Reduzierter Gustav Mahler in Toblach

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    • Reduzierter Gustav Mahler in Toblach

      Ein ungewöhnliches Abschlusskonzert der „Festspiele Südtirol 2017“erlebten wir am 9.September im schönen Gustav-Mahler-Saal des Kulturzentrums Grand Hotel in Toblach.
      Siebzehn Musiker der Ensemble „Windkraft“ und „Virtuosi Italiani“, davon fünf Holzbläser, drei Blechbläser, fünf Streicher, ein Pianist, eine Akkordeonspielerin und zwei Perkussionisten, intonierten unter dem engagierten Dirigat des Niederländers Kasper de Roo eine von Klaus Simon „reduzierte Fassung für Kammerorchester“ der neunten Symphonie in D-Dur von Gustav Mahler.
      Das Konzert fand somit im gleichen Ort statt, in dem während mehrfacher Urlaubsaufenthalte Mahlers, neben dem „Lied von der Erde“ und den Fragmenten der zehnten Symphonie, auch seine neunte Symphonie komponiert worden ist.
      Kasper de Roo gab seinem Ensemble mit weitausholenden Bewegungen direkt auf die Instrumentengruppen gerichtete exakte Weisungen, eigentlich würdig der Leitung eines großen Klangkörpers.
      Musiziert wurde recht engagiert, wenn auch mit unterschiedlicher Qualität der Musiker und differenziertem Folgen der Intensionen des Dirigenten.
      Besonders gefallen hatten mir der Fagottist Giacomo De Simonis und der Konzertmeister Alberto Martini.
      Beeindruckend ist auch die Akustik der komplett holzverkleideten Schuhschachtel mit ihren 430 Sitzplätzen in Parkett und einer kleineren Mittelgalerie.
      Gewohnt an Interpretationen der Mahler-Symphonien durch die Staatskapelle Dresden und das Gewandhausorchester Leipzig erlebte ich das„Andante comodo“ zunächst irritiert und mit einer gewissen Empörung, ob der Verballhornung des von Mahler als „mit Wut Leidenschaft und Tempo“ angemahnten Allegro risoluto.
      Zu meinem Erstaunen muss ich aber gestehen, dass ich, nachdem der zweite Satz „Im Tempo eines gemächlichen Ländlers- etwas täppisch und derb“vorüber geklungen war, mich auf das Rondò Burleske des dritten Satzes doch eingelassen hatte.
      Der für mich ohnehin problematische resignative Tonfall des abschließenden Adagios wurde allerdings durch die kleine Besetzung in einer eher unangenehmen Weise betont. Letztlich bliebennur Mahlers Todesahnungen mit einer collagenhaften Wirkung, die den Konzertbesucher etwas deprimiert entließen.
      Bleibt für mich die Frage offen, ob man eine derartige Einschränkung eine solchen Werkes überhaupt machen sollte. Auch existiert von Simon eine weitere auf 75 Minuten eingedampfte Fassung für Kammerorchester und von Ralf Bibiella eine Orgelfassung der Mahlerschöpfung für zwei Organisten.
      Lediglich gut die Hälfte der Plätze im Konzertsaal waren besetzt. Das Publikum spendete aber herzlichen Beifall.
      Das Konzert wurde aufgezeichnet und soll am 12. November aufRadio Rai Südtirol ausgestrahlt werden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()