentlich, ebenso wie Bernadett Fodor als Erda (Rheingold, Siegfried). Hervorheben will ich Lilla Horti nicht nur, weil sie eine schönstimmige, jugendliche Freia zu Gehör brachte, sondern weil es sich um ihr Bühnendebut handelte. Ihre Lehrerin Éva Marton war angeblich ihretwegen anwesend.

      Und nun zum eindeutigen Höhepunkt der diesjährigen Ringaufführung: Das Paar Anja Kampe – Christopher Ventris als Sieglinde und Siegmund. Bei den ersten Tönen hatte ich eine Gänsehaut, die den ganzen 1. Aufzug anhielt. Das war einfach überirdisch schön und ergreifend und übertraf die Paare Kampe / Botha aus dem Jahr zuvor und Melton / Ventris in Bayreuth letztes Jahr. Jeder, mit dem ich hinterher sprach, war ebenso enthusiastisch wie ich. Der Hunding von Sebastian Pilgrim war leider nicht ganz auf dem Niveau, es fehlte ihm etwas die bedrohliche Schwärze in der Stimme. So bleibt glücklicherweise noch etwas Luft nach oben zum perfekten 1. Walkürenaufzug.

      Neben dieser Leistung blieb sogar die vorzügliche Iréne Theorin (alle 3 Brünnhilden in 3 Tagen!) etwas im Schatten trotz ihrer differenzierenden Gesangeskunst mit schmetternden Hojotohos bis hin zu zartesten Piani. Normalerweise wäre sie wohl das Highlight der Tage in Budapest gewesen. Im Siegfried hatten wir dann mit Albert Dohmen einen deutlich beeindruckenderen Wotan/Wanderer. Der Siegfried-Siegfried des letzten Jahres, Daniel Brenna, sang dieses Jahr den Götterdämmerungs-Siegfried. In dieser Rolle hat er mir deutlich besser gefallen als letztes Jahr. Das Gibichungen-Paar Gunther und Gutrune wurde bewährterweise wieder von Oliver Zwarg und Polina Pasztircsák gegeben, ebenso wie der beeindruckende Hagen von Rúni Brattaberg. Neu war dieses Jahr Anna Larsson als Waltraute (Götterdämmerung). An die musikalisch differenzierte Darbietung von Waltraud Meier aus den letzten beiden Jahren kam sie zwar nicht heran, trotzdem bot sie eine sehr ansprechende Leistung.

      Insgesamt war es wieder eine beglückende, wenn auch anstrengende Erfahrung, den Ring in 4 Tagen zu hören. Ich habe den Fehler gemacht, am Tag nach der Götterdämmerung in die konzertante Aufführung des Rienzi zu gehen (Sebastian Weigle; Robert Dean Smith, Emily Magee, Falk Struckmann, Michelle Breedt, Boaz Daniel, u.a.), war aber kaum mehr aufnahmefähig. Deshalb will ich mich auch einer Kritik enthalten.

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