Saisoneröffnung der Staatskapelle mit Bruch und Bruckner

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    • Saisoneröffnung der Staatskapelle mit Bruch und Bruckner

      Zum ersten Mal haben wir das erste Violinkonzert des Max Bruch mit Nikolaj Znaider 1999 in Bad Kissingen erleben dürfen. Der damals noch wenig bekannte dänische Geiger mit polnischen Wurzeln spielte in einem„Meisterkonzert“ mit der polnischen „Sinfonie Varsovia“ unter Krystof Penderecki.
      Am Abend nach dem Abschlusskonzert der Festspiele wurde ihm dann als erstem jungen Musiker der frisch ausgelobte Luitpold-Preis des Fördervereins des Kissinger Sommers übergeben.
      Seit dieser Zeit gastiert Nikolaj Znaider regelmäßig sowohl beim Kissinger Sommer als auch bei der Staatskapelle. Zuletzt auch im ZDF-Sylvester- Konzert 2016 gleichfalls mit dem Bruch-Violinkonzert.
      In Erinnerung ist uns aber auch sein Gastauftritt im 6.Symphoniekonzert am 6. Februar 2015 geblieben, als in den letzten Takten des ersten Satzes des Violinkonzertes von Dmitri Schostakowitsch eine Handy-Klingel ertönte.
      Eine Dame links hinter uns kramte in ihrer typischen Damentasche. Christian Thielemann wandte sich doch ziemlich erregt an das Auditorium und meinte: „Unmöglich“.
      Der Dirigent brauchte dann auch offensichtlich den erstenTeil des zweiten Satzes, um seine Fassung wieder zu erlangen, während der Geiger Nikolaj Znaider scheinbar ungerührt seinen Part spielte.
      Die Probe zum Eröffnungskonzert der Saison 2017/18 am letzten August-Tag verlief allerdings ruhig, nachdem Christian Thielemann die jugendlichen Besucher am Beginn der Probe etwas streng angeschaut hatte. Auch im Konzert fehlte das Klingeln, so dass wir uns den himmlischen Längen des 1.Violinkonzertes von Max Bruch nun auch in der vierten Begegnung hingeben konnten.
      Die Introduktion spielte Nikolaj Znaider impulsiv und mit großzügigem Tempo, wobei ihm Orchester und Dirigent nichts schuldig blieben.Das Adagio eröffnete er warm und einfühlsam, während des Finales Allegro energico mit Bravour und im Gegenpart zum Orchester gespielt war.
      Es war doch erkennbar, dass sich Solist, Dirigent und Orchester bestens kennen. Einfühlsamkeit und Routine waren eine glückliche Synthese eingegangen.
      Die Entstehung der im zweiten Konzertteil gespielten Fassung der 1. Symphonie von Anton Bruckner war etwas komplex. Komponiert 1866 in Linz,war das Werk 1868 dort lediglich einmal von den Musikern des dortigen Ständetheaters und der örtlichen Garnison aufgeführt worden.
      Nachdem Bruckner 1877 einige Retuschen eingearbeitet hatte,verschwand die Komposition fast 20 Jahre in Bruckners Archiv. Um 1898 erfolgte dann die Umarbeitung zur sogenannten Wiener Fassung.
      Erst 1934/35 wurde im Zusammenhang mit der Drucklegung des Bruckner-Gesamtwerkes die „Linzer Fassung“ auf der Grundlage der Manuskripte des Komponisten veröffentlicht, die dann allgemein in den Konzertaufführungen bevorzugt worden war. Das Manuskript enthielt aber bereits Spuren der Brucknerschen Überarbeitung von 1898.
      Mit der „Neuen Anton Bruckner Gesamtausgabe“ bot sich dann die Gelegenheit, durch Einbeziehungen von überlieferten Einzelstimmen der Aufführung von 1868 eine „historisch-kritische Edition“ der „Linzer Fassung“ mit den etwas ungehobelten Passagen im ersten Satz wieder herzustellen.
      Die erste Symphonie von Anton Bruckner haben wir bisher seltener gehört. In Erinnerung ist uns letztlich nur ein Konzert im Juni 2011mit dem Gewandhausorchester mit Herbert Blomstedt geblieben.
      Im Konzert am 1. September gelang die Linzer Fassung von1877 zur Aufführung, eine Bauchentscheidung lautete die Auskunft nach Anfrage.
      Nach dem verhaltenen Anfang des einleitenden Allegro nahm das Spiel mit dem Hauptthema dann doch erheblich Fahrt auf. Aber hier Klang noch nicht der Bruckner seiner späteren Werke.
      Mit dem folgenden Adagio wird der Einsamkeit des Komponisten Ausdruck gegeben. Phantastisch dabei das Spiel der Holzbläser des Orchesters.Aber noch entfernt vom Bruckner der späteren Jahre.
      Der dritte recht schnell gespielte Scherzo-Satz mit seinen Streicher-Staccato, die von Hornrufen beantwortet wurden, lassen dann schon eher den späteren Bruckner Geltung zu verschaffen. Ein Satz der durchaus das Potential zum Ohrwurm hat.
      Der Finalsatz, bewegt- feurig, beginnt, eigentlich untypischfür Bruckner, zunächst. strahlend und kraftvoll. Nach der Herausarbeitung derHauptthemen entwickelt sich das Geschehen ruhiger, fast choralartig.
      Machtvoll dann noch einmal der Schluss, der durch einwunderbares Zusammenspiel von Bläsern und Streichern beeindruckt.
      Mithin eine gelungene Annäherung des Orchesters und seinerZuhörer an das für alle neue Werk.

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