Don Carlo - Deutsche Oper

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    • Don Carlo - Deutsche Oper

      Mein lieber Herr Gesangsverein! Während in der Bismarckstr. sogar ein Wohnhaus wegen Einsturzgefahr nach Unterspülung evakuiert werden musste, geriet auch die Carlos-Vorstellung an allen Ecken und Enden ins Schwimmen. Dass es am Samstag schlimmer gewesen sein soll, mag ich gar nicht glauben. Roberto Rizzi Brignoli hat dem Haus in der Vergangenheit viele sehr gute Vorstellungen beschert und war eigentlich immer eine Bank. Mit extremen Tempi, teils völlig zerdehnt, teils rasend schnell, dürfte er selbst nicht ganz unschuldig gewesen sein. Dazu kamen Tempodifferenzen mit dem Damenchor (Eboli-Szene und Autodafé) sowie mit den meisten Sängern, in erster Linie jedoch Kristin Lewis als Elisabetta. Neben einigen Unsicherheiten in der Rolle, die man ihr als Einspringerin vielleicht nachsehen mag, fand ich ihren Vortrag insgesamt schwach. Ihre Stimme klingt zwar überwiegend recht schön, aber vokale Mängel wie eingefädelte hohe Töne und Höhenprobleme an sich wiegen doch zu schwer. Probleme mit hohen Tönen hatte auch Jamie Barton als Eboli, allerdings konnte sie als echte "Type" für sich einnehemn und ließ mit ihrem uinteressanten Mezzo aufhorchen. Was sie machte, hatte alles Hand und Fuß. Giacomo Prestia gefiel mir besser als bei seinem letzten Philipp. Er verlieh dem König stimmlich wie darstellerisch die entsprechende Würde, schwächelte allerdings ein wenig in seiner Arie. Teodor Ilincai war ein Titelheld der besseren Sorte. Er konnte mit anhörbarem, robustem Material punkten. Unschön war allerdings seine Unart, manche Töne nachzudrücken. Etienne Dupuis (Posa) gebührte mit einer herausragenden Leistung die Krone des Abends. Ievgen Orlov war ein Großinquisitor mit orgelnder Stimme, die er jedoch undifferenziert und mit wenig Profil eingesetzt hat. Aufhorchen ließ Siobhan Stagg als Stimme vonn oben. Ebenfalls gut war Markus Brück als Mönch. Insgesmat war das zwar keine uninterssante, aber doch unterdurchhschnittliche Aufführung.
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      Anja Harteros als Elisabetta hat mit ihrer langen Szene im letzten Akt in der Vorstellung am 18.5.2018 dem Abend dann doch noch einen herausragenden Höhepunkt aufgesetzt. Wunderbar gestaltete sie Trauer und Verzweiflung mit herrlichen Piani und einer gesanglichen Linie, die die eher biederen 3 Stunden davor vergessen machten. So differenziert und "ehrlich", und einem unbedingten Gestaltungswillen, wirklich großartig. Da auch Runnicles am Pult nach der Pause auf mehr Sängerfreundlichkeit umgeschaltet hatte, ging das sehr unter die Haut. Neben Harteros war auch Etienne Dupuis, vor allem in seiner Sterbeszene, eine wirklich tolle Besetzung. Danach für mich Elena Zhidkova als Eboli mit einer sehr schönen Stimme aber doch, gerade verglichen mit der oben beschriebenen Szene eher etwas eintönig. Mehr gestalterischer Mut wäre schön. Yosep Kang als Carlo zwar kraftvoll, aber auch eher undifferenziert. Ildebrando d'Arcangelo hatte ich bisher nur mit Mozart gehört, hätte auch so bleiben können. Das war, gerade auch in der Arie, nicht überzeugend, zu wenig Tiefe, die Stimme hat für meinen Geschmack zu wenig Fülle und Raum, um wirklich zu gestalten.
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      Bei D'Arcangelo sind wir völlig d'accord. Als er noch vornehmlich im Buffo-Fach unterwegs war, hat mich immer gestört, dass er zu viel mit seiner Stimme protzt und zu wenig gestaltet. Heute hat mich gestört, dass er für den Filippo schlicht und ergreifend zu wenig Stimme hat, um Gestaltung hat er sich zwar bemüht, das ging aber in Anbetracht der vokalen Defizite völlig unter. (Darüber hinaus war er auch bei seinem Rollendebüt, das er in dieser Serie gab, schlecht vorbereitet - viele Töne hat er offensichtlich falsch gelernt, vom Rhythmus schweigen wir lieber.) Beim Schlusspplaus wurde er von Berliner Publikum geflissentlich ignoriert. Schwach auch Zhidkova, völlig ohne Farben und gestalterisches Bemühen und in "O don fatale" zudem auch zweimal empfindlich zu tief. Die Harteros-Fans können mich gerne steinigen, aber ich bin nach den den letzten Live-Erlebnissen (Lohengrin im Dezember in Berlin, Ballo letzte Woche und heute) immer mehr der Ansicht, dass sich ihre große Zeit dem Ende entgegen neigt. Heute hat sie zwar viele piani versucht, einige gelangen auch schön, aber insgesamt spricht die Stimme nicht mehr mühelos an: Viele Töne werden zu gaumig produziert, im vierten Akt gesellen sich in der Arie - trotz schöner Phrasen - und noch mehr im Duett mit Carlo immer mehr Intonationsprobleme hinzu - an ihre epochale Leistung in dieser Partie in München 2013 darf man nicht einmal entfernt denken. Auch wäre es schön gewesen, wenn sie sich wenigstens einmal mit Runnicles auf ein gemeinsames Tempo hätte einigen können. Die vokalen Höhepunkte dieser insgesamt schwachen Vorstellung blieben Yosep Kang als explosivem, wenn auch nicht besonders idiomatischem Carlo und dem bewährten Posa von Etienne Dupuis vorenthalten. Marko Mimica (Mönch) war dem blassen Großinquisitor (Matthew Rose) stimmlich haushoch überlegen - umgekehrt wäre das mir lieber gewesen. Ein nicht sonderlich inspiriertes Dirigat des GMDs rundeten diesen Abend ab, der weit hinter den Ansprüchen, die dieses Werk an ein Haus dieser Größe stellt, zurückblieb.
      Ich habe von den sechs Werken dieser "Verdi-Festtage" fünf gesehen, sängerisch am meisten wird mir sicher Keenlysides intensiver Rigoletto und Rachvelishvilis vokal unverschämt souveräne Azucena in Erinnerung beiben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Heerrufer ()

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      Heerrufer schrieb:

      Die Harteros-Fans können mich gerne steinigen, aber ich bin nach den den letzten Live-Erlebnissen (Lohengrin im Dezember in Berlin, Ballo letzte Woche und heute) immer mehr der Ansicht, dass sich ihre große Zeit dem Ende entgegen neigt.
      Steinigen werden wir Sie nicht ;-), aber ich wäre sehr traurig, wenn Sie recht behalten würden. Für mich ist sie die derzeitig herausragende Sängerin. Vielleicht hatte sie keinen guten Abend und das Umfeld war ja wohl auch nicht geeignet, sie zu besserer Leistung zu animieren. Das soll ja durchaus vorkommen.
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      Heerrufer schrieb:

      Die Harteros-Fans können mich gerne steinigen, aber ich bin nach den den letzten Live-Erlebnissen (Lohengrin im Dezember in Berlin, Ballo letzte Woche und heute) immer mehr der Ansicht, dass sich ihre große Zeit dem Ende entgegen neigt. Heute hat sie zwar viele piani versucht, einige gelangen auch schön, aber insgesamt spricht die Stimme nicht mehr mühelos an: Viele Töne werden zu gaumig produziert, im vierten Akt gesellen sich in der Arie - trotz schöner Phrasen - und noch mehr im Duett mit Carlo immer mehr Intonationsprobleme hinzu ...
      Das heben wir uns mal für später auf, aber den Eindruck kann ich nur bestätigen: es ist hier allenfalls noch das Gesamtpaket Gesang-Bühnenwirkung-Gestaltung, das außergewöhnlich wirkt, allein der Gesang war es -zumindest hier bei den Verdi-Festtagen - nicht.

      Eine Frage an Insider: ist diese Inszenierung durch Lichtprobleme der DOB entwertet worden? Sie wirkte einfach nur langweilig, szenisch nicht geprobt usw....
    • 21.05.2018

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      Ich stimme überwiegend mit Friedrich und Heerrufer überein, sehe manches jedoch ein wenig anders. Unstrittig ist sicherlich, dass Etienne Dupuis als Posa die herausragende Leistung der Aufführung bot. Anja Harteros fand ich als Elisabetta deutlich stärker als vor ein und zwei Wochen als Amelia. Vieles habe ich genossen, aber Heerrufer hat Recht, sie hat einige Töne zu hoch angesetzt und auch bei manchen Tönen Probleme gehabt sie überhaupt zu erreichen. Dazu kamen sich in der Höhe spreizende Töne, wie man es von ihr nicht gewohnt ist (die Tendenz gibt es schon ein wenig länger). Sie ist und bleibt für mich eine herausragende Künstlerin, makellos ist sie allerdings nicht mehr. Wesentlich wohlwollender sehe ich den Auftritt von Ildebrando D´Arcangelo. Sicher kann er nicht so aus dem Vollen schöpfen wie ein Pape, aber erstens steht er mit der Rolle noch am Anfang mit Luft nach oben und zweitens hatte bei ihm alles szenisch wie vokal Hand und Fuß. Die Eboli von Elena Zhidkova fand ich ebenfalls recht farblos, ein Ausfall war sie allerdings bei weitem nicht. Die Stimme von Yosep Kang macht mich nicht sonderlich an, vor seiner Leistung als Carlos habe ich allerdings den aller größten Respekt. An der Rolle haben sich schon ganz andere Sänger verhoben. Die Stimme klang gereift und hatte auch das notwendige Durchhaltevermögen. Matthew Rose war lediglich als hünenhafte Erscheinung im Vergleich zu deutlich kleineren D´Arcangelo imposant, seine fahle Stimme und auch die vokale Gestaltung des Großinquisitors waren leider ziemlich uninteressant. Schade, dass Marko Mimica nicht diesen Job bekommen hat, der als Mönch überqualifiziert war. In der letzten Serie hatte ich noch Siobhan Stagg als Stimme von oben gelobt. Ihren Vortrag fand ich gestern recht uneinheitlich. Noch ein Wort zu Donald Runnicles: ist das Tempo mal auseinander, arbeitet er lediglich mit seinem Schlagarm. Ich vermisse bei ihm einfach klare Zeichen wie bei Sagripanti um den Laden schnell wieder in der Griff zu bekommen. Insgesamt war es sicher eine ordentliche Aufführung, aber mit diversen Abstrichen.