NP Oberon, Bolton, Habjan, Dasch, Gunnell, Pregardien

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    • NP Oberon, Bolton, Habjan, Dasch, Gunnell, Pregardien

      Ich habe mich schon einmal leichter getan, ein paar Eindrücke auf Papier zu bringen als bei der gestrigen Oberon-Premiere. In den letzten Jahren gab es ja eine Reihe von Raritäten in München auf dem Spielplan. Bei nicht wenigen Stücken musste ich danach feststellen, dass mir das Werk nicht wirklich gefehlt hat. Bei kaum einem Stück war es aber so offensichtlich wie beim Oberon.

      Es ist schon eine ungeheuer krude Geschichte, die durch das Verhältnis Text zu Musik auch nicht unbedingt verständlicher wird. Dazu sind die Partien der Rezia und des Hyon auch unglaublich schwer zu singen.
      Nach dem gestrigen Abend würde ich das Stück fast als unrettbar bezeichnen, wenn man nicht die Dialoge so gut wie komplett eliminieren könnte. Dazu wirkt die Story doch sehr zusammengeschustert mit vielen Zitaten von Mozart bis Gluck. Nikolaus Habjan tut das nicht. Ganz im Gegenteil. Er kürzt die ursprünglichen Dialoge nur rudimentär und erfindet dazu noch eine weitere Rahmengeschichte, die noch etwas mehr Dialog erfordert. Oberon und Titania sind hier Wissenschaftler, die ein Experiment an vier Opernbesuchern vornehmen. Diese Rahmengeschichte geht mehr oder weniger im ersten Teil noch auf, es ist etwas klamaukhaft geraten, aber das Publikum wird gut mitgenommen. Im zweiten Teil passt es dann deutlich weniger. Wenn Oberon an sich selbst ein Experiment vornimmt, wenn der Emir von Tunis (als Puppe) die gleiche Gestalt wie Hyon hat, das wirkt dann nur noch aufgesetzt. Insgesamt haben Habjan und seine drei Puppenspieler, die alle Nebenrollen besetzen, sehr viel Mühe gegeben und wirklich versucht, das Stück ernstzunehmen. Oberon scheint mir dennoch irgendwie unrettbar und ich hätte, von Habjan gerne mal ein anderers Stück inszeniert gesehen,, in denen er mit seinen Puppen arbeiten kann, das aber eine etwas einfachere Dramaturgie aufweist.

      Musikalisch war der Abend auch nicht ganz ausgegoren. Ivor Bolton hat den Graben recht hochgefahren. Das Staatsorchester klingt teilweise doch sehr direkt und hart. Klar, die Partitur hat Schärfen und die Ensembles sind knifflig, etwas luftiger und runder hätte ich mir den Klang schon gewünscht (Geschmackssache).

      Sängerisch gab es sehr viel Licht, in Form von Rachael Wilson als Fatima, Johannes Kammler als Page sowie, und vor allem, Julien Pregardien als Oberon. Leider waren die beiden Hauptrollen nicht auf diesem Niveau besetzt. Während Brendan Gunnell als Hyon sich noch durch die schweren Arien kämpfte und fast alle Höhen mit Kraft und enger Stimme erreichte, war Annette Dasch als Rezia an der Grenze zur absoluten Fehlbesetzung. Auch wenn sie in der Inszenierung eine Operndiva spielt und die leichte Hysterie man ihr auch abnahm, war das ganze sängerisch sehr schwierig. Im Piano klingt die Stimme mittlerweile recht fahl und glanzlos, in der Höhe wird sie sehr schnell sehr schrill und wirklich unangenehm. Das Ende der großen Szene „Ozean, Du Ungeheuer“ ging völlig daneben.

      Alles in allem ein sehr schwieriger Abend, durchaus unterhaltsam und mit einigen sehr guten Momenten und vor allem einem sehr guten Timing zwischen Schauspielern und Sängern. Man merkte, dass hier sechs Wochen sehr hart geprobt wurde und dafür muss man dem ganzen Team wirklich Respekt zollen. Das Stück retten konnte die ganze Arbeit aber auch nicht wirklich

      Maestro
    • Es gibt ohne Zweifel wichtigere Werke als den Oberon. Aber jeder wird andere Schwerpunkte setzen und nicht nur den Oberon aus dem aktuellen Repertoire oder andere Werke in derzeit in der BSO gespielten Fassung als nicht so vordringlich bezeichnen.
      Wenn man sich aber für ein Werk entscheidet, ist es von besonderer Bedeutung, wie man es angeht.
      Wer noch die vorherige Produktion an der BSO erlebt hat, dem dürfte das Werk nicht als unrettbar erscheinen.
      Wenn man eine märchenhafte Geschichte mit den heute nicht seltenen Aktualisierungen, Dopplungen usw. belastet, keine passende Besetzung aufweisen kann und ein Orchester Richtung "Originalklang" bürstet, kommt so etwas wie der gestrige Abend raus.
      Vielleicht erinnert man sich wieder dran, daß früher Opern aus dem Randrepertoire auch hin und wieder konzertant gegeben wurden.
      Ansonsten kann ich Maestro nur zustimmen.
      Mich stört im Prinzregententheater auch noch, daß die Stuhllehne nicht durchgehend ist und man öfter Bekanntschaft mit dem Fuß des/der Hintermannes/frau macht.
    • Meran schrieb:

      Wer noch die vorherige Produktion an der BSO erlebt hat, dem dürfte das Werk nicht als unrettbar erscheinen.
      So ist es.
      Mit dieser Produktion im Hinterkopf habe ich mich über diese Stückauswahl gefreut. Jedenfalls mehr als über einen neuen Donizetti oder Bellini. Nikolaus Habjan ist mir von Salzburg her bekannt und darum bin ich auch gespannt auf diese Produktion. Was ich aber im Vorfeld (Hinweise der BSO) oder auch jetzt in maestros Bericht gelesen habe, erscheint mir das Setting nicht so geglückt. Versuchslabor? Das ist seit dem Neuenfels-"Lohengrin" in Bayreuth auch nicht mehr neu und erscheint mir gerade für den "Oberon" wenig passend. Aber mal sehen.
      Die Rundfunk-Übertragung habe ich nur teilweise gehört, was maestro über Annette Dasch schreibt, habe ich auch so empfunden. Ausnehmend gut hat mir Julian Prégardien gefallen, der ja für diese Art alte Musik prädestiniert ist.
    • susakit schrieb:

      das Ding mal zu sehen
      Das habe ich gestern gemacht und fand es eigentlich ganz unterhaltsam und vergnüglich, wäre es nicht viel zu lang gewesen, z.T. auch den zusätzlichen Dialogen geschuldet. 3 Stunden reine Spielzeit geben sowohl die Musik als auch das Libretto mit der abstrusen Story nicht her.
      Das Werk ist eine muntere Mischung aus "Entführung aus dem Serail", "Zauberflöte" (Prüfungen) und ein bißchen "Cosi" ist auch mit dabei. Und in dieser Inszenierung - das weiß man bei Nikolaus Habjan als Regisseur - gibt es viel Puppen- und Kapertlheater, auch die Muppet-Show darf nicht fehlen. So gut das auch gemacht ist, mit der Zeit läuft es sich doch tot und wird schnell zur Klamotte.
      Oberon und Titania streiten sich über die Macht der Liebe bei den Menschen, und was liegt da heutzutage näher, um herauszufinden, wer recht hat.... natürlich ein Veruchslabor, in dem mittels EEG die Hirnströme gemessen werden. Diese Idee ist nun milttlerweile reichlich abgedroschen, hatten wir schon wahlweise in diversen Inszenierungen als Biogas-Anlage, mit Ratten oder Mäusen usw. In dem Fall ohne Viecher, stattdessen mit Puppen. Leider hat man die Zwischentexte (übergetitelt waren nur die Gesangstexte) z.T. sehr schlecht verstanden, gar nix - vor allem akzentbedingt - bei Titania. Eine Ausnahme machte da der Oberon des Julian Prégardien, der als Liedsänger und als Evangelist gewohnt ist, deutlich zu sprechen.
      Neben Prégardien hatte gesanglich das "Buffo-Paar" die Nase vorn, vor allem die Fatime der Rachel Wilson gefiel mir ausnehmend gut.
      Das Hauptprotagonistenpaar litt optisch daran, dass es überhaupt nicht zusammenpasste. Brendan Gunnell ist einen schlichten Kopf kleiner als Annette Dasch, das wirkte manchmal schon sehr komisch. Der schwierigen Partie des Hyon wurde Gunnell gerecht, aber auch nicht mehr. Die Stimme kann man nicht schön nennen, die Höhen wurden mit Kraft gestemmt und gerieten dabei eng. Annette Dasch überzeugte durch ihr Spiel, sie kann ja durchaus komödiantisch sein, was sie hier wieder unter Beweis gestellt hat. Stimmlich fand ich sie zwar nicht so schlecht wie maestro das beschrieben hat (vielleicht war sie gestern ja auch besser als in der Premiere), klang aber oft doch sehr angestrengt und - ja - die beiden letzten Töne ihrer großen Arie waren schrill. Aber ich finde, sie hat die gesanglichen Mängel durch ihre Bühnenpräsenz wettgemacht.
      Mit Ivor Bolton war ich nicht besonders glücklich, sein Dirigat war holzschnittartig. Ich kann mit ihm ohnehin nicht viel anfangen, gar nicht vertrage ich ihn bei der Klassik, so hat er mir mal gründlich einen "Don Giovanni" versaut.
      Alles in allem: ganz nett, aber ohne Zwangsaktualisierung wäre es mir lieber gewesen. Und ganz am Schluß wurde es dann leider mit dem elektrischen Stuhl für mein Gefühl eine Ecke zu geschmacklos.
    • Schambes schrieb:

      Arminius schrieb:

      peripatetica schrieb:

      Nachtrag:
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    • Arminius schrieb:

      Schambes schrieb:

      Arminius schrieb:

      peripatetica schrieb:

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      Sie können sich auch die 15,99€ sparen. Die Aufnahme habe ich nämlich auf der Festplatte. Wer sie haben möchte, dem kann ich sie über WeTransfer zur Verfügung stellen. (einfach eine PN schreiben)