Bregenzer Festspiele 2017

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    • Bregenzer Festspiele 2017

      "Mosè in Egitto"

      "Liebesdrama und Bibel":

      sueddeutsche.de/kultur/open-ai…drama-und-bibel-1.3597956

      Und Gott teilt den Bodensee nicht
      Die Bregenzer Festspiele zeigen Georges Bizets Erfolgsoper «Carmen» und dieRossini-Rarität «Moses in Ägypten» – beide mit allerlei medialen Erweiterungen. Doch fügen die dem Geschehen wirklich etwas hinzu?
      nzz.ch/feuilleton/bregenzer-fe…bodensee-nicht-ld.1307299

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Um im Radio-Thread nicht abzuschweifen schreibe ich hier weiter über die "Carmen", auch wenn ich sie nur im TV gesehen habe. Ich hoffe, das ist ok, wenn nicht, ist auch egal ;)

      Zunächst mal eine Frage: War denn schon jemand unserer geschätzten Gemeinschaft live bei den Bregenzer Festspielen, also, wie sagt man das jetzt? An der Seebühne?
      Wie ist denn da der Live-Eindruck? Sieht man da irgendwas von den Darstellern?
      Irgendein Heini in der Presse konstatierte (oder bemängelte sogar) die fehlende psychologische Feinzeichnung. Ist das denn überhaupt möglich?
      Mir ist schon klar, dass es in Bregenz doch eher ein Spektakel ist, und keine intellektuelle Auseinandersetzung mit der Oper.
      Das aktzeptiert, fand ich es am TV durchaus sehenswert und konnte sogar (im Gegensatz zu sonst!) mit den Kürzungen leben, zumal sie in den ersten beiden Akten sehr geschickt angebracht wurden. Wer, wie ich, zum Träumen neigt, dachte manchmal :"Huch, habe ich da was verschlafen, oder hat da jetzt was gefehlt". Z.B. hat man auf diese Art dem José (Johansson, fand ich im Prinzip gut), das pp-Ende des Duetts erspart, was er ja wohl nicht hingekriegt hätte, siehe Blumenarie.
      Die Bühnenbild-Installation mit den Karten fand ich originell und sinnvoll, sie ist werkgerecht.
      Herr Carignani trug durch schnelle Tempi auch noch zur Kurzfassung bei.
      Wie schon in Vorab-Schnipseln zu hören, befand sich Frau Arquez in Top-Form! Alles, was ich bei ihren Live-Auftritten (auch als Carmen in Frankfurt) auf hohem Niveau zu meckern hatte, war wie weggeblasen. Eine intakte, unforcierte Stimme mit schillerndem Timbre, so wie ich's mag. Möge sie diese Form noch lange behalten.
      Frau Tsallagova hörte ich zum ersten Mal und war auch sehr angetan.
      Insgesamt ein erfreuliches "Event", während ich mich bei der Übertragung aus Aix nur allzugerne ablenken ließ. :thumbsup:
      Die Bühne bleibt sauber!
    • Discman schrieb:

      Zunächst mal eine Frage: War denn schon jemand unserer geschätzten Gemeinschaft live bei den Bregenzer Festspielen, also, wie sagt man das jetzt? An der Seebühne?
      Wie ist denn da der Live-Eindruck? Sieht man da irgendwas von den Darstellern?
      Ich war zweimal dort: habe die Aida mit den Kränen und Andrea Chenier gesehen. Natürlich ist das eher Event als musikalischer Hochgenuss, aber es waren beide Male gut gemachte Events mit einer erstaunlich guten musikalischen Qualität. Psychologisch ausgefeilte Personenregie würde da verlorengehen, die Hauptrollen spielen immer die Bühne und der See. Die Verstärkeranlage ist sehr gut, man hört sogar, aus welcher Richtung die Stimmen kommen. Sehen kann man mindestens so gut, wie in Verona von der Gradinara. ;)
    • Discman schrieb:

      Herr Carignani trug durch schnelle Tempi auch noch zur Kurzfassung bei.
      Das ist schön gesagt. Ich habe das über Ö2 gesehen und gehört (soweit man das da hört) und empfand das Dirigat als Parforceritt. Susakit hat sicher recht, daß man insgesamt keine Opernhaus-Maßstäbe anlegen kann. In irgendeiner Kritik stand sinngemäß: "geht ölig runter wie ein Westend-Musical", wenn man die darin enthaltene Abwertung wegläßt, ist da was dran. Gaelle Arquez hat mir nicht nur stimmlich sehr gut gefallen, die an ihr geäußerte Kritik, sie singe ja sehr schön, sei aber keine Carmen, weil ihr die erotische Ausstrahlung fehle, fand ich völlig daneben (werter Herr Geschlechtsgenosse, ich will ja nicht nachfragen...). Die Damen fand ich stimmlich und gesanglich sehr viel besser als die Herren Jose und Escamillo, um nicht mehr dazu zu sagen (das sollte ein Torero sein? Hust.)
    • Schambes schrieb:

      die an ihr geäußerte Kritik, sie singe ja sehr schön, sei aber keine Carmen, weil ihr die erotische Ausstrahlung fehle, fand ich völlig daneben
      Volle Zustimmung (In welcher Zeitung stand das? ist mir entgangen). Sie sieht meiner Meinung nach durchaus attraktiv aus. Und was heißt schon "erotische Ausstrahlung"? Bei zuviel davon, sind wir doch flugs wieder bei dem Klischee des männermordenden Vamps, was "wir/man/frau" doch unbedingt vermeiden wollen wie auch das Folklore-Postkarten-Touristen-Spanien..... ;)
      Die Bühne bleibt sauber!
    • Bregenz habe ich bisher noch nicht live erlebt, habe eigentlich keine Lust auf das Geplantsche. Und wenn es dann noch regnet wie bei der Premiere....
      Also Eindruck vom TV: es wurde mehr oder weniger durchgebrüllt. Feinziselierung darf man nicht erwarten. Richtig, die Damen hatten die Nase vorn und ich fand auch, Frau Arquez hatte eine ausreichend erotische Ausstrahlung. Nicht nur meine Meinung, sondern auch die meines Mannes ^^ . Elena Tsagallova kommt von der Bayer. Staatsoper.
      Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt einen g'scheiten Escamillo gesehen und gehört habe. Er hat es aber auch nicht leicht, muß raus nund gleich in die Vollen. Robert Hale - der ihn auch gesungen hatte - bezeichnete den Escamillo als "shitty little role." Aber Scott Hendricks blieb schon ziemlich weit hinter dem zurück, was man sich unter einem Escamillo vorstellt.
    • Eben, der muß auf die Bühne kommen und der Macho schlechthin sein. Dann das Duett mit José und die kleine Passage mit Carmen, das wars ja schon. Dazu eine überaus gemeine Lage, für Bassisten sehr hoch, für Baritone sehr tief. Da muß man im Prinzip schon auf Ezio Pinza und José van Dam zurückgreifen...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • maestro schrieb:

      Ira, als Münchnerin sollten Ihnen in den letzten Jahren eigentlich Künstler wie Ildebrando d'Arcangelo oder Gerald Finley als Escamillo nicht entgangen sein (Erwin Schrott lasse ich mal weg, da der als Escamillo keinen Ton getroffen hat)
      Alle drei sind mir nicht entgangen.
      Allerdings hatte ich Gerald Finley nicht als Escamillo (ich laufe nicht in jede "Carmen"), da hatte ich zuletzt Ildebrando d'Arcangelo, der zwar gut war, aber auch nicht mehr als das, irgenwie war er lustlos, der Funke sprang nicht über. Wer ist denn aber als Escamillo schon wirklich überzeugend? Schrott war es auch nicht, das stimmt.
      Seinen sämtlichen Opernrollen (auch den Don Giovanni) aber getopped hat Erwin Schrott vor 3 Jahren in der Bayer. Staatsoper in "Cuba Amiga". Als Stargast mit dabei José Feliciano. Das war der Hammer. Das Publikum war so aus dem Häuschen, wie ich es noch kaum je nach einer Opernaufführung erlebt habe. Schrott selber hatte einen Riesenspaß und es gab Zugabe um Zugabe. Z.T. wurde das Programm nochmal abgespult.
      Gerald Finley hatte ich u.a. als hervorragenden Conte. Ursprünglich war geplant, daß er den Figaro singt und Erwin Schrott den Grafen. Aus irgendeinem Grund haben die beiden dann getauscht. Wie sich erwies war das eine sehr gute Entscheidung.