Gewandhausmusiker mit Blomstedt im Kulturpalast

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    • Gewandhausmusiker mit Blomstedt im Kulturpalast

      Am 3. September war Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester und dem Gewandhauschor aus Leipzig gekommen, um einenBeitrag zum Ausloten der klanglichen Möglichkeiten des Konzertsaalumbaus zuleisten.
      Das Programm enthielt Werke, die wesentlich zur Traditiondes Orchesters beigetragen haben.
      Das Konzertstück F-Dur für vier Hörner und großes Orchesterop.86, im Februar 1849 in Dresden-Loschwitz konzipiert und bereits im März fertiggestellt, war 1850 vor einem „wohlwollend interessierten Publikum“ vom Gewandhausorchester uraufgeführt worden.
      Schumann hatte die erweiterten spieltechnischen Möglichkeiten der erst vor wenigen Jahren entwickelten mit Ventilen ausgestatteten Hörner erkannt und bereits mehrfach in seinen Arbeiten eingesetzt.
      Mit der Besetzung von gleich vier dieser Hörner begeht er aber sowohl spieltechnisch als auch formal Neuland.
      Dem höher geführtem ersten Horn folgen die anderen drei Instrumente über Strecken durchaus gleichwertig.
      Der Komponist hat aber eine Gegenüberstellung der Solistengruppe mit dem kompakten Orchester weitgehend vermieden und ein abwechslungsreiches Zusammenspiel gestaltet, so dass ein eher farbenfrohes und opulentes Klangbild entsteht.
      Mit Bernhard Krug, Juliane Grepling, Jan Wessely und Jochen Pleß hatte Herbert Blomstedt auch vier hauseigene und in Leipzig ausgebildete Hornisten zur Verfügung, so dass er die prachtvollen Vorgaben des Komponisten auch zur Geltung bringen konnte.
      Die Sinfonische Kantate „ Lobgesang op. 52“ von Felix Mendelssohn -Bartholdy, auch als seine 2. Sinfonie bezeichnet, war ursprünglich ein Auftragswerk erteilt vom Rat der Stadt Leipzig zur Würdigung der Erfindung des Buchdrucks anlässlich einer städtischen Vierhundertjahrfeier .
      Die Vorgabe des Auftraggebers, ein sinfonisches Werk mit Chor zu komponieren, bereitete dem Komponisten zunächst Schwierigkeiten, da er an eine großartige Psalm Vertonung oder an ein Oratorium gedacht hatte. Letztlich entschied er sich für die Mischung aus einer Sinfonie und einer Kantate. Die am 25. Juni 1840 imFestkonzert in der Thomaskirche uraufgeführte Fassung erweiterte er mitsinfonischen Sätzen zur im Dezember 1840 aufgeführten noch immer gängigen Fassung.
      Der beginnende instrumentale Teil besteht aus drei ineinander übergehenden Sätzen (Maestoso con molto-Allegro, Allegretto un poco agitato, Adagio religioso). Ihm folgt die Kantate mit Bibelzitaten und dem Kirchenlied „Nun danket alle Gott“. Die Anknüpfung an den Anlass der Komposition erreichte Mendelssohn mit den Texten“ Der Aufstieg des Volkes Gottes aus der Finsternis zum Licht“.
      Ein exzellent vorbereiteter Chor und die Solisten Sophia Brommer (Sopran)von der Oper Graz, Marie Henriette Reinhold (eigentlich eine Mezzosopranistin aus Leipzig) und der als Oratoriensänger bewährte Tenor Tilman Lichdi sowie die Persönlichkeit Herbert Blomstedt gestalteten den Abend zu einem musikalischen Ereignis.
      Gewandhausorchester und Gewandhauschor hatten übrigens das Konzert am 20. April 2012 in der Audienzhalle des Vatikans zum 85. Geburtstag des Papstes Benedikt aufgeführt.
      Auf unseren Seitenplätzen in der ersten Reihe der rechten Saalempore war das Orchester richtig gut zu hören. Der weiche Klang derInstrumentengruppen des Gewandhausorchesters fügte sich zu einem durchaus befriedigenden Klangbild zusammen. Besonders die kompakte Hornsolisten-Gruppe der Schumann-Komposition beeindruckte.
      Die Musiker folgten konzentriert dem etwas verhaltenen Dirigat des Herbert Blomstedt. Dieser dirigierte übrigens das gesamte Konzert freistehend ohne den zu seinen Geburtstagskonzerten im Sommer verwendeten Dirigentenstuhl.
      Die guten Gesangsolisten waren im Saalemporen-Bereich nur begrenzt gut hörbar. Auch der doch mächtige Chor mit den 75 Sängern drang bei den forcierten Phasen etwas stumpf durch.
      Dieser Klangeindruck änderte sich sofort, als ich mich dankder Seitenplätze eindrehen und etwas nach vorn schieben konnte. Dank der Verschiebung um eine Armlänge strahlten umgehend die Klänge von Chor und Solisten.
      Der in Dresden außergewöhnlich beliebte Herbert Blomstedt wurde am Konzertschluss mit stehenden Ovationen und nahezu frenetischen Jubelrufen gefeiert.
      Noch eine Warnung an sensible Konzertbesucher: Auf denBeton-Brüstungen der Ränge wurden massive Stahlgeländer auf gedübelt und in den Freiräumen unter den Querriegeln sind bis zu vier horizontale Stahlseile gespannt.Offenbar doch das Ergebnis der Umsetzung von Bauvorschriften, weil den Betonbrüstungen einigeZentimeter Höhe fehlen. Aber Entschlossene können die Geländer trotzdem unschwer überwinden.
      Für mich sind aber damit die Plätze in der ersten Reihen der Ränge im neuen Konzertsaal „verbrannt“.

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    • Habe dieses Konzert am Vortag im Gewandhaus verfolgt, den Hörner-Schumann fand ich (von der Komposition her) entsetzlich langweilig, den Mendelssohn großartig. Dazu gaben es noch eine grausenvolle "Ouvertüre": Zur Saisoneröffnung regnete es zwei Grußworte mit phrasenträchtigem Gerede, das Publikum klatsche freundlich, Atmosphäre wie auf einem Parteitag. Dann wurde das neue Saisonprogramm gelobt, inkl. des Engagaments von Nelsons für neue Musik. Jörg Widmann ist in dieser Saison als Komponist gesetzt, und alles wird prächtig und toll. Einen Tag später muss das Gewandhaus offenbar die Reißleine ziehen, weil für die Großen Konzerte Mitte September mit Werken von Widmann und Brahms kaum Karten verkauft wurden, gilt ab sofort ein Eintrittspreis von 10 Euro auf allen Plätzen. Hat bislang aber nicht zu reisendem Absatz geführt.(Ist den weltoffenen Bildungsbürgern wohl doch zu schräg, Lust auf Entdeckungen hat von denen eben keiner).